Heimat der Schwabenhymne

Die Fahne in den Farben der Stadt Gaildorf weht seit wenigen Tagen wieder vom Kernerturm auf dem Kirgel, grüßt hinunter ins Tal und macht deutlich: Der Albverein hat die Turmsaison 2015 eröffnet.

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  • Die Flagge ist gehisst, die Saison 2015 eröffnet: Der Kernerturm auf dem Kirgel, benannt nach Theobald Kerner (kleines Bild), dem Sohn des einstigen Gaildorfer Oberamtsarztes und Dichters Justinus Kerner. Fotos: Michael Burkhardt / Archiv Hans König 1/2
    Die Flagge ist gehisst, die Saison 2015 eröffnet: Der Kernerturm auf dem Kirgel, benannt nach Theobald Kerner (kleines Bild), dem Sohn des einstigen Gaildorfer Oberamtsarztes und Dichters Justinus Kerner. Fotos: Michael Burkhardt / Archiv Hans König
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Sogar manch alteingesessener Gaildorfer, nach Herkunft und Bedeutung des Namens "Kernerturm" befragt, gibt die falsche Antwort - und sagt: Der Aussichtsturm auf dem Kirgel trage den Namen des legendären Mediziners und Dichters Justinus Kerner (1786-1862), der vor langer Zeit hier einmal Oberamtsarzt gewesen war. Das ist falsch, wie Altbürgermeister und Heimatforscher Hans König weiß. Für die Namensgebung stand vielmehr Kerners am 17. Juni 1817 in Gaildorf geborener Sohn Theobald Pate, der spätere Revolutionär, Arzt und Literat.

Doch Kerner-Kenner König nimmt es keinem krumm, der aus Unkenntnis den Irrtum weiterverbreitet, zumal ja auch bis heute auf der Internet-Seite der Stadt Gaildorf nicht Theobald Kerner (1817-1907), sondern Justinus Kerner genannt ist. Und schließlich ist das 457 Meter und 50 Zentimeter über Meereshöhe gelegene Gelände, auf dem anno 1902 das hölzerne Türmle erbaut wurde, durchaus auch mit Justinus Kerner in Verbindung zu bringen. Dort legte er nach einer gemeinsamen Wanderung mit seinem Freund Ludwig Uhland am 6. Oktober anno 1815 eine Rast ein, um den Ausblick ins Tal und über die Limpurger Berge zu genießen.

Wie damals Kerner und Uhland können heute Wanderer vom Kirgel aus die Blicke übers Land schweifen lassen - und zwar von höherer Warte aus als damals: Immer sonntags sowie an Feiertagen öffnet die Ortsgruppe Gaildorf des Schwäbischen Albvereins, die schon seit Jahrzehnten den Schließdienst versieht, die Pforte des Kernerturms. Weithin sichtbares Zeichen ist dann die bekannte rot-weiße Fahne mit dem Gaildorfer Stadtwappen, die zur Eröffnung der Saison 2015 an Ostern wieder gehisst wurde.

Ob Kerner (auch) der Ausblick auf die beschauliche Kleinstadt und ihre idyllische Umgebung zu seiner drei Jahre später in Gaildorf entstandenen Ballade "Der reichste Fürst" - die als "Preisend mit viel schönen Reden" bekannt gewordene schwäbische Hymne - inspiriert haben könnte, ist nicht überliefert. Aber das ist bekannt: Abends sollen er und Uhland gemeinsam mit dem Fichtenberger Pfarrer und späteren Prälaten Johann Gottfried Pahl sowie dem Ellwanger Landvogteiarzt Johann Alois Frö(h)lich in der "Post-Krone" einige Schoppen Wein getrunken haben.

Auch wenn der Kernerturm nicht Justinus' Namen trägt, rückt er in diesem Jahr doch in den Mittelpunkt: Vor 200 Jahren erhielt Kerner, damals Unteramtsarzt in Welzheim, die Berufung als Oberamtsarzt nach Gaildorf. Am 23. Juni 1815 zog er mit seiner Familie ins Zentrum des Limpurger Landes. Dieses Jubiläum wird Thema der literarischen Wanderung zum Kernerturm sein, die Landschaftsführerin Michaela Köhler am Sonntag, 19. April, anbietet. Geschichten, Gedichte und Lieder sollen die Teilnehmer in die Zeit der Romantik versetzen und ihnen interessante Einblicke in das bewegte Leben der Familie Kerner geben.

Auch Ludwig Uhlands Besuche in Gaildorf werden zur Sprache kommen. Dessen zweiter Aufenthalt im September 1816 war unter anderem geprägt von Informationen über die Geschichte der einstigen Limpurger Regenten. Uhland verarbeitete später seine Eindrücke zu der verklärenden Ballade "Der Schenk von Limpurg". Die Verse eben dieses Werks finden sich auf einer am Kernerturm angebrachten Schautafel.

Weitere Projekte zum Kernerjahr sind in Vorbereitung. So ist nach Informationen unserer Zeitung unter anderem eine Wanderung auf Kerners Spuren geplant - mit Stationen in Gschwend, wo der Dichter einst den Pfarrer und Historiker Heinrich Prescher besucht hatte, oder auf dem Lämmershof, Heimat des von Kerner literarisch geförderten Leinewebers Johannes Lämmerer.

Info Treffpunkt für die literarische Wanderung am 19. April ist um 14 Uhr der Parkplatz vor der Gärtnerei Bechstein in Gaildorf. Weitere Informationen gibt es bei Michaela Köhler (Telefon 0160 / 3557831, koehler@die-naturparkfuehrer.de) oder bei der Tourist-Info Gaildorf (Telefon 07971 / 253-513, luzia.assfalg@gaildorf.de).

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