GEISTLICHE BESINNUNG · ZUM FRONLEICHNAMSFEST: "Gott hat Interesse an den Menschen"

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Wie viel Zeit verbringen Sie an einem normalen Tag auf der Straße? Auf dem Weg zur Arbeit, zum Einkaufen, beim Spazierengehen oder bei einer Demonstration? Zu Fuß, mit dem Rad, dem Auto? Es dürften unzählige Stunden sein, die ein Mensch im Lauf seines Lebens auf den Straßen verbringt. Und wenn am Wochenende die EM beginnt, werden Straßen und Plätze Europas viele Menschen anziehen. Straßen verbinden Lebensräume und damit auch uns Menschen. Morgen sind unsere Straßen auch Ort für ein besonderes Fest: Fronleichnam. Das Fest, bei dem die katholischen Gemeinden das Allerheiligste, die heilige Kommunion, Gott selbst, durch die Straßen tragen und mit Gebeten und Liedern verehren. Dabei verweist uns dieses rätselhafte Wort "Fronleichnam" nicht - wie irrtümlich oft angenommen - auf eine Leiche, einen toten Körper, im Gegenteil: Aus dem Mittelhochdeutschen kommend, meint Fronleichnam "lebendiger Leib des Herrn"! Wir feiern den auferstandenen Herrn, der bis heute mitten in unserer Welt anwesend ist; wir feiern die verwandelnde Gegenwart Gottes mitten unter uns. Obwohl so oft um uns herum nichts so ist, wie es vielleicht sein sollte, obwohl Krankheit, Schicksalsschläge, Verständnislosigkeit füreinander und Egoismus das Leben zu prägen scheinen, bezeugt die Kirche ihre Gewissheit: Nichts davon ist Gott fremd oder fern; nichts ist hoffnungslos verloren; nichts fällt aus der Hand Gottes.

Wenn wir die heilige Kommunion in der Monstranz durch die Straßen tragen, dann ist das darum kein Straßenfest auf katholisch oder eine Demo für die Kirche. Nein, es ist seit Jahrhunderten eine Art und Weise, nach außen zu zeigen: Gott hat Interesse an den Menschen - und das so weit, dass er selbst Mensch wurde, um den Weg der Menschheit zu kreuzen; um uns begleiten zu können auf unseren oft trostlosen Wegen und um uns auf neue Wege zu führen.

Damit bringt Fronleichnam auch eine nicht gerade kleine Herausforderung mit sich: Wir sollen Gott nicht nur in Gestalt der heiligen Kommunion durch unsere Straßen tragen, sondern vor allem in Wort und Tat! Wenn es nicht Gottes Art ist, in den Kirchen zu "schweben" und auf den nächsten Gottesdienst zu warten, sondern wenn es sein Wesen ist, mitten unter uns zu sein, damit wir immer wieder Zeichen und Momente der Liebe finden trotz aller Abgründe der Welt, dann ist es die Aufgabe aller in seiner Nachfolge, ebenfalls mitten im Alltag Zeichen der Hoffnung zu setzen.

Wir sollen Gott nicht nur an Fronleichnam in unsere Straßen tragen, sondern jeden Tag: durch Geduld, Freundlichkeit, Fürsorge; durch aufrichtiges Interesse aneinander und Einstehen füreinander; durch die Mühe um einen guten Umgang mit der Zeit, der Überprüfung, worin sie investiert wird; dadurch, dass wir bereit sind, an uns zu arbeiten.

Daniela Albrecht, Gemeindeassistentin, Seelsorgeeinheit Crailsheim

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