Freundschaft farbig besiegelt

Vier Schüler und Schülerinnen des Schenk-von-Limpurg-Gymnasiums Gaildorf haben für zwei Wochen eine Schule in Tansania besucht. Sie berichten von ihrem Austausch.

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Austauschschüler aus Gaildorf und der Schulgemeinschaft der King’ori Secondary School vor der „Wall of Friendship“.  Foto: 

Am Anfang stand eine verrückt anmutende Idee: Wie wäre es, wenn wir eine der unscheinbaren Wände bunt anmalen würden, fragten sich die Gaildorfer Schüler. Würde solch eine farbige Wand nicht viel mehr die Freundschaft beider Schulen symbolisieren als ein materielles Geschenk? Würde dadurch nicht etwas Bleibendes geschaffen? Aus dieser Idee wurde dann ein gemeinsames Projekt der Austauschschüler aus Gaildorf und der Schulgemeinschaft der King’ori Secondary School.

Die Malaktion sollte Teil des Schulgeschenks des Gymnasiums sein, außerdem erhielt die Secondary School einen Laptop zur allgemeinen Nutzung. Anfangs war die Aktion ein Geheimnis, doch die Jugendlichen erhielten von allen eingeweihten Lehrern und dem Schulleiter viel Zuspruch. Dementsprechend viele neugierige Zuschauer versammelten sich zu Beginn der Arbeiten vor der Wand des ‚Evening-Class‘-Klassenzimmers. Sie befindet sich direkt neben den Schlafsälen der Schülerinnen am Eingang des Schulgeländes und ist schon von Weitem zu sehen.

Not macht erfinderisch

Die Gaildorfer machten sich an die Arbeit und rauhten die Wand unter tatkräftiger Mithilfe der Gastgeber mit Schleifpapier an. Dabei waren sie erfinderisch: Wenn mal kein Schleifpapier greifbar war, wurden eben Glasscherben, ausrangierte Zirkel oder Metallstücke benutzt. Als das getan war, wurde eine erste Lage weiße Grundierfarbe aufgetragen. Das ging mit der Hilfe eines Lehrers, der während seines Studiums als Maler gearbeitet hatte, relativ schnell voran.

Dagegen gestaltete sich der Kauf der Farbe und Pinsel sowie Walzen in einem Malergeschäft in Arusha komplizierter als erwartet. Neben der Tatsache, dass die Übersetzenden, wie erstaunlich, viele Tansanier farbenblind waren, waren einige der gewünschten Farben nicht vorrätig. Das Geschäft hatte eben nur die Farben auf Lager, die regelmäßig gefragt werden. Letztendlich haben die Gaildorfer doch großteils bekommen, was sie gesucht hatten, und wenn nun mal kein Schwarz mehr vorrätig war, wusste man sich spontan mit zerriebener Kohle und grauer Farbe zu helfen.

Hunderte Handabdrücke

Als die drei Schichten weißer Farbe im Laufe des Tages getrocknet waren, begannen die Schüler am nächsten Tag mit dem farbenfrohen Teil. Die Grundidee beinhaltete zwei miteinander verschlungene Hände, eine weiße und eine schwarze. Ringsherum wurden ein Himmel in Regenbogenfarben sowie eine Wiese mit Blumen und verschiedenen Tieren gemalt. Beim Malen sollten alle mitmachen. Eine Klasse nach der anderen wurde deshalb ins Freie gebeten, und alle Schüler und Schülerinnen sowie Lehrkräfte hinterließen an der Wand Abdrücke ihrer Hände. Am Ende des Tages hatten über 500 Schüler und circa 20 Lehrer die ganze Wand in bunter Farbe bemalt. Auch die Eltern, die an diesem Tag zum Elternsprechtag gekommen waren, beobachteten, wie sich das Kunstwerk den ganzen Tag über entwickelte. Anfangs gab es verwunderte Blicke, nach ein paar Stunden Arbeit Lob und Glückwünschen.

An ihrem letzten Schultag starteten die Gäste früh und malten Blumen, eine Giraffe, einen Affen, Fledermäuse und viele andere Tiere an die Wand. Dabei halfen ein paar talentierte Schüler der Secondary School mit und verliehen dem Ganzen mit Fantasieblumen und -tieren einen neuen Touch. Am Ende des Schultages waren zwar alle geschafft, aber sehr stolz und zufrieden. Mehrere Tage Arbeit hatten sich gelohnt und können sich sehen lassen, so das Fazit der Beteiligten.

Die Botschaft von Freundschaft und Gemeinschaft sei klar erkennbar. Auch die Grundidee, etwas großes Ganzes mit der Hilfe von vielen Leuten, die alle individuell im Bild erkennbar bleiben, zu schaffen, sei gut umgesetzt worden, und somit die Freundschaft zwischen dem Schenk-von-Limpurg-Gymnasium und der King‘ori Secondary School besiegelt. Mit diesen Eindrücken endeten die zwei gemeinsamen Wochen in Tansania. Die Gaildorfer haben sie sehr genossen, viel gelernt und gesehen. Sie hoffen, dass noch viele andere Schüler in den Genuss dieses Austausches kommen.

John Christen, Rebecca Gschwendtner, Marius Kühl und Madeleine Schneider aus der Kursstufe des Schenk-von-Limpurg-Gymnasiums Gaildorf haben zwei Wochen in Tansania verbracht. Rektorin Angela Rücker und ihr Kollege Thomas Höll begleiteten den Schüleraustausch. Die Bürgerstiftung Gaildorf hat ihn initiiert. Er findet inzwischen im dritten Jahr statt. Dies ist der dritte und letzte Teil des Berichts der  Austauschschüler aus Gaildorf über ihren Aufenthalt in dem afrikanischen Land. In Teil 1 und 2 dieser Serie berichteten sie über den Alltag und den Schulalltag in ihrem Gastland. rs

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