Eine Orgel und ihre Freunde

Hinter dem eher unscheinbaren Namen "Musik in St. Josef" verbirgt sich eine anspruchsvolle Reihe, ein Geheimtipp für Genießer. Ein Konzert für Orgel, Sopran und Trompete bestätigte den ausgezeichneten Ruf.

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Zu einer anspruchsvollen Veranstaltungsreihe hat sich "Musik in St. Josef" entwickelt. Am vergangenen Samstag traten dort Dr. Josef Steuer, Claudia Manske, Carolin Theurer und Isolde Holzmann auf (von links). Foto: Reinhold Haring

Bei den Mitwirkenden des Konzertabends am vergangenen Samstag in St. Josef handelte es sich ausschließlich um Künstlerinnen und Künstler, die einen besonderen Bezug zu Gaildorf haben. Vorweg: Sie verstehen es alle, die große Vielfalt der Mühleisen-Orgel auch in den unterschiedlichen Musikrichtungen zu nutzen.

Den Anfang machte Claudia Manske an der Orgel mit "Fanfare", dem berühmtesten Werk des belgischen Komponisten Nicolas Jacques Lemmens. Man merkte der Musikerin an, dass sie ihr Instrument bestens kennt, schließlich war es für sie als Organistin der katholischen Kirchengemeinde praktisch ein Heimspiel.

Bei "Canteline" von Dennis Bedard, einem 1950 geborenen kanadischen Komponisten, zeigte Claudia Manske, dass die Orgel nicht nur über eine imposante Klangfülle verfügt, sondern auch tonal und melodisch überzeugen kann. Auch bei "Sicilienne" von Gabriel Fauré und "Soeur Blance" aus der "Suite Carmelite" von Jean Francaix zeigte sie großes Können und Einfühlungsvermögen für das Instrument.

Ein absoluter Leckerbissen waren auch die gemeinsamen Auftritte von Isolde Holzmann und Dr. Josef Steuer, beide inzwischen in Esslingen wohnhaft, aber mit Gaildorf immer noch eng verbunden. Zum einen überzeugte Dr. Steuer, ehemaliger Leiter der Gaildorfer Stadtkapelle, in Händels "Marsch" und "Allegro" aus der "Wassermusik" auf der Trompete, Isolde Holzmann begleitete ihn perfekt an der Orgel.

Dann zeigte Josef Steuer, ohnehin ein Musikallrounder, dass er auch das Orgelspiel beherrscht, indem er gekonnt die Gesangsvorträge der Sopranistin Holzmann begleitete. Faszinierend, wie klar und klangrein die ehemalige Leiterin des Oberroter Gesangsvereins auch die hohen Töne von "O hätt ich Jubals Harf" von Georg Friedrich Händel, "Nun beut die Flur das frische Grün" aus Hadyns "Schöpfung" und schließlich "Höre, Israel" aus "Elias" von Felix Mendelsohn Bartholdy formte.

Als Solokünstler zeigte Dr. Josef Steuer dann auch noch, dass man auf der Orgel durchaus moderne Rhythmen spielen kann. Die Darbietung des Kirchenlieds "Nun danket alle Gott" in der "Jazz Inspiration" von Johannes Matthias Michel und Michael Penkuhn (beide 1962 geboren), bewiesen, dass jung und alt - oder sollte man besser sagen: Traditionelles und Modernes - durchaus ihren Platz im Gottesdienst haben können.

Ihren ersten großen Auftritt hatte die Nachwuchsorganistin Carolin Theurer aus Unterrot. Aber darf man hier angesichts des großen Potenzials der jungen Künstlerin, überhaupt noch von Nachwuchsorganistin sprechen? Carolin Theurer zeigte beim 1. Satz der "Sonate Nr. 2 für Orgel" von Paul Hindemith wie auch bei "Intrade in Jazz-Allegro" von Johannes Matthias Michel nicht nur großes musikalisches Können, sondern auch, dass die junge Generation Künstler dem klassischen Instrument Orgel durchaus modernen Geist einhauchen kann.

Begleitet wurden die musikalischen Darbietungen von Heike und Heribert Winkler, die die Pausen mit meditativen Texten zum Thema Zeit gekonnt überbrückten.

Das Publikum bedankte sich bei den Künstlern für das gelungene und anspruchvolle Konzert mit lang anhaltendem Beifall.

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