Gründlich verkorkster Start: Eutendorfer Ortschaftsrat Werner Ellinger erinnert sich

Werner Ellinger ist der dienstälteste Ortschaftsrat in Eutendorf. Seit 25 Jahren engagiert sich der 58-jährige Informatiker in der Kommunalpolitik. Was motiviert ihn, was gefällt ihm an diesem Amt?

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Herr Ellinger, was ist Ihnen von den 25 Jahren als Eutendorfer Ortschaftsrat besonders im Gedächtnis hängen geblieben?
WERNER ELLINGER:
Der Ortschaftsrat hatte nach der Wahl im Jahre 1989 einen gründlich verkorksten Auftakt. Der vom Ortschaftsrat einstimmig vorgeschlagene Ortsvorsteher Wilhelm Härpfer wurde vom Gemeinderat in der konstituierenden Sitzung nicht gewählt. Wilhelm Härpfer erhielt nicht die erforderliche Stimmenzahl und so musste die Wahl vertagt werden. Durch diese Nichtwahl brach der Stadtrat eine Tradition, indem er indirekt den Willen des Ortschaftsrates missachtet hat. Im zweiten Anlauf wurden dann aber Ortsvorsteher Härpfer und sein Stellvertreter Gerhard Schick gewählt.

Und dann fing die eigentliche Arbeit an. Gibt es Projekte, die Sie als zukunftsweisend für den kleinen Gaildorfer Stadtteil bezeichnen?
Ja, nach diesem Eklat konnte der Ortschaftsrat seine Arbeit aufnehmen, und es wurde einiges getan in den nächsten 25 Jahren. Unter dem wortgewandten Ortsvorsteher Härpfer und Bürgermeister Kurt Engel wurden einige Projekte in Angriff genommen. Projekte, bei denen der Ortschaftsrat nicht immer die Zustimmung fand. Die erste Initiative und dies wurde sehr erfolgreich abgeschlossen, war das Projekt "Kabelanschluss für Eutendorf" im Jahr 1990. Ein äußerst ehrgeiziges Projekt, das der Ortsvorsteher mit mir als Ortschaftsrat in Angriff nahm. Die Vorgabe von der Deutschen Bundespost Telekom war hoch angesetzt. Damit der Kabelanschluss nach Eutendorf kam, benötigte man 70 Prozent verbindlich erteilte Aufträge. Das Programmangebot umfasste 16 Fernseh-, 21 UKW-Hörfunkprogramme und 11 digitale Hörfunkprogramme. Die Kosten je angeschlosser Wohneinheit betrugen 875 DM. Die Quote von 70 Prozent wurde erreicht, sodass 1991 mit dem Bau begonnen werden konnte.

Gab es weitere Meilensteine?
Ein sehr bedeutendes und umfangreiches Projekt wurde 1992 mit dem Baugebiet Wörlebach in Angriff genommen. Für das Baugebiet hatten die Planer mehr als 500 Wohnungen vorgesehen. Später folgte noch das Baugebiet Wörthbach im Innengebiet von Eutendorf.

Und dann der Radweg zum Hohbühl.
Ja, zu den erfolgreichen und sehr sinnvollen Bauprojekten gehört der Rad-und Fußweg nach Gaildorf, der auf Initiative des Ortschaftsrats beantragt und gebaut wurde. In diesem Rahmen wurde auch die Gasleitung nach Eutendorf verlegt.

Aber nicht alle Projekte gingen glatt über die Bühne.
Heftigen Gegenwind musste der Ortschaftsrat und Bürgermeister Kurt Engel über ein mögliches Flurbereinigungsverfahren in Eutendorf hinnehmen. Die Informationsveranstaltung der Stadt am 9. Dezember 1993 in Eutendorf führte zu einer sehr emotionsgeladenen öffentlichen Diskussion. Das Projekt wurde danach zu den Akten gelegt.

Ortsvorsteher Jürgen Jäckel hat in der letzten Sitzung dieser Legislaturperiode eine unerledigte Aufgabe angesprochen, die Sanierung der Waldheckenstraße. Wie lange begleitet das Thema das Gremium eigentlich?
Die Sanierung der Waldheckenstraße zieht sich tatsächlich wie ein "roter Faden" hin. Etwa seit 1990 wurde dieses Thema bei fast jeder Haushaltsberatung diskutiert und eingebracht, aber der Ortschaftsrat stößt da auf keine Zustimmung bei der Stadtverwaltung.

Jäckel erwähnte, dass das Gremium der Stadt eine konkrete Planung für die Waldheckenstraße vorlegen wird, um die Sanierung voranzubringen. Wie könnten die Eutendorfer Druck machen?
Sie haben jetzt bei den Wahlveranstaltungen zur Bürgermeisterwahl die Chance, ihren Unmut kundzutun.

Gibt es noch ein Projekt, das Eutendorf vorangebracht hat?
Ja, ein wichtiger Meilenstein wurde mit der Aufnahme Eutendorfs in die Stadtsanierung 2006 durch Bürgermeister Eggert und Ortsvorsteher Jürgen Jäckel gemacht. Ein Sanierungsgebiet, bei dem Eutendorf inzwischen einen neuen Dorfplatz mit Brunnen bekam, der am 1. Mai 2012 eingeweiht werden konnte. Die innerörtliche Sanierung und Förderung soll auch in den kommenden Jahren fortgesetzt werden.

Sie sind ja auch Fußball-Berichterstatter der RUNDSCHAU, wie lange eigentlich schon?
Habe zuhause noch Berichte von 1990, die ich geschrieben habe, denke dass ich so ab 1988 mit dem Schreiben für die Rundschau begonnen habe.

Sie spielen Tennis?
Ja, spiele Tennis, aber derzeit auf Sparflamme.

Welche Funktionen haben Sie im TSV Eutendorf?
Derzeit habe ich keine offizielle Funktion beim TSV: Ich war früher Vorstand, Schriftführer, Jugendleiter und Jugendtrainer.

Sind Sie auch in anderen Vereinen aktiv?
Nein. Bin noch im Masterplan der Stadt Gaildorf aktiv und hoffe, dass hier mit der Umsetzung der Projekte umgehend begonnen wird.

Ihre Hobbies?
Fußball, Tennis, Skifahren, Wandern, Sommerurlaub in den Bergen.

Was motiviert Sie, so lange im Ortschaftsrat dabei zu bleiben, damit ist doch eine Menge Arbeit und hoher Zeiteinsatz verbunden.
Meine Motivation ist, auf das Erreichte aufzubauen und die Ortschaft mit Teilgemeinden strukturell voranzubringen. Leider hat die Stadt Gaildorf finanziell nur begrenzte Spielräume.

Was wünschen Sie sich für Eutendorf?
Dass die innerörtliche Sanierung weiter beschleunigt werden kann und die Waldheckenstraße im Haushaltsplan 2015 berücksichtigt wird.

Und zum Schluss die Millionenfrage: Welche Visionen kann das Dörfle haben?
Aufgrund der reizvollen landschaftlichen Umgebung: Eutendorf als, "Freizeit-, Kultur- und Erholungsort".

Was wäre richtig toll für Eutendorf?
Ein Investor, damit die Vision angegangen werden kann.

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