Gaildorfs Medizingeschichte (6): Hofmedicus wird Oberamtsarzt

Bereits im 19. Jahrhundert gab es Auseinandersetzungen um die Besetzung von Arztstellen. Auch davon ist im letzten Teil unserer Serie über Gaildorfs Medizingeschichte die Rede.

|
Vorherige Inhalte
  • Dr. Karl Rösch (1807-1866) und Georg Friedrich von Waldeck-Pyrmont (1785-1826).  1/3
    Dr. Karl Rösch (1807-1866) und Georg Friedrich von Waldeck-Pyrmont (1785-1826).  Foto: 
  • Die Stadt Gaildorf um das Jahr 1850, wie sie Oberamtsarzt Dr. Karl Heinrich Rösch noch gesehen haben mag. 2/3
    Die Stadt Gaildorf um das Jahr 1850, wie sie Oberamtsarzt Dr. Karl Heinrich Rösch noch gesehen haben mag. Foto: 
  •  Georg Friedrich von Waldeck-Pyrmont-Limpurg-Gaildorf (1785-1826) 3/3
     Georg Friedrich von Waldeck-Pyrmont-Limpurg-Gaildorf (1785-1826) Foto: 
Nächste Inhalte

Im Jahr 1825 kam der junge Dr. med. Gottlieb Heinrich Mösner (geboren 1799, gestorben 1849 in Gaildorf) nach Gaildorf, und zwar zunächst als „Hofmedikus“ des Grafen Georg Friedrich Carl zu Waldeck. Dieser wollte ihn auch noch als „Stadtarzt“ unterbringen. Deshalb schrieb der Graf am 23. November 1825 an den Stadtvorstand,  die „Aufstellung des Dr. Moesner von Ludwigsburg als hiesigen Stadtarzt“ betreffend.

Doch der Stadtvorstand winkte ab mit den Worten: „Da der Oberamtsarzt und der Oberamtschirurg dahier durch ihre gesetzliche und öffentliche Anstellung die Verbindlichkeit haben, die armen Kranken der Stadt unentgeltlich zu behandeln und dieselben bereits erklärt haben, dass sie sich diesen Teil ihrer Dienstverrichtungen, wofern sie durch ihre Besoldungen schon belohnt seyen, nicht entziehen lassen, so halte sich der Stadtrat nicht für ermächtigt, ohne höhere Entscheidung dem Ansinnen Sr. Excellenz des Herrn Grafen (...) zu entsprechen, und bei der angeführten Protestation des Oberamtsarztes und des Oberamtschirurgen einen besonderen Stadtarzt aufzustellen.“

In den meisten Gemeinden gab es vom Stadtrat aufgestellte Stadtärzte, zu deren Aufgaben es unter anderem gehörte, Bedürftige und Bewohner des Armenhauses kostenlos zu behandeln. Dafür bekam der Arzt ein Wartgeld aus der Stadtkasse. In Gaildorf hatte man diese Aufgabe aber dem Oberamtsarzt und dem Oberamtschirurgen übertragen, und diese beiden protestierten gegen das Ansinnen des Grafen, ihnen sozusagen einen Teil ihres Verdienstes abzusprechen.

Doch Graf Georg zu Waldeck ließ nicht locker, und zum 1. Dezember 1825 wurde Mösner tatsächlich als „Stadtarzt“ eingestellt. Oberamtsarzt Locher und -chirurg Koch protestierten zwar erneut gegen die Annahme, aber nachdem der Graf mit beiden „gesprochen“ hatte, hatten diese nichts mehr einzuwenden. Mösner erhielt allerdings kein „Wartgeld“.

Nach dem Tod des Grafen im Juni 1826 und dem Weggang von Dr. Locher wurde Mösner Oberamtsarzt bis zu seinem Tod 1849. Mösner war sehr rührig und innovativ. 1837 regte er die Gründung einer Krankenanstalt an, doch die Stadt lehnte aus Kostengründen ab. Dann entwickelte er eine Wasserkur und beherbergte 1838 die ersten 6 Patienten in seinem Privathaus. Im Januar 1839 kaufte er das Anwesen des Schwanenwirts und baute es zur Kaltwasserheilanstalt um. Sie nahm bereits im März desselben Jahres ihren Betrieb auf, musste aber 1842 wieder schließen, da die Patienten ausblieben. Mösner folgte von 1850 bis 1853 Dr. med. Karl Heinrich Rösch, über den es viel zu berichten gäbe. Er hatte 1847 die Heil- und Pflegeanstalt für geistig und körperlich behinderte Kinder in Mariaberg gegründet, wanderte 1853 in die USA aus und starb dort im Dezember 1886.

Neben den Oberamtsärzten gab es außerdem den erwähnten Oberamtswundarzt oder -chirurg. Der erste war seit 1810 Gottfried Pfitzer (1753-1822) und ab 1822 Chirurg und Geburtshelfer Friedrich Karl Koch (1797-1861). Außerdem arbeiteten noch zwei weitere Chirurgen in der Stadt.

Info Umfangreiche Lebensbilder über die genannten Chirurgen hat Gaildorfs Ehrenbürger und Heimatforscher Hans König in seinem Werk „Menschen aus dem Limpurger Land“ veröffentlicht.

Abonnieren Sie das kostenlose Morning-Briefing aus der Chefredaktion
Damit starten Sie top informiert in den Tag. Außerdem im Newsletter: Die Wettervorhersage und die aktuelle Verkehrslage in der Region.
» zur Registrierung

Noch kein Kommentar

Schreiben Sie Ihren eigenen Kommentar

noch 3000 Zeichen
Mit Ihrem Kommentar akzeptieren Sie unsere Netiquette

Für registrierte Nutzer

Melden Sie sich an und schicken Sie Ihren Kommentar ab:

Für noch nicht registrierte Nutzer

Registrieren Sie sich kostenlos, um Ihren Kommentar abzuschicken:

Ich bin damit einverstanden, dass die Neue Pressegesellschaft mbH & Co. KG und ihre Tochterunternehmen mich schriftlich (per E-Mail oder Brief) oder telefonisch über ihre Medienangebote und kostenlose Veranstaltungen informieren dürfen. Meine Daten dürfen zu diesem Zweck gemäß den Bestimmungen des BDSG gespeichert, verarbeitet und genutzt werden. Die Einwilligung kann ich jederzeit widerrufen.
Ich bin mit den Datenschutzbestimmungen einverstanden. *

Bitte beantworten Sie noch die folgende Sicherheitsfrage:

neu laden
Themenschwerpunkt

Die Medizingeschichte der Stadt Gaildorf

In unserer Serie bündeln wir die Artikel, die mit der Medizingeschichte der Stadt Gaildorf in Zusammenhang stehen.

mehr zum Thema

Content Management by InterRed GmbH Logo
weiter zur Startseite

MSC Gaildorf: erfolgreichster Veranstalter

Teams, Fahrer und Serienorganisation vergeben für das Rennen auf der „Wacht“ die meisten Punkte. weiter lesen