Die Sache mit dem Überlauf

Fest steht, dass beim Mühlenbrand in Lobenhausen kontaminiertes Löschwasser durch einen Damm gesickert ist. Die Frage ist, ob dies die einzige Ursache für das verheerende Fischsterben in der Jagst sein kann.

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200 Meter vom Brandort entfernt führt ein Rohr in den Mühlkanal, der wiederum Wasser in die Jagst speist. Bei dem Rohr mit einem Durchmesser von rund 40 Zentimetern handelt es sich um den Überlauf des Löschwasserbeckens. In der Brandnacht wurde dieser von der Feuerwehr verschlossen. Der Überlauf beziehungsweise dessen Dichtigkeit wurde stündlich kontrolliert, versichert Michael Knaus, der Erste Landesbeamte im Landratsamt. Aber: "Irgendwann zwischen 23 und 3 Uhr, als der Haupteinsatz beendet war, war das Ding mal offen", bestätigt Knaus auf Nachfrage. Dies könnte dafür gesorgt haben, dass große Mengen Löschwasser mit einer hohen Schadstoffkonzentration in die Jagst gelangten.

Knaus ist es wichtig zu betonen, dass dies "eine denkbare Möglichkeit" sei. Das müsse noch "konkret ermittelt" werden. Es sei auch möglich, dass aus dem Erdwall des Mühlkanals bei der abgebrannten Lagerhalle vermehrt etwas durchgesickert oder dass der Überlaufkanal generell undicht sei.

Am Samstag hatte es an der Austrittsstelle des Rohres jedenfalls nicht den Eindruck, als sickere etwas durch. Im Innern sorgte ein sogenanntes Rohr-Dichtkissen zudem dafür, dass nichts rauslief. Gestern wurde der Gumpen aus Erde, der Sickerwasser in dem trockengelegten Mühlkanal zurückhält, erweitert, weil laut Landratsamt "eine weitere Austrittsquelle von kontaminiertem Wasser" festgestellt wurde. Das Sickerwasser wird auf ein Feld gepumpt. Dass bei den riesigen Mengen an Löschwasser auch "oberflächlich was abgegangen" sein muss, steht bei den ganzen Überlegungen außer Frage.

Zu allem Überfluss steht aber seit dem Wochenende fest, dass - entgegen vorheriger Auskünfte - doch Pflanzenschutzmittel am Brandort gelagert wurden. "Da ist kein Tropfen Wasser reingekommen", versichert Knaus. Um das zu verstehen, muss man wissen, dass die Mittel in einer Halle nebenan lagerten, die glücklicherweise "nicht vom Brand betroffen" (Knaus) war. Dort gibt es einen betonierten Raum mit Tür und Schleuse.

Während die Aufräumarbeiten in Lobenhausen fast beendet sind, sind die Feuerwehren flussabwärts weiter im Belüftungs-Einsatz. Denn durch Verwesungprozesse sinkt der Sauerstoffgehalt. Es besteht "die Befürchtung, dass die Jagst umkippt", sagt Achim Thoma, der Vorsitzende des Angelsportvereins Langenburg - "es stinkt wie die Sau nach totem Fisch". Zwei bis drei Tonnen tote Fische, schätzt Thoma, hätten sie allein am Samstag noch aus dem Wasser geholt. Bis Freitagvormittag wurden bei der Tierkörpersammelstelle in Sulzdorf elf Tonnen abgeliefert.

Zu den 20 Helfern aus Langenburg gesellten sich in Kirchberg noch einmal rund 60. Für Walter Pantel vom dortigen Fischereiverein ging es darum, "den Schaden zu begrenzen". Von Anfang an war klar, dass bei Kirchberg, wo die Jagst flacher ist als bei Langenburg "der Handlungsbedarf nicht so" war, so Pantel. Es handelte sich vorwiegend um "kleine Fische".

"Unsere Jagst": Arbeitskreis und Spendenkonto

Das Landratsamt Schwäbisch Hall will einen Arbeitskreis unter dem Namen "Unsere Jagst" ins Leben rufen. Am morgigen Dienstag soll es ein erstes Treffen geben. Eingeladen sind unter anderem Fischereivereine, Umweltverbände, Vertreter der Städte und des Regierungspräsidiums. Erster Schritt wird laut Landratsamt "ein gemeinsames Brainstorming sein, welche Maßnahmen ergriffen werden können und wie diese priorisiert werden". Unabhängig von den Kosten des Unglücksfalls und der Schadensersatzleistungen, die noch zu klären seien, soll heute ein Spendenkonto "Unsere Jagst" eingerichtet werden, heißt es. Das eingehende Geld soll für Ideen des Arbeitskreises, für Verbesserungen der Ökologie an der Jagst und für die Förderung der Fischereivereine verwendet werden.

JS

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