Die rückständige Inderin ist ein Klischee

Silke Abendschein hat einen Dokumentarfilm über Frauen in Indien gedreht, den sie nun in Gaildorf zeigt. Die gebürtige Hallerin, in Oberrot aufgewachsen, engagiert sich seit mehr als zehn Jahren in Südasien.

|
Silke Abendschein - Kostümbildnerin, Designerin und Filmemacherin. Privatfoto

Alle 20 Minuten wird in Indien eine Frau vergewaltigt. "Das ist nicht neu. Neu ist nur die Medienwirksamkeit seit der Gruppenvergewaltigung einer jungen Frau", sagt Silke Abendschein, die sich seit mehr als zehn Jahren in Indien engagiert. Die Regisseurin will diese dunkle Seite Indiens nicht beschönigen, hat sich aber in ihrem Dokumentarfilm "Chellaponnu" auf einen anderen Aspekt konzentriert: Sie begleitet das Leben von fünf Frauen im südindischen Hinterland - geprägt von Familie, harter Arbeit und tiefer Tradition. Der Film erzählt, ohne zu werten.

Geboren in Hall, wuchs Silke Abendschein auf dem Greuthof bei Oberrot auf, wo ihre Mutter Traude-Rose Wannenwetsch noch heute lebt. Nach dem Abitur am Ernährungswissenschaftlichen Gymnasium in Hall verließ sie das Rottal und wurde zunächst Damenschneiderin, ging dann ans Städtische Theater nach Freiburg und studierte später Kostümgestaltung. Seit 2007 arbeitet sie freischaffend als Kostümbildnerin und Designerin mit eigenem Ladenatelier zuerst in Dresden und nun in Berlin. Seit 2002 engagiert sich die 33-Jährige in Indien, unter anderem für Projekte des Vereins "Shoshana - Hilfe für Frauen in Not", gegründet von der Tüngentalerin Martha Förch. Sechs oder sieben Mal reiste sie bisher nach Indien und erteilte Lehrerinnen Nähunterricht.

In ihrem Dokumentarfilm provoziert die Filmemacherin mit einem Vergleich des Lebens ihrer Mutter in den 60er-Jahren in einem süddeutschen Dorf einerseits und dem heutigen indischen Hinterland andererseits. Die Botschaft: Inderinnen sind zwar rückständig, was etwa die Behausung angeht, aber teils aufgeschlossener als deutsche Frauen vor 50 Jahren. Ein Beispiel: "In Indien dürfen wir bei fremden Frauen wohnen. Ich kann mir nicht vorstellen, dass wir eine fremde Inderin seinerzeit auf dem Greuthof aufgenommen hätten."

Silke Abendschein, Mutter eines elfmonatigen Sohnes, sei in Indien bislang nie in Gefahr geraten, sagt sie. Sie leistet ihren Teil dazu, indem sie sich passend kleidet und die Körpersprache der Inder beherrscht. An der Stellung der Frau in Indien werde sich trotz positiver Ansätze so schnell nichts ändern, befürchtet sie, obwohl Frauen laut Verfassung viele Rechte haben. "Typisch für Indien: ein Widerspruch zwischen Schein und Sein."

Abonnieren Sie das kostenlose Morning-Briefing aus der Chefredaktion
Damit starten Sie top informiert in den Tag. Außerdem im Newsletter: Die Wettervorhersage und die aktuelle Verkehrslage in der Region.
» zur Registrierung

Noch kein Kommentar

Schreiben Sie Ihren eigenen Kommentar

noch 3000 Zeichen
Mit Ihrem Kommentar akzeptieren Sie unsere Netiquette

Für registrierte Nutzer

Melden Sie sich an und schicken Sie Ihren Kommentar ab:

Für noch nicht registrierte Nutzer

Registrieren Sie sich kostenlos, um Ihren Kommentar abzuschicken:

Ich bin damit einverstanden, dass die Neue Pressegesellschaft mbH & Co. KG und ihre Tochterunternehmen mich schriftlich (per E-Mail oder Brief) oder telefonisch über ihre Medienangebote und kostenlose Veranstaltungen informieren dürfen. Meine Daten dürfen zu diesem Zweck gemäß den Bestimmungen des BDSG gespeichert, verarbeitet und genutzt werden. Die Einwilligung kann ich jederzeit widerrufen.
Ich bin mit den Datenschutzbestimmungen einverstanden. *

Bitte beantworten Sie noch die folgende Sicherheitsfrage:

neu laden
Content Management by InterRed GmbH Logo
weiter zur Startseite

Mehr Busse, neue Züge und in fünf Stunden nach Berlin

Der Fahrplanwechsel am Sonntag bringt für Gaildorf und das Limpurger Land auf einigen Linien für die allermeisten Nutzer deutliche Verbesserungen. weiter lesen