Für Raser bald ein heißes Pflaster

Im Oktober beginnt Gaildorf mit Geschwindigkeitskontrollen in Eigenregie. Das soll mehr Sicherheit garantieren. Bereits auf Achse ist die neue City-Streife.

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Eine Markierung, die viele Verkehrsteilnehmer ignorieren: In Gaildorf wird die Einhaltung der Höchstgeschwindigkeit von in der Regel 50 Kilometern pro Stunde – in bestimmten Wohngebieten gilt Tempo 30 – ab Oktober verstärkt überwacht. Gemeinsam mit einem Unternehmen fühlt die Stadt Schnellfahrern auf den Zahn.  Foto: 

Ohrenbetäubender Lärm erfüllt einen Teil der Gaildorfer Innenstadt. Es ist Sonntag, frühmorgens gegen 3 Uhr, als sich eine Gruppe von Autofahrern auf dem Hallengelände zu „Fahrübungen“ versammelt. Minutenlanges Reifenquietschen, laut aufheulende Motoren. Kurze Zeit später verzieht sich der Spuk: Mehrere Autos brausen in Richtung Marktplatz davon. Anwohner berichten von einem Autorennen, das im Stadtgebiet beginnt und in Unterrot endet.

Beschluss wird umgesetzt

Die Klagen über gravierende Auswüchse einer kaum greifbaren Szene im Limpurger Land häufen sich. Aber auch Otto Normalraser gehen vielen Bürgern auf die Nerven. Sie fühlen sich nicht nur persönlich belästigt. Sie sorgen sich auch um die Lebensqualität in der Stadt, die durch vorsätzliche wie gedankenlose Schnellfahrer erheblich beeinträchtigt ist.

Stadtverwaltung und Gemeinderat möchten diesen anhaltend unbefriedigenden Zustand nun beenden. Der im Juli gefasste Beschluss, mit Unterstützung von „vidi-con“, einer Fachfirma aus Weinstadt, Rasern ins Handwerk zu pfuschen, wird umgesetzt. Ab Mitte Oktober geht es los, wie Bürgermeister Frank Zimmermann am Mittwochabend den Stadträten des Technischen Ausschusses berichtete. Dann müssen motorisierte Verkehrsteilnehmer in der Kernstadt wie in den Teilorten immer und überall damit rechnen, „geblitzt“ zu werden. Die Vorbereitungen dazu – wobei auch die vielschichtige Rechtslage zu berücksichtigen ist – laufen auf Hochtouren.

Dazu zählt auch die entsprechende Schulung städtischer Mitarbeiter, um die „Rechtskonformität“ der Maßnahmen zu gewährleisten. Die Stadt kann danach die Geschwindigkeit von Fahrzeugen auf den Gemeindestraßen messen und Verstöße auch ahnden. Die Zuständigkeit für Bundes-, Landes- und Kreisstraßen indes liegt bei Polizei und Landratsamt. Dort darf die Kommune zwar auch kontrollieren, jedoch nur zur „Beweissicherung“. Das heißt also: Sie darf die ermittelten Daten an die entsprechenden Behörden weiterleiten, die dann die Schnellfahrer zur Ordnung rufen und auch zur Kasse bitten können.

Für Raimund Horbas, den Leiter des städtischen Ordnungsamts, ist es nur konsequent, wenn – wie von vielen Bürgern gewollt – regelmäßig die Einhaltung verkehrsrechtlicher Anordnungen kontrolliert wird. Ansonsten mache ein Sicherheitskonzept keinen Sinn. Horbas weiß im übrigen genau Bescheid, wie es um die Verkehrsmoral im Stadtgebiet bestellt ist.

Seit Monaten schon werden bestimmte Straßenabschnitte detailliert unter die Lupe genommen. Zum Beispiel, wie berichtet, die Schloss-Straße im Bereich des Schulzentrums: Wären alle Verstöße, die dort innerhalb von zwölf Tagen rund um die Uhr registriert wurden, auch verfolgt worden, hätten 35 Verkehrsteilnehmer keinen Führerschein mehr. Dazu wären insgesamt rund 125 000 Euro an Bußgeldern in die Stadtkasse geflossen.

Auch nachts unterwegs

Das heißt nun nicht, dass die Stadt ab Oktober alle finanziellen Sorgen los wäre: Es wird nicht täglich rund um die Uhr gemessen, sondern – selbstverständlich unangekündigt – nur an zuvor ausgewählten Tagen und Tageszeiten. Also auch zur Nachtzeit, in jedem Teilort und auch auf jeder Straße.

Wo das sein wird, soll anhand verschiedener Kriterien bestimmt werden. „Wir schauen zum Beispiel, wo in der Stadt die Unfallschwerpunkte liegen“, erläutert Raimund Horbas die Vorgehensweise. Und auch dort, wo bislang nur, um Erfahrungswerte zu sammeln, die Lage eruiert wurde. Besonders ins Visier genommen werden sollen auch die Bereiche rund um die Senioreneinrichtungen in der Stadt.

Ein weiterer Bestandteil des neuen Konzepts konzentriert sich auf die Bewertung der Maßnahmen und die Lage rund um die Kontrollpunkte. Dazu sollen die gewonnenen Ergebnisse gemeinsam mit der Polizei erörtert werden. Gegen die so genannten Poser, die mit ihren aufgemotzten Limousinen durch die Stadt kreuzen und für erheblichen Lärm sorgen, hat die Stadt nichts in der Hand. Diesem Problem nachzugehen, obliegt Landratsamt und Polizei. Deren Vollzugsdienst kann nach eigener Anschauung oder nach entsprechenden Anzeigen einschreiten. Sollte sich dann herausstellen, dass an den Fahrzeugen unzulässig manipuliert wurde, drohen erhebliche Konsequenzen: von der Stilllegung bis – was bislang nur in wenigen Städten praktiziert wird – zur Beschlagnahme.

Bereits angelaufen sind laut Ordnungsamtschef  Horbas die Kontrollgänge der neuen City-Streife, die sich im Auftrag der Stadt vorwiegend um Ordnung rund um die durch Vandalismus betroffenen Brennpunkte kümmert. Auch diese Kräfte können, wenn ihnen Verkehrsverstöße auffallen, Hinweise liefern, die dann in eine konsequente Verfolgung münden.

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