Feinsinnig interpretiert

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Die Musiker Jaeyoung und Young-Uk Kim - Violinen, Yeol Eum Son - Klavier, Seungwon Lee - Viola - und Woongwhee Moon - Violoncello (von links) bei ihrem Auftritt im Gschwender Musikwinter am Samstagabend in der evangelischen Kirche Gschwend.  Foto: 

In der Tat klang das Zusammenspiel des Quartetts zusammen mit der Pianistin Yeol Eum Son außerordentlich verdichtet, als hätten sie nie etwas anderes getan, als schon immer zusammengespielt. Wundervoll stellten sie schon im Eingangssatz die musikalischen Gegensätze heraus. So geriet das Hauptthema zupackend, während der Seitengedanke in der Schwebe und sich entträumend zu hören war. Etwas davon hatte zu Beginn des Konzerts am Samstagabend auch noch der Walzer aus Benjamin Brittens 1933 entstandenen „Three Divertimenti for String Quartet“. Den trauermarsch­artigen zweiten Satz von Schumanns Werk ließen die fünf Koreaner dann zuerst sprechend im Ton erklingen: so, als ringe jemand nach Worten, fassungslos. Innig empfundener, tröstender Streichergesang folgte darauf, der später noch einmal den dramatischen Ausbruch besänftigte. Das lebhaft sprühend vorgetragene Scherzo wirkte danach trotz gesanglich zartem ersten Trio noch betonter und raubte dem finalen Satz nichts von seinem kraftvollen Voran.

Versöhnung durch Romantik

Vom Ausdruck erschienen die Schumannschen Klänge allerdings eher wie Nachklänge, wie der Versuch einer Versöhnung durch Romantik. Denn Dmitri Schostakowitschs achtes Streichquartett hatte sich davor in die Ohren der Zuhörer in der gut besuchten Kirche eingebrannt.

Da wirkten auch die drei Divertimenti von Britten eher wie harmlose Klanglaunen oder leicht ironische Kommentare, wenngleich von den Violinspielern Jaeyoung und Young-Uk Kim, dem Bratschisten Seungwon Lee und dem Cellisten Woongwhee Moon nuancenreich und mit Sinn für klangliche Finessen wie Glissando- oder Flageolett-Momente etwa im „March“-Divertimento zum Klingen gebracht. „Gewidmet dem Andenken des Komponisten dieses Quartetts“ hätte es auch heißen können, meinte Schostakowitsch zu seinem 1960 entstandenen Streichquartett. Offiziell hatte er es „Im Gedenken an die Opfer des Faschismus und des Krieges“ geschrieben.

Den Opfern des Krieges

Doch schon die Verarbeitung seiner Namensinitialen zu Beginn des Werkes in den Tönen D-Es-C-H verweist auf das Persönliche. Neben Zitaten aus anderen eigenen Kompositionen kommt noch im vierten Satz das Revolutionslied „Gequält von schwerer Gefangenschaft“ hinzu. Das hatten wohl auch die Musiker des Novus String Quartets in ihrer Interpretation mitgedacht. In dieser  wurden die leisen Töne vom Ausbruch des zweiten Satzes mit seinen Tönen der Abscheu und seiner klanglichen Fratze und dem Geisterhaften des dritten Satzes nicht weggewischt. Der Abgesang des Eingangssatzes, der im fünften Satz wieder aufgegriffen wird, zeigte sich von Seufzermotiven durchzogen. Wunderbar sanft war das Revolutionslied nach den guillotinehaften Akkorden im vierten Satz in der ersten Violine zu hören. Heftigen Beifall gab es dafür für die Musiker.

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