Bundestagswahl: Guten Mutes

Norbert Barthle kandidiert zum sechsten Mal in Folge für die CDU im Wahlkreis Backnang-Schwäbisch Gmünd. Das hat sich der 65-Jährige gut überlegt.

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Norbert Barthle (CDU) im heimischen Garten in Schwäbisch Gmünd.  Foto: 

Wer Norbert Barthle in diesen Tagen besucht, erlebt einen entspannten Bundestagskandidaten. Das hat zwei Gründe: Der CDU-Mann ist zum einen ein erfahrener Politiker, der auf eine mittlerweile 19-jährige Schaffenszeit in Berlin zurückblicken kann. Zum anderen treiben ihm die aktuellen Umfragewerte nicht gerade Sorgenfalten auf die Stirn. Die Christdemokraten steuern, so scheint es jedenfalls, auf einen deutlichen Sieg bei der Wahl am 24. September zu.

Ist also alles scho g’schwätzt, wie der Schwabe so schön sagt? Norbert Barthle winkt ab. „Seit meinem ersten Wahlkampf 1998 sage ich nie wieder: Das ist ein sicherer Wahlkreis.“ Damals forderte im Bund ein gewisser Gerhard Schröder den langjährigen Bundeskanzler Helmut Kohl heraus – mit dem besseren Ende für die SPD. In Barthles Wahlkreis Backnang-Schwäbisch Gmünd trennten ihn am Ende gerade mal drei Prozentpunkte von seinem sozialdemokratischen Mitbewerber Christian Lange; bei den Zweitstimmen lag seine Partei gar nur um 0,1 Prozentpunkte vorne. Das hätte also auch anders ausgehen können.

Ging es aber nicht. Seitdem ist Norbert Barthle das, was man eine feste Größe im politischen Berlin nennen kann. Seit 2015 ist er parlamentarischer Staatssekretär im Bundesverkehrsministerium, zuvor war er sechs Jahre lang haushaltspolitischer Sprecher der CDU/CSU-Fraktion. Moderne Mobilität, alternative Antriebe, autonomes Fahren – zu solchen Themen jettet Barthle in seiner Funktion als Staatssekretär um den halben Globus, nimmt an Symposien teil, holt sich Anregungen, knüpft Kontakte.

Bilanz könne sich sehen lassen

„Wir gehen gutes Mutes und mit einer guten Stimmung in die Wahl“, sagt er beim Gespräch im heimischen Wohnzimmer. Denn, so hört man es in diesen Tagen oft aus den Reihen der CDU, dem Land sei es schließlich noch nie so gut gegangen wie jetzt. Und das sei vor allem der Regierung Merkel zu verdanken. Die Zahl der Arbeitslosen deutlich reduziert, die Staatsverschuldung zurückgefahren, das Klima in der Wirtschaft verbessert – diese Bilanz könne sich sehen lassen, so Barthle.

Wenn der 65-jährige Schwäbisch Gmünder im Wahlkreis unterwegs ist, um für Stimmen zu werben, sprechen ihn die Leute auch auf andere Themen an. Flüchtlinge zum Beispiel. „Die Menschen nehmen den Rückgang im Zuzug wahr, aber Rückführung und Integration bleiben große Themen.“ Oder Bildungspolitik, obwohl das ja eigentlich ein landespolitisches Thema sei. Verkehr, Infrastruktur, Breitbandausbau sind weitere Felder, die die Wähler von Backnang bis Schwäbisch Gmünd – und nicht nur dort – umtreiben.

Das Thema Flüchtlinge und Integration scheint jedoch trotz allen Rückgangs noch immer einen großen Raum einzunehmen. „2015 gab es keine Alternative zu dem Weg, den Angela Merkel gewählt hat“, blickt Barthle zurück. „Jetzt geht es darum, die Außengrenzen besser zu schützen, die Fluchtursachen zu bekämpfen und auch die Rahmenbedingungen in den Staaten zu verbessern, die an diejenigen Länder angrenzen, aus denen die Menschen fliehen.“ Und mit Blick auf die AfD sagt er: „Ich bin überzeugt, je mehr wir dieses Thema in den Griff bekommen, desto mehr wird diese Partei wieder verschwinden.“

Darüber hinaus brauche es das, was Politiker wie Friedrich Merz vor vielen Jahren schon vergebens gefordert hätten: eine Debatte über eine Leitkultur. „Die Leute wollen, dass man darüber redet, was das gemeinsame Zusammenleben ausmacht“, ist Barthle überzeugt. Ein Verweis aufs Grundgesetz reiche beim Thema Integration nicht aus. „Es ist wie mit der Badeordnung. Die können Sie zwar auswendig lernen. Aber schwimmen können Sie deswegen noch lange nicht.“

Rechtzeitig vor dieser Wahl habe er sich überlegt, ob er noch einmal antritt. Dabei kam er zu dem Ergebnis, dass er noch genügend Ziele zu erreichen habe: den weiteren Ausbau der Bundesstraßen 14 und 29, die Verbesserung der Situation auf Rems- und Murrbahn und die Höherstufung der Landesstraße 1115 zwischen Backnang und Mundelsheim nennt er beispielhaft.

Ob es im Falle seiner Wiederwahl seine letzten vier Jahre als Abgeordneter werden, darüber macht sich Barthle noch keine Gedanken. Vor ein paar Tagen, erzählt er schmunzelnd, hat er einen „offiziellen Pensionsbescheid“ bekommen, da er früher ein Lehramt ausübte und zudem im Kultusministerium tätig war. Geld bekomme er da allerdings keins. Und aus der Ruhe bringen lassen will er sich von solchen Bescheiden schon gar nicht.

Norbert Barthle wurde am 1. Februar 1952 in Unterbettringen geboren. Nach einem Studium der Germanistik, Sportwissenschaft und Philosophie in Tübingen war er neun Jahre Gymnasiallehrer für Deutsch und Sport, anschließend Referent für Öffentlichkeitsarbeit und schließlich Pressesprecher im Kultusministerium. Seit 1998 ist Barthle direkt gewählter Abgeordneter im Wahlkreis Backnang-Schwäbisch Gmünd. Er ist unter anderem Staatssekretär beim Bundesverkehrsministerium.
Das Skifahren ist eine große Leidenschaft Barthles: Er ist Präsident im Deutschen Verband für das Skilehrwesen (DVS) sowie im Internationalen Verband der Schneesportinstruktoren (IVSI). Norbert Barthle ist verheiratet und hat zwei Söhne.

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