DRK-Initiative Gschwend sucht Sponsor für neues Auto

"Die schaffet doch älle", sagt Lieselotte Wohlfahrt. Die 72-Jährige nimmt seit Jahren regelmäßig den Fahrdienst der Gschwender DRK-Initiative in Anspruch. Diese benötigt jetzt aber selbst Unterstützung.

|
Die Fahrer Winfried Sprenger, Roland Schwenger, Herbert Braitmayer, die Fahrgäste Lieselotte Wohlfahrt und Prof. Gerhard Sedding, Fahrer Heinz Förstner, Fahrgast Lore Klein und Jürgen Feller, Initiator des Fahrdienstes (von rechts).  Foto: 

280 Fahrten hat Winfried Sprenger in diesem Jahr verzeichnet. Er managt zusammen mit Jürgen Feller das Büro der "Bürger für Bürger" in der Gmünder Straße in Gschwend. Der Raum ist mehr als ein Büro, er ist auch eine Begegnungsstätte. Gestern Vormittag etwa sitzt Lieselotte Wohlfahrt in dem warmen Zimmer. Ihre Nebensitzerin Lore Klein bucht ihre Fahrt zum HNO-Arzt. Sie ist schwerhörig und spricht sehr laut. Ihren Rollator hat sie vor der Tür abgestellt. Sie könne nicht allein zum Doktor nach Gmünd fahren, erklärt die Gschwenderin. Der Busfahrplan und ihre Arzttermine seien schließlich nicht aufeinander abgestimmt. Für Fahrgäste wie Lore Klein benötigt der Fahrdienst ein rollstuhlgerechtes Auto. "Es werden immer mehr alte Menschen, die gehbehindert sind", sagt Jürgen Feller.

Mehr als ein Senioren-Taxi

Er hat 2002 die Initiative ins Leben gerufen. Ehrenamtliche chauffieren ältere Menschen zu den verschiedensten Fachärzten und Kliniken in der näheren und weiteren Umgebung. 24 Fahrer und Fahrerinnen holen sie an der Haustür ab, begleiten sie zum Arzt und bringen sie wieder nach Hause. "Wir fahren in der Gesamtgemeinde", sagt Herbert Braitmayer. Gschwend ist eine Flächengemeinde mit 84 Wohnplätzen. Professor Gerhard Sedding beispielsweise wohnt in Schmidbügel. Das Seniorentaxi holt den 92-Jährigen daheim ab und bringt ihn zum Orthopäden nach Gmünd. "Wir sind auf den Fahrdienst angewiesen", bestätigt seine Frau. Die Kinder sind weit weg, leben in Hannover und Berlin.

Ende Juli 2015 hatte der Fahrdienst die magische 3000. Fahrt seit Eröffnung des Bürgerbüros am 9. September 2002 gemacht, und das unfallfrei. "Unser VW-Caddy ist in die Jahre gekommen", sagt Feller. Er rollt seit zehn Jahren. "Nach einigen aufwendigen Reparaturen sind wir jetzt nach Gesprächen mit dem DRK-Kreisverband in Schwäbisch Gmünd zu der Entscheidung gekommen, uns bis zum Frühjahr 2016 ein rollstuhlgerechtes Auto zu beschaffen, damit wir auch in den nächsten zehn Jahren den ständig steigenden Anforderungen gerecht werden können", meint Feller augenzwinkernd. Ein umweltschonendes Auto soll es sein, ein sparsames und eines, das ein hohes Maß an passiver Sicherheit bietet. So muss zur Ausstattung eine kombinierte Rücken-Kopf-Stütze gehören, die den Fahrgast im Rollstuhl bei einem Auffahrunfall effektiv schützen kann. Das neue Fahrzeug wird Pi mal Daumen 30.000 Euro kosten, haben Feller und seine Leute ausgerechnet. Sie suchen Sponsoren und werden sämtliche Geschäftsleute in und um Gschwend anschreiben.

Stadtseniorenrat vor Verhandlungen

Auch der Stadtseniorenrat Gaildorf steht vor Verhandlungen. Das Autohaus Koch hat ihm einen Caddy gesponsert. Im Februar läuft das Sponsoring aus. Ob Koch ein weiteres Jahr den Caddy unterhält, "müssen wir sehen", sagt Wolfgang Nachbauer vom Stadtseniorenrat auf Anfrage unserer Zeitung. Koch stellt das Auto zur Verfügung und zahlt die Versicherung. Die Stadt kommt für die Versicherung der Fahrer auf. Das Benzin wird aus Spenden bezahlt, die Chauffeure arbeiten ehrenamtlich. Ob sich der Stadtseniorenrat ein eigenes Auto leisten kann samt Versicherung und Reparaturen? Nachbauer zuckt mit den Schultern. Im Caddy der Gaildorfer gibt es ein "Kässle" für die Spenden der Fahrgäste. Die geben sich "sehr großzügig", versichert Nachbauer. Aber die Summe wird bei weitem nicht für die Anschaffung und den Unterhalt eines Taxis reichen. Der Fahrdienst rollt ja erst seit wenigen Monaten.

Die Senioren wissen, was sie an uns haben

Die Gschwender können aus den Spenden ihrer Fahrgäste ihre zwei Autos unterhalten. "Im Lauf der letzten 13 Jahre hat sich das eingespielt, die Senioren wissen, was sie an uns haben", sagt Roland Schwenger. "Wir sind für sie mehr als nur die Fahrer", meint Herbert Braitmayer. "Das Auto ist ein Beichtstuhl." Manche Fahrgäste schütten ihr Herz aus, erzählen von ihren Sorgen. "Manche sind verwitwet, haben sonst kaum Ansprechpartner", erklärt Braitmayer ihre Vertrauensseligkeit. Der Fahrer ist dann auch ein Seelsorger. Im Lauf der Jahre entsteht zu den Fahrgästen eine persönliche Beziehung. Die Fahrer begleiten sie zum Arzt, sitzen zusammen im Wartezimmer, holen anschließend die Medikamente in der Apotheke, fahren sie wieder heim, manchmal sind sie einen halben Tag zusammen unterwegs. Den Bus zu nehmen ist für die meisten keine Alternative. Nicht nur, weil es ihnen körperlich kaum mehr möglich ist. "In Gmünd kann man ins Café gehen und das kostet Geld, was nicht jeder üppig hat", sagt Jürgen Feller. "Und in der Stadt in den Parks hocken Gestalten umeinander, das ist nicht zum Wohlfühlen."

DRK-Initiative Gschwend

Tätigkeiten In der DRK-Initiative engagieren sich aktuell 35 ehrenamtliche Mitarbeiter, 24 davon sind im Fahrdienst tätig, der Rest übernimmt Sonderaufgaben in der Gemeinde, wie zum Beispiel sortieren und verpacken von Kleiderspenden für die LEA, die Landeserstaufnahmestelle für Flüchtlinge in Ellwangen. Ihren nächsten Einsatz für die LEA haben die Ehrenamtlichen am 27. und 29. Oktober. Gute, tragbare Wintersachen werden entgegengenommen und nach Größen sortiert. Die letzten beiden Male seien bergeweise Textilien angeliefert worden, erzählen die Initiativler.

Honorierung Am Tag des Ehrenamts am 5. Dezember richten die Verantwortlichen für ihre Mitstreiter ein Fest aus. Sie treffen sich um 17.30 Uhr im Vereinsheim der Kleintierzüchter in der Hagstraße. Zum halbrunden und zum runden Geburtstag gibt es Blumen - für die Damen unter den 24 Fahrern - und Gutscheine. "Das tut uns nicht weh und bewirkt viel", meint Feller. Seine Leute halten zur Stange - wie Gerhard Maier zum Beispiel. Er ist ein Chauffeur der ersten Stunde und hat sich Ende September aus dem Fahrdienst verabschiedet, schweren Herzens mit Blick auf sein Alter. Er ist 82 Jahre alt.

Unterstützer Die DRK-Initiative sucht ständig neue Fahrer wie Heinz Förstner. Der 64-Jährige hat sich mit seinem Eintritt in den Ruhestand als Fahrer zur Verfügung gestellt. Herbert Braitmayer, 78, freut sich über die "junge Unterstützung". "Da macht der Ruhestand noch Sinn." Auch im Bürgerbüro hofft Winfried Sprenger, bald entlastet zu werden. Jürgen Feller stellt sich einen Ruheständler "mit etwas Organisationstalent" vor. Seine Arbeitszeiten wären dienstags und donnerstags von 9 bis 11 Uhr. Interessenten können zu diesen Zeiten in der Gmünder Straße 5 vorbeischauen oder anrufen unter 07972/911966.

KA

Abonnieren Sie das kostenlose Morning-Briefing aus der Chefredaktion
Damit starten Sie top informiert in den Tag. Außerdem im Newsletter: Die Wettervorhersage und die aktuelle Verkehrslage in der Region.
» zur Registrierung

Noch kein Kommentar

Schreiben Sie Ihren eigenen Kommentar

noch 3000 Zeichen
Mit Ihrem Kommentar akzeptieren Sie unsere Netiquette

Für registrierte Nutzer

Melden Sie sich an und schicken Sie Ihren Kommentar ab:

Für noch nicht registrierte Nutzer

Registrieren Sie sich kostenlos, um Ihren Kommentar abzuschicken:

Ich bin damit einverstanden, dass die Neue Pressegesellschaft mbH & Co. KG und ihre Tochterunternehmen mich schriftlich (per E-Mail oder Brief) oder telefonisch über ihre Medienangebote und kostenlose Veranstaltungen informieren dürfen. Meine Daten dürfen zu diesem Zweck gemäß den Bestimmungen des BDSG gespeichert, verarbeitet und genutzt werden. Die Einwilligung kann ich jederzeit widerrufen.
Ich bin mit den Datenschutzbestimmungen einverstanden. *

Bitte beantworten Sie noch die folgende Sicherheitsfrage:

neu laden
Content Management by InterRed GmbH Logo
weiter zur Startseite

Trauer als eine nötige Wende

Gedanken zum Volkstrauertag macht sich diesmal Uwe Langsam, Pfarrer an der Johanneskirche in Crailsheim. weiter lesen