Gut beschirmt in den Herbst

Der August 2014 bleibt nicht in bester Erinnerung, zumal es gestern, am letzten Augusttag, ziemlich geschüttet hat. Heute beginnt der meteorologische Herbst. Ab Mitte der Woche solls sommerlich werden.

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Im Trapperlager beim Schützenhaus an der Walkmühle herrschte gestern eher Tristesse als fröhliches Wild-West-Treiben. Das 32. Schwarzpulverschießen des Schützenvereins Sulzbach am Kocher, das am vergangenen Freitag begonnen hatte, fiel am Sonntag buchstäblich ins Wasser. Auch einige Fußballspiele wurden wegen des Regens abgesagt. Der Kocherpegel in Gaildorf stieg binnen weniger Stunden von 50 Zentimeter auf mehr als eineinhalb Meter.

Sintflutartige Regenfälle suchten auch das Höhenfest im Altersberg heim. Dennoch ließen sich die Gäste des Musikvereins Gschwend nicht abhalten, durch Nebelschwaden hindurch den Berg zu erklimmen. Die Musik zum Mittagstisch musste allerdings ausfallen, weil auch das kleine Zelt, das für die Musiker gedacht war, schnell belegt war. Kurzerhand schnappten Vereinsmitglieder, unter ihnen Vereinschef Dieter Grau und Jugenddirigent Matthias Weller, die Sonnenschirme und funktionierten sie zum Regenschutz um. Auf diese Weise begleiteten sie Besucher wie Bedienungen auf ihren Wegen zwischen der Gourmetscheuer von Martin Bohn und den Zelten.

Beschaulich gings hingegen im Mineralfreibad auf dem Kieselberg zu. Ein einzelner Schwimmer drehte am Mittag im strömenden Regen seine Runden. Schlecht getroffen hatte ers nicht: Das Wasser hatte eine Temperatur von kuscheligen 23,1 Grad, während das Thermometer an der Luft gerade mal 15,7 Grad anzeigte. Und nass war er ja ohnehin. Abends kommen noch die Stammschwimmer, sagt Thomas Damm, Meister für Bäderbetriebe. Er hielt gestern allein die Stellung und hofft nun auf einen guten Endspurt - es soll ja nochmals warm werden und außerdem sind demnächst die Ferien vorbei.

Meteorologisch gesehen war gestern der letzte Sommertag, gefühlt war es nicht der erste Herbsttag dieses Jahres. Weil als schlecht empfundenes Wetter eher erinnert wird, hat der Sommer 2014 kein sonderlich gutes Image. Hinzu kommt, dass es Leuchtturmveranstaltungen wie das Schwäbisch Haller Sommernachtsfest nahezu weggespült hat. Das bleibt im Gedächtnis, so wie die wegen schlechten Wetters abgesagte Vorstellung von "Kiss me Kate" bei den Freilichtspielen, so wie die leeren Liegewiesen in den Freibädern. Perfektes Freibadwetter beginnt bei 30 Grad, weiß Gerhard Schaffitzel vom Schenkensee-Freibad in Schwäbisch Hall - und Tage mit solchen Temperaturen gabs dem Westheimer Wetter-Experten Martin Melber zufolge heuer im August gar nicht, im Juni an vier und im Juli an fünf Tagen.

Melber findet übrigens nicht, dass der Sommer 2014 aus der Reihe fiel. Mit 41 Sommertagen (mehr als 25 Grad) und neun heißen Tagen (mehr als 30 Grad) liegt er genau im Durchschnitt der vorangegangenen Jahre. Was die Temperaturen anbelangt, war er im Mittel sogar wärmer als der Durchschnitt (s. unten). Dass die Menschen den Sommer 2014 als missraten empfanden, liegt offenbar an einer einseitigen, eher freizeitorientierten Wetter-Definition: Gut ist das Wetter, wenn die Sonne knallt.

Möglicherweise tut sie das ja auch noch einmal, jetzt, im Herbst. Am Dienstag, spätestens aber am Mittwoch, sagt Melber, werde uns ein stabiles Hoch erreichen. "Es gibt nochmal Badewetter mit Temperaturen von 23 bis 27 Grad."

Der Eindruck täuscht: Wetter war besser, als man denkt

Spitzenwerte Mit 41 Sommertagen (Temperaturen über 25 Grad) sei der diesjährige Sommer ziemlich genau im Durchschnitt der vorangegangenen, erläutert Wetter-Techniker Martin Melber von der privaten Wetterstation Westheim. Heiße Tage (mit Werten über 30 Grad) hat er bis jetzt 9 registriert. "Das liegt auch im Durchschnitt eines Sommers bei uns von rund 10 dieser Tage."

Mittelwerte Vergleiche man die Temperaturen 2014 mit den Mittelwerten vorangegangener Jahre, zeige sich: Der Juni 2014 war um 2 Grad, der Juli um 1,5 Grad und der August wohl auch um einige Zehntel Grad zu warm.

Empfindungen Martin Melber weiß, warum einige Menschen den Sommer als zu kalt und zu nass empfinden: "Wir hatten 41 Sommertage, letztes Jahr waren es 58 und im Rekordsommer 2003 sogar 98." Zudem habe ein stabiles Hochdruckgebiet gefehlt. Relativ warmes, aber schwüles Wetter werde eben schnell als schlechtes Wetter empfunden. Vor allem im August fehlte auch die Hitze. Im Juni 2014 stieg das Thermometer an vier Tagen über die 30-Grad-Marke, im Juli an fünf. Im August aber kein einziges Mal.

TOB

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