Die Zukunft liegt vielleicht in Bio

Die Mitglieder der Obstgemeinschaftsbrennerei Oberrot denken über eine Vermarktung ihrer Äpfel und Birnen als zertifizierte Bio-Ware nach.

|
Vorherige Inhalte
  • Für ihre Früchte haben die Mitglieder der Obstgemeinschaftsbrennerei Rottal bisher gutes Geld erhalten. Sie wurden zu Industriealkohol weiterverarbeitet. Diesen nahm der Staat für mehr als drei Euro je Liter ab. Doch ohne die Subvention lohnt sich der Verkauf der Äpfel und Birnen von den heimischen Streuobstwiesen kaum. 1/2
    Für ihre Früchte haben die Mitglieder der Obstgemeinschaftsbrennerei Rottal bisher gutes Geld erhalten. Sie wurden zu Industriealkohol weiterverarbeitet. Diesen nahm der Staat für mehr als drei Euro je Liter ab. Doch ohne die Subvention lohnt sich der Verkauf der Äpfel und Birnen von den heimischen Streuobstwiesen kaum. Foto: 
  • Der Zoll wacht über jeden Tropfen: Das plombierte Schloss in der Verschlussbrennerei der Oberroter Firma Wengel hat sich bald erledigt. 2/2
    Der Zoll wacht über jeden Tropfen: Das plombierte Schloss in der Verschlussbrennerei der Oberroter Firma Wengel hat sich bald erledigt. Foto: 
Nächste Inhalte

Wer Mitglied der Obstgemeinschaftsbrennerei (OGB) Rottal ist, lieferte seine Äpfel und Birnen gerne ab. Für 100 Kilogramm Früchte wurden bis zu 13 Euro bezahlt. Bei einem Fruchtsafthersteller gab es für dieselbe Menge etwa die Hälfte.

Möglich machte das höhere „Obstgeld“ der OGB Rottal das staatliche Branntweinmonopolgesetz aus dem Jahr 1922 (siehe separater Text). Doch diese Regulierung durch den Staat fällt Ende dieses Jahres. Dann herrscht freie Marktwirtschaft, und der Preis für den Liter Industriealkohol rauscht aufgrund hoher Überkapazitäten ins Bodenlose.

Aus diesem Grund suchen die Oberroter Brenner neue Vermarktungswege. Eine Chance könnte der Verkauf der meist mühsam von Hand auf den heimischen Streuobstwiesen gesammelten Äpfel und Birnen als zertifizierte Bio-Ware sein. In der Mitgliederversammlung der OGB Rottal am Mittwochabend in der gut gefüllten Kultur- und Festhalle von Oberrot waren auch Andreas Rikker und Petra Streker von der Streker Natursaft GmbH aus Aspach anwesend. Sie sprachen von Preisen bis zu 20 Euro je 100 Kilo Bio-Obst. Für Äpfel und Birnen werde je Doppelzentner die gleiche Summe bezahlt.

Doch der Weg zum Anbieter zertifizierter Bio-Ware ist lang und bürokratisch. Zudem entstehen für die alljährlich zu wiederholende Überprüfung Kosten. Diese können Einzelpersonen tragen, aber auch Gemeinschaften wie die Obstgemeinschaftsbrennerei Rottal. Deren Geschäftsführer Erhard Wengel hatte die Idee mit der Bio-Ware ins Spiel gebracht.

Peter Knuhr vom Zertifizierungsdienstleister „AB-Cert“ informierte, wie das Ziel erreicht werden kann. Der Experte informierte auch über Haftungsrisiken und Regresspflicht. Wer zahlt, wenn ein Mitglied keine Bio-Ware anliefert und die Charge vielleicht mit Pestiziden verunreinigt ist oder in der Bio-Produktion verbotener chemischer Dünger nachgewiesen wird? Das sei gewiss ein hohes Kostenrisiko. Dennoch fanden sich gegen 22.30 Uhr zahlreiche Namen von Interessenten einer Zertifizierung auf den herumgereichten Listen.

Andreas Rikker und Petra Streker boten an, zusammen mit Peter Knuhr bei der Zertifizierung zu helfen. In einem nächsten Schritt soll jetzt geklärt werden, ob die Obstgemeinschaftsbrennerei Rottal in der Zertifizierung gemeinsame Sache macht oder Mitglieder in dem Verfahren einzeln auftreten.

Das Branntweinmonopolgesetz wurde ursprünglich im April 1922 verkündet und trat zum 1. Oktober 1922 in Kraft.

Ziel des Gesetzes war die Regulierung der vielfach illegal betriebenen Brennereien. Dem Staat entgingen dabei Steuern. Schon früh hatte auch der Handel mit Branntwein – insbesondere auf der Nordsee – zu gesetzgeberischem Handeln geführt. Im Rahmen eines internationalen Abkommens wurde der Handel mit Schnaps in den Jahren 1887/1893 dort weitgehend beschränkt (Quelle: Wikipedia).

Der Bundestag hat am 21. März 2013 das Branntweinmonopol für die rund 20 000 Klein- und Obstbrennereien in Deutschland mit Wirkung zum Ende des Jahres 2017 abgeschafft.

Abonnieren Sie das kostenlose Morning-Briefing aus der Chefredaktion
Damit starten Sie top informiert in den Tag. Außerdem im Newsletter: Die Wettervorhersage und die aktuelle Verkehrslage in der Region.
» zur Registrierung

Noch kein Kommentar

Schreiben Sie Ihren eigenen Kommentar

noch 3000 Zeichen
Mit Ihrem Kommentar akzeptieren Sie unsere Netiquette

Für registrierte Nutzer

Melden Sie sich an und schicken Sie Ihren Kommentar ab:

Für noch nicht registrierte Nutzer

Registrieren Sie sich kostenlos, um Ihren Kommentar abzuschicken:

Ich bin damit einverstanden, dass die Neue Pressegesellschaft mbH & Co. KG und ihre Tochterunternehmen mich schriftlich (per E-Mail oder Brief) oder telefonisch über ihre Medienangebote und kostenlose Veranstaltungen informieren dürfen. Meine Daten dürfen zu diesem Zweck gemäß den Bestimmungen des BDSG gespeichert, verarbeitet und genutzt werden. Die Einwilligung kann ich jederzeit widerrufen.
Ich bin mit den Datenschutzbestimmungen einverstanden. *

Bitte beantworten Sie noch die folgende Sicherheitsfrage:

neu laden
Content Management by InterRed GmbH Logo
weiter zur Startseite

Marihuana-Kuchen und andere Gerüchte aus der Szene-Küche

In der Verhandlung gegen einen 34-jährigen Gaildorfer am Landgericht Heilbronn werden die letzten Zeugen vernommen. weiter lesen