Grauer Burgunder schimmert goldfarben

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Der Weinanbau fordert neben umfangreichen handwerklichen auch künstlerische Fähigkeiten. Dazu gehört die Grundfrage: Wie soll ein Wein schmecken? Wie sieht das der Winzer - und wie die Kunden? Eine besondere Herangehensweise hat Martin Darting. Seine Weinbild-Methode ermöglicht eine neue Sichtweise, wie man über Geschmack reden und ihn gleichzeitig emotional erleben kann. In der Probierstube von Martin Schropp in Erlenbach-Binswangen hängen mehrere Gemälde des Künstlers. Während der Verkostung erklärt der Wengerter, welche Weinsorten sie beschreiben - mit überraschenden Einblicken in die Weinsensorik.

Schropps beschreiten nicht nur in dieser Richtung neue Wege. Bereits ihre Weinetiketten zeigen Mut: Das intensive Blau springt bereits von Weitem ins Auge. Auch bei den angebauten Sorten (70 Prozent Rotwein mit leicht sinkender Tendenz) gibt es Überraschendes. Bereits vor zehn Jahren pflanzte Martin Schropp auf zwölf Ar Merlot auf, kurz darauf kam Blauer Zweigelt hinzu. Diese österreichische Sorte lernte er bei einer Verkostung im Burgenland kennen und schätzt ihre Ausgewogenheit zwischen trocken und lieblich.

Seit dem Jahr 2012 ist ihr Besen in Binswangen verpachtet, dort wird aber ausschließlich der Wein der Schropps ausgeschenkt. Dass er den Kunden schmeckt, beweist an diesem Donnerstagabend die fast ausgebuchte große Parkplatzfläche vor dem Hof. 1972 sind Martin Schropps Eltern an den Rand von Neckarsulm ausgesiedelt. Mittlerweile wächst die Bebauung aber bereits wieder dicht an den landwirtschaftlichen Hof heran. Wie viel Einsatz die 13 Hektar Weinbau benötigen, erlebten Schropps wieder einmal in diesem Sommer. Sie mussten ihren Urlaub absagen, da die Witterung die Gefahr von Trauben-Fäulnis heraufbeschwor. "Wer will schon das ganze Jahr arbeiten, und dann machen ein paar Tage alles kaputt?", musste sich Schropp fragen. Er entblätterte an vielen Weinstöcken die Traubenzone, um Luft an die Beeren zu bekommen. Der Erfolg gibt ihm recht. Beim Cabernet Cubin erwartet er nun Werte von über 100 Öchsle.

Die Probe beginnt mit einem Hammer - im wahrsten Sinne des Wortes. Der goldfarbene Graue Burgunder am Fels (2012, 13,80 EUR) hat einen Alkoholgehalt von 15,5 Prozent. Er ist allerdings so raffiniert in sein feinwürzig-gehaltvolles Bukett verpackt, dass man gerne zwei Gläschen davon trinkt. Dieser Wein gehört zu Schropps Lagenweinen, der Spitze des Sortiments. Dafür werden nur hochwertige Trauben aus den besten Parzellen verwendet.

Beim Muskattrollinger haben Schropps zwei verschiedene zur Auswahl: Der Muskattrollinger Kayberg mild (2013, 6,90 EUR) schmeckt frisch und leicht. Er duftet nach unreifen Aprikosen, auf der Zunge sind Maracuja-Essenzen zu erschmecken.

Noch eine Spur frischer schmeckt der Muskattrollinger Weißherbst (2013, 6,90 EUR). Im Abgang sind leichte Pfirsichnoten zu erkennen.

Der Lemberger (2013, 6,90 EUR) eignet sich gut als Begleiter zu rotem Fleisch. Beim Einschenken riecht er nach hellroten Kirschen und auf der Zunge schmeckt er fein-würzig, ohne den Genießer mit Aromen zu erschlagen.

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