Heimliche Hymne der Würtemberger

Ein 1818 in Gaildorf geschriebenes Lied ist vermutlich nie so oft gesungen worden wie im Vorfeld der Gründung unseres Bundeslandes, die heimliche Hymne der Württemberger.

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  • Im "Morgenblatt für gebildete Stände" (Nummer 124 vom 25. Mai 1818) wurde Justinus Kerners Ballade "Der reichste Fürst" erstmals veröffentlicht (auf der Titelseite, linke Spalte). 1/3
    Im "Morgenblatt für gebildete Stände" (Nummer 124 vom 25. Mai 1818) wurde Justinus Kerners Ballade "Der reichste Fürst" erstmals veröffentlicht (auf der Titelseite, linke Spalte).
  • Gaildorfs Altbürger- meister Hans König hat sich um die Kerner- Forschung verdient gemacht. 2/3
    Gaildorfs Altbürger- meister Hans König hat sich um die Kerner- Forschung verdient gemacht.
  • Justinus Kerner schrieb die Ballade "Der reichste Fürst", die Hymne der Württem- berger. 3/3
    Justinus Kerner schrieb die Ballade "Der reichste Fürst", die Hymne der Württem- berger.
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Für die breite Zustimmung der Württemberger zum neuen Südweststaat, der heute vor 60 Jahren zu existieren begann, gibt es eine einfache Erklärung: Seit der Bildung der Besatzungszonen nach dem Krieg war Württemberg geteilt, patriotische Strömungen hatten Hochkonjunktur.

Unentwegt sei damals "das württembergische Nationallied" gesungen worden, "Preisend mit viel schönen Reden" von Justinus Kerner, wie der Politikwissenschaftler und Staatsrechtler Theodor Eschenburg (1904-1999) im zweiten Band seiner Memoiren bemerkt. Es ist das Lied, "in dem die deutschen Fürsten ihre Länder loben und bei dem es üblich war, dass die Leute die letzte Strophe, in der dem Württemberger, dem Grafen im Barte, der Preis zuerkannt wird, stehend sangen. Selbst die Kommunisten erhoben sich", soweit Theodor Eschenburg.

Justinus Kerner (1786-1862) hat die sieben Strophen unter dem Titel "Der reichste Fürst" im Jahr 1818 in Gaildorf zu Papier gebracht. Hier war der Literat von 1815 bis 1819 als Oberamtsarzt tätig, hier setzte er Eberhard ein bleibendes Denkmal, angetan von des Grafen "Ideal eines volksnahen und geliebten Fürsten in einem gerechten und einigen Staatswesen", wie Gaildorfs Altbürgermeister und Heimatforscher Hans König in einem Aufsatz über Kerner schrieb.

Nun, die Ballade schaffte es nicht zur baden-württembergischen Landeshymne (die es immer noch nicht gibt) erhoben zu werden. Sie blieb im Volksmund die "heimliche württembergische Nationalhymne" - gleichberechtigt neben dem "Badnerlied" und dem "Hohenzollernlied". Zumindest was die klingenden Staatssymbole anbelangt, ist Baden-Württemberg also noch nicht zur Einheit gereift.

In der Vergangenheit gab es immer wieder Irritationen, was den Urheber der "Preisend"-Zeilen anbelangt. Sogar Altministerpräsident Hans Filbinger (1913-2007) - ein Badener! - hat einmal den Text als Werk Ludwig Uhlands gerühmt. Hans König - ein Schwabe! - belehrte ihn damals eines besseren.

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