Feuerwehr im Umbruch: Aus vier mach zwei – und später eins

Gaildorf fasst den Umbau und die Erweiterung der zentralen Feuerwache in der Bahnhofstraße ins Auge. Dort könnten sämtliche Einsatzabteilungen Platz finden.

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Die Feuerwache in der Gaildorfer Bahnhofstraße. Das Bild entstand vor der Übergabe des neuen Gerätewagens im Jahr 2014.  Foto: 

Auf Dauer seien die gegenwärtigen Strukturen nicht zu halten! Stadtbrandmeister Stefan Dwornitzak, Kommandant der Freiwilligen Feuerwehr Gaildorf, spricht Klartext an diesem Mittwochabend im Wurmbrandsaal des Alten Schlosses. Er erläutert dem Gemeinderat, der einmal mehr über die Zukunft der 160 Einsatzkräfte zählenden Wehr zu befinden hat, den Stand der Überlegungen zur möglichen Erweiterung der zentralen Feuerwache in der Bahnhofstraße.

Zwei Neubauten zu teuer

Dieses Thema ist weit weniger konfliktgeladen, als es die bisherigen Überlegungen und organisatorischen Debatten waren, die mit der Wahl eines neuen Feuerwehrausschusses vor fünf Jahren begonnen hatten. Bürgermeister Frank Zimmermann ist sich mit dem Kommandanten in der Zielsetzung einig – und bringt diese mit wenigen Worten auf den Punkt: Es gehe um das Zusammenwachsen der bisherigen Feuerwehrabteilungen.

Am Anfang steht die Bildung zweier Einsatzabteilungen: Gaildorf mit Eutendorf und Ottendorf bilden die Einsatzabteilung Nord mit Standort in Gaildorf. Unterrot wird Einsatzabteilung Süd, die dann, so Zimmermann, später in die Nordgruppe integriert werden könnte. Über die Zeitschiene gibt es zum gegenwärtigen Zeitpunkt keine konkreten Überlegungen.

Knackpunkt bei der Konzentration sämtlicher Einsatzkräfte in der Bahnhofstraße war bis vor kurzem noch die Frage, ob dort überhaupt die nötigen Kapazitäten bereitgestellt werden können. Denn die Idee zweier Neubauten – die 6 Millionen Euro verschlingen würden – hatte sich auch mangels geeigneter Flächen schnell zerschlagen.

Stefan Dwornitzak, der die bisherige Planungsgeschichte in Erinnerung ruft, denkt ungern an das Jahr 2015 zurück, als „die Stimmung im Keller“ war, man heftig gestritten hatte, aber dann doch wieder an einen Tisch zurückfand. Damit einher gingen Untersuchungen, ob durch die Neuorganisation die Hilfsfrist von zehn Minuten – tatsächlich sind zehn bis zwölf Minuten gefordert – nach der Alarmierung bis zum Eintreffen am Einsatzort eingehalten werden kann. Innerhalb dieses Zeitraums sollten 96 Prozent der Bevölkerung erreicht werden. Wobei diese Angabe lediglich einen Richtwert darstellt, keine gesetzliche Vorgabe. Laut Dwornitzaks Ermittlungen ist dies auf jeden Fall möglich.

Und auch das: Die Feuerwache in Gaildorf kann durch Umbau und Erweiterung so weit ertüchtigt werden, dass sie als alleiniger Stützpunkt sämtliche Anforderungen erfüllt. Zu diesem Ergebnis kommt eine Machbarkeitsstudie, die von der Verwaltung in Abstimmung mit der Feuerwehr in Auftrag gegeben worden war: Das Haller Architekturbüro Kraft & Kraft, in der Planung von Feuerwehrgerätehäusern erfahren, hat die Untersuchungen angestellt.

Die Substanz des Gebäudes sei in Ordnung, die Flächenanforderungen nach der vorgegebenen Norm – maßgeblich ist die DIN 14 092 – ebenso, berichtet Experte Lorenz Kraft dem Gemeinderat. Und mit rund 2,5 Millionen Euro komme der Umbau deutlich günstiger als ein Neubau, der in dieser Größenordnung mit bis zu 4,3 Millionen Euro zu Buche schlagen würde.

Dazu hatte Kraft zwei unterschiedliche, in der Funktion aber ähnliche Varianten untersucht. Tenor der Planung: Die Zahl der Fahrzeugboxen könne von acht auf zehn erweitert werden. Vorgeschlagen wird zudem eine Werkstatt im Erdgeschoss, der Schulungsraum und ein Raum für die Jugendfeuerwehr würden ins obere Stockwerk verlagert.

Was den Fuhrpark mit den derzeit zwölf Fahrzeugen anbelangt, zeichnet sich nach den Worten Dwornitzaks ohnehin eine Verringerung der Kapazitäten ab. Drei Feuerwehrautos, die bald altershalber ausgemustert werden müssten, würden vermutlich durch nur ein neues ersetzt, erklärte der Kommandant. Dies werde die Schlagkraft der Wehr aber keineswegs einschränken.

Auf Studie aufbauen

Insgesamt stößt die aktuelle Entwicklung auf Zustimmung im Gemeinderat. Einigen Räten sind aber die 2,5 Millionen, die in den kommenden Jahren investiert werden müssten, immer noch zu viel. Eine von Stadtrat Bernhard Geißler (Offene Liste) deshalb beantragte „Alternativplanung mit spitzer Feder“, die Unterrot eventuell außen vor lassen könnte, wird bei zwei Enthaltungen abgelehnt. Stattdessen erfährt der Vorschlag der Verwaltung bei einer Enthaltung volle Zustimmung: Das Architekturbüro soll die Planung auf Grundlage der Machbarkeitsstudie weiterentwickeln, um ermitteln zu können, wie viel Förderung es gibt. Gleichzeitig soll mit den Bewilligungsbehörden Kontakt aufgenommen werden.

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