Gschwender kriegen Geld für Sanierung der Kirchenfassade

Zeitgenossen des berühmten Baumeister Christian Friedrich von Leins bezeichneten sie vor über 150 Jahren als die nahezu schönste der neueren Dorfkirchen. Das Fassade des Gotteshauses am Gschwender Marktplatz muss jetzt dringend saniert werden.

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Als die nahezu schönste der neueren Dorfkirchen bezeichneten Christian von Leins’ Zeitgenossen die Kirche am Gschwender Marktplatz. Der  sehr bekannte Stuttgarter erbaute sie zwischen 1861 und 1863 im neugotischen Stil aus Stuben­sandstein vom Gschwender Gemeindeberg. „Hohes Lob ernteten die Steinmetze. Es waren anfangs eine Gruppe einfacher Steinhauer, die sich unter Anleitung eines erfahrenen Steinmetzes aus Dinkelsbühl zu einer Bauhütte mauserten, der die Formen der Gotik wie Kreuzblumen oder die leider nicht mehr erhaltenen Wasserspeier in vorzüglicher Art gelangen“, heißt es einem Informationsblatt, das in der Kirche ausliegt.

Beim Kirchturm wird sich irgendwann die Frage nach seiner Stabilität stellen.

Das Gotteshaus wurde innen aufwändig renoviert und nach nur fünf Monaten Bauzeit am dritten Advent im  Dezember 2007 festlich eingeweiht. Sein Äußeres lässt allerdings zu wünschen übrig.  So ist das Monogramm mit den Initialen des Baumeisters am Westgiebel über dem Eingang nicht mehr lesbar. Der Sandstein darüber ist schwarz verfärbt. Aber das ist nur ein Kleinigkeit. Pfarrer Jochen Baumann zeigt weitere Schäden an der Fassade. „Man hat früher, in den 60er- und 70er-Jahren zu viel Fixativ aufgetragen, und das schafft der  Stein jetzt raus. Man wollte mit dem Anstrich die Fassade erhalten, hat aber leider das Gegenteil bewirkt.“ Die weißen Flecken auf dem Mauerwerk sehen aus wie ein hartnäckiger  Hautpilz. „Wir kalkulieren mit Kosten von einer halben Million Euro für die Außen­sanierung“, sagt Baumann.

Der Pfarrer lenkt den Blick zum Kirchturm, auf dessen Spitze der goldene Gockel im Sonnenlicht strahlt. 1968, berichtet er,  „wurde der Turm auf halber Höhe gekappt und man hat obendrauf ein Fertigteil aus Beton gesetzt“. Das Material ist  teilweise abgeplatzt, so dass der Stahl sichtbar wird. Der Turm sei zwar nicht einsturzgefährdet, „aber irgendwann stellt sich die Frage nach seiner Stabilität“. Einige Schieferplatten sind beschädigt, andere herausgefallen. Auch an der Kirchenmauer ist die Zeit nicht spurlos vorbeigegangen. Der Sandstein ist hier und da abgeplatzt. „Die Mauer ist nicht mehr gut“, stellt der Pfarrer fest und geht ein paar Schritte weiter zum Kriegerdenkmal. Das ist allerdings eine Baustelle der Gemeinde.

Zwei Kränze liegen vor den Gedenktafeln, je zwei eng beschrieben mit Namen von Gefallenen und Vermissten des Zweiten Weltkriegs. In der Mitte in deutscher Schrift die Namen jener Männer, die zwischen 1914 und 1918 für Kaiser und Vaterland starben. Viele Namen sind nicht mehr zu lesen. Wie Gangrän breitet sich ein weißer Fleck auf dem Stein aus. Bald ein Jahrhundert steht das Kriegerdenkmal an dieser Stelle an der viel befahrenen Bundesstraße. „Wir hatten Überlegungen, ob wir es bei diesem Standort belassen“, sagt Bürgermeister Christoph Hald im Gespräch mit unserer Zeitung. Als Alternative sei der Friedhof im Gespräch gewesen, „aber diesen Standort haben wir wieder fallengelassen“. Es bestünde noch Diskussionsbedarf, „wir haben noch keine Entscheidung getroffen“. Das Thema sei bisher lediglich in nichtöffentlicher Sitzung angesprochen worden. Bürgermeister Hald ist über die Fördermittel erfreut.  „66 770 Euro sind besser als gar nichts. Wir haben in Gschwend nicht eingeplante Projekte wie das, jetzt das Internet zu stemmen, da ist uns jede Unterstützung recht.“

„Für mich grenzt das Ergebnis der Schrottsammlung jedes Mal an ein Wunder.“

Zur Außensanierung der Kirche gehört auch die Drainage. Jochen Baumann deutet auf die Gullis zwischen Kirche und Gemeindehaus. „Die Wasserableitungen müssen wir erneuern, das wird aufwändig werden.“ Der Oberkirchenrat musste  das Bauvorhaben prüfen. „Wir bekommen 30 Prozent aus dem Ausgleichsstock der Landeskirche“, erklärt der Pfarrer. Im Juli letzten Jahres habe der Kirchengemeinderat den Förderantrag beim Denkmalamt gestellt und „viel früher mit einem Bescheid gerechnet“. Architekt Gerhard Röhm will, sobald dem Bauherrn die Förderbestätigung vorliegt, die Ausschreibungen auf den Weg bringen. Jetzt im Vorfeld will er sich nicht äußern. Der Haller Architekt hat auch die Innenrenovierung der Kirche geplant. 650 000 Euro habe sie gekostet  „und alles ist bezahlt“, freut sich Pfarrer Baumann. 360 000 Euro musste die Kirchengemeinde selbst aufbringen. 223 000 Euro hat sie durch Schrottsammlungen und Maultaschenessen erwirtschaftet. „Es grenzt für mich an ein Wunder, dass wir jedes Jahr 7000 bis 10 000 Euro Erlös durch die Schrottsammlung erzielen“, sagt Baumann. Er ist zuversichtlich, dass die Gemeinde mit ihren 2000 Mitgliedern auch die jetzt anstehende Sanierung der Fassade finanziell stemmen wird.

Projekte: Das Wirtschaftsministerium gibt mit der dritten und letzten Tranche des Denkmalförderprogramms 2016 rund 2,6 Millionen Euro frei. Das Geld soll in den Erhalt, die Sanierung und Nutzung von 39 baden-württembergischen Kulturdenkmalen investiert werden. Ein Drittel davon entfallen auf Vorhaben privater Eigentümer, 26 Prozent auf Vorhaben von Kommunen, 41 Prozent sind kirchlich.

Mittel: Das Wirtschaftsministerium stellt das Denkmalförderprogramm auf und entscheidet über die zu fördernden Maßnahmen. Die Mittel stammen aus Erlösen der Staatlichen Toto-Lotto GmbH Baden-­Württemberg.

Laufenmühle: Das Land stockt seinen Denkmalzu­schuss zur Sanierung des Laufenmühle-Viaduktes der Schwäbischen Waldbahn auf 199 990 Euro auf. „Damit unterstützt das Land die Bemühungen der Stadt Welzheim zur Erhaltung dieser bedeutenden Pionierleistung im Ingenieurbau“, meint der CDU-Wahlkreis-Abgeordnete und Landtagsvizepräsident Wilfried Klenk, der Welzheims Bürgermeister Thomas Bernlöhr informiert hat.

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