Ein Löwensteiner Cuvée erinnert an den Burgund

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Auch Winzer müssen sich etwas einfallen lassen, wenn sie aus der Masse herausstechen möchten. In diesem Jahr feiert das Weingut Zipf seinen 50. Geburtstag. Das halbe Jahrhundert ist ein Spiegelbild dafür, wie sich eine Winzerfamilie verändert und weiterentwickelt. Und der Weg ist noch nicht zu Ende, weil sich auch der Markt verändert.

Rechtzeitig zum Jubiläum wurde der Probierraum umgestaltet. "Wichtig ist uns die behutsame Überarbeitung alter Strukturen", sagt der Weinbautechniker Jürgen Zipf (39). Das gilt auch für die Immobilie: Der alte Innenputz blieb erhalten, aber pfiffig modern ergänzt. Ein drei Meter langes Foto aus den eigenen Weinbergen wird an der Wand stilvoll hinterleuchtet. Seit 1999 ist Jürgen Zipf als die dritte Generation im Betrieb. Im Jahr 2004 wurde ihm das Weingut von seinem Vater übergeben.

In der 1960er-Jahren bewirtschaftete Familie Zipf noch einen Mischbetrieb mit Landwirtschaft inklusive Kühen. Anfang der 1970er-Jahre erfolgte die Umstellung. Die Flächen waren zu steil und zu kleinparzelliert. Große Maschinen konnten auf den 13 Hektar damals - und können heute noch- nicht eingesetzt werden. Was auf den ersten Blick als Nachteil erscheint, wurde in einen Vorteil umgemünzt. Denn es kommt nicht mehr auf die Massenerzeugung an, sondern auf möglichst individuelle Produkte aus den 14 Rebsorten.

Bereits 1964 erfolgte eine wichtige Weichenstellung. Weinbaumeister Reinhold Zipf übernahm den Betrieb von seinem Vater und trat umgehend aus der Genossenschaft aus. Zwangsweise musste das Sortiment umgestellt und ergänzt werden. Ein Teil der Silvanerreben, die damals die Hauptsorte im Löwensteiner Weinbaugebiet darstellte, blieb aber erhalten. Heute stellen diese alten Reben am Wohlfahrtsberg die Grundlage für einen Drei-Sterne-Silvaner (2012, 0,75 l, 9 EUR)dar. "Er ist eine schöne Verknüpfung mit der Region", freut sich Zipf. Um das Maximum aus den 15 Ar Reben herauszuholen - was sich auf die Qualität, nicht auf den Ertrag bezieht - wird in zwei Zeiträumen gelesen. Dadurch gewinnt der Wein auf der Zunge an Komplexität, wobei er nicht zu zurückhaltend ist. Er ist ein frischer Essensbegleiter.

Der Drei-Sterne-Riesling Inka (2012, 0,75 l, 8 EUR) trägt den Namen der Tochter von Familie Zipf. Ebenfalls selektioniert durch mehrmalige Lese, kommen die feinen Aromen zwischen Apfel und Aprikose fein heraus.

Wein Nummer 3 in der Verkostung trägt den Namen des Sohns Lukas. Der Cuvée aus Pinot Meunier und Pinot Noir (***, 2011, 0,75 l, 8 EUR) trägt 70 Prozent Schwarzriesling und 30 Prozent Spätburgunder in sich. Der Wein wird teilweise in alten Eichenfässern ausgebaut. Auf der Zunge ist er leicht und elegant, er lebt bei seinen angenehm wenigen zwölf Prozent Alkohol von der Frucht.

Den Abschluss bildet ein Topwein. Zipf ist Mitglied bei "Junges Schwaben". Fünf junge Winzer produzieren pro Jahr einen außergewöhnlichen Wein. Der Cuvée "Junges Schwaben trocken" (2007, 0,75 l, 22 EUR) entwickelt sich nach dem Dekantieren zu einem Genusswein, der mit Gewächsen aus dem Burgund mithalten kann: neben den zu erwartenden Geschmacksnuancen nach roten Früchten kommen Vanille und Zimt durch.

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