Dunkel, aber bezaubernd schön

Der Liebreiz der Landschaft ist schon oft beschrieben worden. Der Schriftsteller und Journalist Dr. Kurt Österle richtete den Fokus auf die kulturgeschichtliche Entwicklung im Schwäbischen Wald.

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Eine dunkle Wand hatte Kurt Österle entdeckt, als er einmal vom Heuchelberg aus in südöstlicher Richtung blickte. Das veranlasste ihn dazu, zu erforschen, was sich dahinter so alles verbirgt. "Hinter der schwarzblauen Wand - der unbekannte Schwäbische Wald" ist seine Abhandlung überschrieben, und sie passt haargenau in die Veranstaltungsreihe "Schwäbischer Wald - Kulturlandschaft des Jahres 2015/2016", initiiert vom Schwäbischen Heimatbund. Seine ersten Eindrücke beschreibt der Verfasser so: "Da erhob er sich vor mir, hoch über den Weinbergen von Löwenstein, schwarzblau und dicht, von wandartiger Geschlossenheit, gleichsam undurchdringlich und beinahe abweisend - wie mir schien ein gelungenes Sinnbild für die Abgeschiedenheit und Unbekanntheit dieser Landschaft, die jahrhundertelang im Windschatten der öffentlichen Aufmerksamkeit lag, der politischen ebenso wie der ökonomischen, der historiographischen, der touristischen und auch der literarischen."

Entwicklung im Mittelpunkt

Die geschichtliche Entwicklung, die Orte und besonders die Menschen rückte Kurt Österle in den Mittelpunkt. Er bediente sich unterschiedlichster Quellen von Friedrich Schiller bis Rudolf Schlauch und zudem kann er aus eigener Erfahrung schöpfen. Schließlich hatte der gebürtige Oberroter bis zu seinem Studium im Schwäbischen Wald gelebt. Hierher kommt er gern zurück und fühlt sich willkommen, weshalb er im Bürgersaal des Rathauses sein Publikum mit "Liebe Freude" begrüßte. Sein Vortrag über 90 Minuten glich einer rasanten Slalomfahrt durch die Epochen, wobei doch manches ungesagt geblieben sei, wie er am Schluss bemerkte. Sein Blick ging weit zurück und richtete sich schon auf die Römer, die quer durch diesen Landstrich ihren Limes zogen. Doch ihnen, und noch mehr den nachfolgenden Germanen war dieses Gebiet zu rau und wenig fruchtbar, als dass sie größere Ansiedlungen geschaffen hätten. Erst mit der Christianisierung im 8./9. Jahrhundert setzte verstärkt die Erschließung ein.

Große Männer und Frauen hinterließen Spuren: Missionare des Bonifatius in Oberrot, die Reichenauer Mönche mit Einsiedler Walterich in Murrhardt, Pfarrer Wolfgang Kirschenesser in Frickenhofen, die Schenken von Limpurg oder auch die Herren von Sturmfeder aus Oppenweiler. Der Bauernkrieg und der Dreißigjährige Krieg drangen tief in den mancherorts noch dschungelartigen Schwäbisch-Fränkischen Wald ein, auch die Pest forderte viele Opfer. In der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts versuchten dann zwei fähige Köpfe die Weichen für die Zukunft zu stellen: Glasfabrikant Gottlieb Rau in Gaildorf und Schlossermeister Ferdinand Nägele in Murrhardt. Rau gab den Impuls zur Gründung der "Zentralstelle für Handel und Gewerbe", die unter Steinbeis die Industrialisierung Württembergs auf den Weg brachte. Nägele, als späterer Landtagsabgeordneter, stritt in Stuttgart für die Murrtalbahn, die 1879 eröffnet wurde und zumindest den Westen des Schwäbischen Waldes an das urbane Landeszentrum anschloss.

Hemmnis für die wirtschaftliche Entwicklung

Der Bildungsmangel auf dem Land erwies sich als großes Hemmnis für die wirtschaftliche Entwicklung. Erst um 1700 wurde in den Gebietsherrschaften des Schwäbischen Walds die allgemeine Schulpflicht eingeführt. Alle Versuche, mit Steinkohle, Salz oder Silber zu Reichtum zu kommen, scheiterten. Mit Holz aber klappte es, und in der Folge mit Flößerei und Mühlenbetrieben. Unter dem Namen "Gemeinschaft der Freunde" gründete Georg Kropp eine Firma mit Wirkung bis in die heutige Zeit - bekannt unter dem Namen ihres Gründungsorts "Wüstenrot". Langsam entwickelte sich auch der Fremdenverkehr. Bereits Justinus Kerner hatte versucht, dem bezaubernden Fleckchen Erde Aufmerksamkeit und Zuneigung zu verschaffen. Später taten dies die diversen Reiseführer. Rems- und Murrtalbahn und die zunehmende Mobilität sorgten dafür, dass immer mehr "Luftschnapper" aus der Stadt den Schwäbischen Wald als Erholungslandschaft schätzen lernten.

Info Kurt Österles Vortrag kann in voller Länge auf seiner Internet-Seite www.kurt-oesterle.de heruntergeladen werden.

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