Eierdiebe plündern das Hoflädle der Bauernfamilie

Der Gaildorfer Hühnerhof Leidig stellt ab sofort nach mehreren dreisten Zwischenfällen die Selbstbedienung auf Automatenverkauf um.

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Tilmann Leidig hat seinen Glauben an das Gute im Menschen nicht verloren, obwohl er seit geraumer Zeit eigentlich Grund dazu hätte: Tagtäglich sind aus dem offenen Selbstbedienungs-Hoflädle des Landwirts im Gaildorfer Stadtteil Kleinaltdorf Eier in größeren Mengen verschwunden – teilweise bis zu 25 Prozent des Tageskontingents. Nun zog Familie Leidig die Konsequenzen und stellte ihren Service um.

„Das waren zum Teil Leute, von denen man es nicht denkt, dass sie so etwas tun.“
- Tilmann Leidig über einige der ertappten Eierdiebe

Seit gestern steht für Kunden auf dem Gelände des Hühnerhofs in der Brückenstraße ein neues Einkaufshäusle bereit. An gesicherten Automaten können dort Eier in allen Gewichtsklassen, Nudeln, Kartoffeln und Äpfel gezogen werden: Ware aussuchen, Nummer merken Geld einwerfen, Nummer eintippen. Dann geht ein Türchen auf, und die Ware kann entnommen werden. Nun das Wechselgeld nicht vergessen, und der Einkauf ist erledigt.

Das alte Hoflädle ist jetzt die Woche über nicht mehr geöffnet. Dort konnten Kunden bislang Eier in allen Größen und in beliebiger Anzahl zum angegebenen Stückpreis auswählen und mitnehmen. Bezahlt wurde auf Vertrauensbasis: Die Kunden errechneten den Kaufpreis selber und warfen das Geld in ein Kässle. Das hat lange Zeit funktioniert, wenn auch nicht lückenlos. Immer wieder stimmten die Tageseinnahmen nicht mit der verkauften Menge an Eiern überein, weil mancher Zeitgenosse entweder zu wenig für seinen Einkauf bezahlte – oder gar nicht.

Die Situation verschlimmerte sich in jüngster Zeit zusehends. Beim regelmäßigen Kassensturz stellten Leidigs fest, dass es an manchen Tagen für jedes vierte Ei im Hoflädle keinen Erlös gab. Mehr oder weniger zufällig konnten denn auch Kunden ertappt werden, die frech vorgaben, sie hätten halt das Zahlen „vergessen“. Auch in Zusammenarbeit mit der Polizei konnte der eine oder andere Eierdieb ermittelt werden. Doch damit nicht genug: Auch die kleine Kasse wurde in der Vergangenheit schon mehrmals geplündert – aufgebrochen, von der Halterung abmontiert, mitgenommen. „Das waren zum Teil Leute“, erinnert sich Tilmann Leidig, von denen man es nicht denkt, dass sie so etwas tun.“ Nur in einem Fall konnte ein Langfinger ertappt werden, der bereits einschlägig vorbestraft war.

Samstag vormittags geöffnet

Was Leidigs aber noch mehr wehtut als der materielle Verlust: Ihr Vertrauen in einen Teil der Kundschaft wurde durch die vielen Vorfälle erschüttert. Was Tilmann Leidig, der „niemand grundsätzlich misstrauen will“, wiederum Kopfzerbrechen bereitet: „Ich bin ein Mensch“, sagt er, „der jedem anderen Menschen offen begegnet.“ Und das solle auch so bleiben.

Wie der Hofverkauf, der nun im automatisierten und von den Frauen des Hauses liebevoll eingerichteten und dekorierten Eierhäusle vonstatten geht – zunächst versuchsweise rund um die Uhr. Das alte Hoflädle wird jedoch nicht komplett geschlossen: Jeden Samstag nämlich will die Familie Leidig dort in der Zeit von 9 bis 12 Uhr ihre Produkte verkaufen, jedoch nicht mehr in Selbstbedienung. Darüber hinaus soll die Angebotspalette vergrößert werden, wie auf dem Gaildorfer Wochenmarkt am Donnerstagvormittag. Tilmann Leidig stellt sich vor, dass dann das Lädle zu einem gemütlichen samstäglichen Treffpunkt werden könnte.

Tilmann Leidigs Mutter hat mehrere Fälle von Eierdiebstahl beobachtet. An einen besonders dreisten erinnert sie sich noch lebhaft: Als sie zufällig selber im Hoflädle war, betrat ein älterer Gaildorfer den Raum und füllte zwei Schachteln mit großen Eiern im Wert von 5 Euro. Danach warf er demonstrativ und gut hörbar ein paar Münzen ins Kässle – und verabschiedete sich. Als Frau Leidig gleich danach den Kasseninhalt entnehmen wollte, fand sie tatsächlich Geld: 6 Cent! Den unehrlichen Einkäufer konnte sie vor dem Haus gerade noch rechtzeitig stellen. Und bekam zur Antwort: Das sei ein „Versehen“ gewesen. Sprach’s aus, gab die Eier zurück und verschwand. kmo

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Kommentare

02.12.2016 09:49 Uhr

Eierdiebe in Gaildorf

'Eierdiebe in Gaildorf' -ist ein gutes Stichwort, -und was ist das mit 'Naturstromspeicher-BÖGL'?

Dort nimmt einer Wald, Umwelt, Ausgleichsflächen und stadteigene Grundstücke, -und niemand (auch keiner RUNDSCHAU!) fällt es auf?

Wo ist der Naturstromspeicher? (günstiger Naturstrom? Ökologie? Umwelt? Unsere Kinder?)
Wo sind die relevanten Voruntersuchungen, die von allen Seiten genannt wurden?
Wo ist die naturnahe Ausgleichsflutmulde? (kostenloser, fremder Ausgleich)
Wo ist der eigene, lokale Ausgleich für den Graustrom-Pumpspeicher?
Wo sind die Beteiligungsmöglichkeit in Gaildorf?
Wo sind die millionenfachen Vorteile für Gaildorf?
Was liefert der Graustromspeicher an die Stromkunden, Umwelt und Steuerzahler?

...
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