Die Planung der vier Windräder für den Naturstromspeicher wird geändert

Die vier Windkraftanlagen für das Gaildorfer Naturstromspeicher-Energieprojekt sollen anders gebaut werden als ursprünglich geplant. Sie werden etwas kleiner. Der Gemeinderat ist damit einverstanden.

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Die wichtigste Änderung: Der Rotordurchmesser der Windräder verringert sich um zwölf Meter, die Nabenhöhe wird um sechs Meter angehoben.  Foto: 

Die öffentliche Bekanntmachung der Tagesordnung zur jüngsten Sitzung des Gaildorfer Gemeinderats hat eine ganze Reihe von Kritikern des Naturstromspeichers auf den Plan gerufen: Es ging um den aktuellen Bauantrag der MBS Naturstromspeicher GmbH, der eine Planungsänderung der vier großen Windräder zum Gegenstand hat. Einige Bürger, die zur Sitzung gekommen waren, darunter Vertreter der Initiative "Für Gaildorf", hatte sich durch die veränderte Situation neue Gutachten und auch weitere Widerspruchsmöglichkeiten erhofft.

Offensichtlich vergeblich. In der Sitzung gehe es nur um das "gemeindliche Einvernehmen", erläuterte Bürgermeister Frank Zimmermann. Ob neue Gutachten nötig seien, habe die Genehmigungsbehörde beim Landratsamt zu entscheiden. Er gehe nicht davon aus, dass die geänderten Pläne - die gemäß Paragraph 15 des Bundes-Immissionsschutzgesetzes (BImSchG) dem Landratsamt in Hall gemeldet wurden - ausgelegt werden müssen. Ein neuer Antrag gemäß BImSchG sei laut Unterlagen "nicht erforderlich, da durch diese Umplanungen die Windenergieanlagen in ihrer Abmessung kleiner werden", heißt es dazu in einer Verwaltungsvorlage zur Sitzung. Und: "Alle Emissionen, die bekannt sind, gehen nach unten", wie Projektentwickler Alexander Schechner ergänzte.

Durch die Planungsänderungen würden also laut Stadtverwaltung "keine zusätzlichen Beeinträchtigungen" erwartet. Darüber hinaus bleibe der Betrieb der vier Anlagen identisch mit der genehmigten Planung. Dies betreffe unter anderem die Bereiche Arbeitssicherheit, Rettungskonzept, Anlagensicherheit (wie Blitz- und Brandschutz, Positionsleuchten, Eiserkennung oder Sichtweitenmessung), wassergefährdende und Abfallstoffe. Ein Bürger sah dies anders: In der Fragestunde warnte er vor einer "ungeheuren Spaltung von Gaildorf".

Kritik aus den Reihen der Zuhörer an der Verwaltung, sie habe auf die Abstimmung im Gemeinderat über die beabsichtigten Änderungen nicht ausdrücklich hingewiesen und die Informationen dazu erst in der Sitzung öffentlich bekannt gegeben, wies der Bürgermeister zurück. Es sei üblich, so Frank Zimmermann, "dass das Gremium abstimmt" - und dass Vorlagen nicht vor einer Sitzung öffentlich gemacht würden.

Im vorliegenden Fall geht es darum, dass nicht die genehmigten Anlagen vom Typ Gamesa G 144 mit einem Rotordurchmesser von 144 Metern und einer Nennleistung von jeweils 5,5 Megawatt (MW) errichtet werden sollen, sondern vom Typ Gamesa G 132 mit 132 Metern Rotordurchmesser und einer Nennleistung von 5,0 MW. Die Nabenhöhe soll um sechs Meter angehoben werden, die so genannte Blattspitzhöhe bleibt gleich (siehe Grafik). Gleichzeitig soll die Plattform, der Übergang vom Konus (der kleiner und schlanker werde) zum Turm, herabgesetzt werden.

Eine Änderung ist auch hinsichtlich der Kranstellfläche beabsichtigt: Durch die steilere Anböschung könne dauerhaft - etwa für eine Wartung - auf die Kranplattform zugegriffen werden, ohne die Böschung nachträglich abtragen zu müssen, heißt es dazu im Plan.

Projektentwickler Alexander Schechner begründete die Änderungen unter anderem mit der Tatsache, dass die ursprünglich geplanten Anlagen mit Blick auf eine sinkende Vergütung nach dem Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) "nicht zeitgerecht verfügbar" seien. Die Anlagen müssten, wie geplant, Ende 2016 in Betrieb gehen. Die nun zum Einsatz vorgesehene Variante sei "eine Top-Maschine", die man "schon immer als Plan B geführt" habe. "Windtechnisch" werde ein "sehr hoher Qualitätsstandard" erreicht.

Um abschätzen zu können, ob die Vermutungen der Planer hinsichtlich sinkender Emissionen auch zutreffend seien, hätte sich Offene-Liste-Sprecher Bernhard Geißler mehr Informationen, etwa einen Vergleich der Datenblätter, gewünscht. Seinen Antrag, die Abstimmung im Gaildorfer Gemeinderat zu vertagen, lehnte das Gremium ab.

Zuvor hatte Alexander Schechner betont, dass in den Untersuchungen etwa zum Thema Schall ohnehin nur der lauteste Wert dargestellt werde, und "in der Prognose liegen wir unter diesem Wert".

Am Ende der Erörterung sprach sich der Gemeinderat dafür aus, das gemeindliche Einvernehmen zu dem Bauantrag zu erteilen. Bernhard Geißler stimmte dagegen, sein Fraktionskollege Axel Spix enthielt sich der Stimme.

Der aktuelle Zeitplan

Windenergieanlagen

- März-April 2015 Aushub

- Herstellung der Passivbecken und Speicherfundamente bis Ende 2015

- Hauptmontage Windenergieanlagen Mitte/Ende 2016

- Inbetriebnahme Windenergieanlagen Ende 2016

Pumpspeicherkraftwerk

- Herstellung der Baugrube zum Pumpspeicherkraftwerk Frühjahr 2016

- Bauzeit Pumpspeicherkraftwerk 2016

- Hauptmontage Pumpspeicherkraftwerk 2017

- Inbetriebnahme Mitte/Ende 2017

Druckrohrleitung

- März 2016-Dezember 2016

Unterbecken

- Noch in der Abstimmung mit dem Bahnprojekt "Stuttgart 21"; Potenzial für den Aushub bietet die Rekultivierung im Hasenbühl

(Quelle: MBS)

SWP

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Kommentare

31.01.2015 14:24 Uhr

Kleine Korrektur zu „Naturstromspeicher: es bleibt spannend”

Eine kleine Korrektur zu obiger Aussage:"Interessant ist, dass die theoretisch erreichbare Maximalleistung jetzt statt 5,5 MW nur auf 5,0 MW sinkt, also nur um ca. 11 Prozent."
Richtig wäre natürlich, dass die Maximalleistung bezogen auf die ursprünglichen 5,5 MW jetzt nur um ca. 9 Prozent niedriger ausfällt und nicht um ca. 11 Prozent.Das ändert aber an der Grundaussage nichts.

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31.01.2015 14:11 Uhr

Naturstromspeicher: es bleibt spannend

Für die Umwelt (vor allem für die Vogelwelt) und die Anwohner ist es sicher von Vorteil, wenn der Rotormesser der Anlagen kleiner wird und damit auch die überstrichene Rotorfläche. Statt wie bisher geplant rund 16.200 m² Fläche wird jetzt dann pro Windrad nur noch eine Fläche von ca. 13.600 m² überstrichen. Das ist eine Verringerung von ca. 16 Prozent.
Interessant ist, dass die theoretisch erreichbare Maximalleistung jetzt statt 5,5 MW nur auf 5,0 MW sinkt, also nur um ca. 11 Prozent. Das kann schon richtig sein, weil diese technischen Parameter sicher nicht notwendigerweise linear skalieren, aber das ist sicher ein Punkt, den potentielle Investoren anhand der technischen Daten genau prüfen sollten. Und wichtiger als die Maximalleistung ist dabei natürlich die Betrachtung der zu erwartenden Stromerträge bei den vorherrschenden eher mittleren bis niedrigen Windstärken.
Interessant auch die Frage, ob die neue kleinere Version dann auch in gleichem Maße preiswerter zu bauen und zu betreiben ist in Bezug auf die dann jetzt zu erwartende geringere Stromausbeute.
Auch betrachtet werden sollte, dass, wie in letzter Zeit in verschiedenen Veröffentlichungen zu lesen war, mehr als die Hälfte der Onshore-Windanlagen in Deutschland trotz der nicht geringen EEG-Förderung nur mit finanziellen Verlusten zu betreiben sind.
Zwar ist es für den Ertrag von Vorteil, dass die Masten mit ca. 170 Metern Nabenhöhe sehr hoch sind. Allerdings stehen diese Windräder alle im Wald, so dass sie im Vergleich zu Windrädern mit heute üblichen ca. 140 Metern Nabenhöhe, die auf freier Fläche stehen, kaum einen Ertragsvorteil liefern dürften. Teurer zu bauen und vermutlich auch zu warten sind sie aber angesichts der größeren Höhe.

Es bleiben als größtes wirtschaftliches Risiko aber die hohen Kosten für den Pumpspeicher-Teil. Diese sind, wie wir in vergangenen Diskussionen schon geklärt haben, pro MW Leistung ganz grob überschlagen ungefähr doppelt so hoch wie bei allen anderen geplanten Pumpspeichern in Deutschland. Und die Planungen für diese anderen, günstiger zu bauenden Pumpspeicher in Deutschland liegen derzeit alle auf Eis, weil selbst sie nicht wirtschaftlich zu bauen und zu betreiben sind. Was das für den Naturstromspeicher bedeutet, ist die spannendste aller Fragen.
Auch hat sich die Lage am Strommarkt, was den zu erzielenden Ertrag anbelangt, in den letzten Jahren seit Beginn der Planungen dieser Anlage, deutlich verschlechtert.

Technisch ist der Ansatz, einen Teil der Oberbeckenfläche dadurch einzusparen, dass das Wasserreservoir teilweise in die Turmfüße verlagert wird, sicher elegant und auch gut, weil weniger Landschaftsfläche verbraucht wird .

Eine Aussage aber, ob dieses interessante Projekt, da es ja nun umgesetzt wird, insgesamt unter Berücksichtigung aller Vor- und Nachteile ein erfolgreiches werden wird, möchte ich mir abschließend nicht erlauben.
Nicht wenige Zweifel gibt es, aber zu wünschen wäre es.

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31.01.2015 12:33 Uhr

Planänderungen NATURSTROMSPEICHER-SENGENTHAL

Wie alles bei NATURSTROMSPEICHER-SENGENTHAL kann man glauben oder nicht. Ich glaube da eher nicht. Wirklich neu ist, dass man nun (im von Projekt mit Öffentlichkeitsbeteiligung beantragten Verfahren) Jan/ Febr 2015 erstmals mit Angabe der Rotor-/Maschinenverhältnisse GAMESA 132-5MW im GAMESA-Prospekt zutreffende Leistungskennlinien ansehen kann.

http://www.gamesacorp.com/recursos/doc/productos-servicios/aerogeneradores/catalogo-g10x-45mw-eng.pdf - Dort auf Seite 8 kann nun der interessierte Bürger seinen Bleistift im Diagramm bei 5-6m/ sec anhalten und nun erstmals sehen, was sich auf der linken Seite des Diagramms zeigt = 0,5MW.

Die prognostizierten 5-6m/sec können überschritten und / oder unterschritten werden. Beziehen Sie die Frage doch mal auf Ihr KFZ oder Ihren Kühlschrank: Können Sie (oder RUNDSCHAU) es sich leisten, die 10-fache Nennleistung in Ihrer Küche oder in Ihrem KFZ zu installieren? Ihnen einen Kühlschrank zu verkaufen, der mit 90% übersteigerter Leistung kühlt, wäre ein BERATUNGSFEHLER, den Sie bei falscher Kennzeichnung einklagen können. NATURSTROMSPEICHER-SENGENTHAL kann sich das leisten Die STROMKUNDEN, also Sie werden das bezahlen. Noch - so wurde in der Versammlung gesagt. Doch die Fördersätze ändern sich, womit die neue PLANÄNDERUNG nun begründet wurden. Wie gesagt - bei NATURSTROMSPEICHER-SENGENTHAL kann man alles glauben.

Deutschland hatte bis Dez 2013 einen Bundesminister für Wirtschaft und Technologie, bei dem ich den Satz gehört habe: "Dummheit kann man nicht verbieten." Diesen Spruch glaube ich - da sind wir in GAILDORF nun vermutlich sehr nahe dran. Machen Sie doch mal ein Kreuzle in Ihrem Kalender wenn der Wind in Ihrem Wetterbericht mit 20Std/km angegeben ist - dann würden die WEA's von NATURSTROMSPEICHER-SENGENTHAL 0,5MW liefern.

Braucht da einer lange, um zu überlegen, ob er da eine Beteiligung kauft? Herr Kretschmann, Herr Bonde und Herr Untersteller brauchen für diese Geschichte nun fast drei/ vier Jahre - und sind zusätzlich bereit noch erhebliche Eingriffe bzgl. GRÜNGÜRTEL, WILDTIERKORRIDOR und KOCHER zu dulden. Eingriffe, die in GAILDORF und MICHELBACH nicht ausgeglichen werden (Kein GR in GAILDORF fragt danach - und dafür gibt es GR.). Zusätzlich fließen in GAILDORF bzgl. UNTERBECKEN dann städt. AUSGLEICHGRUNDSTÜCKE zweckwidrig und vermutlich gesetzwidrig in ein privates KRAFTWERKPROJEKT. Also vermutlich ist das Unterbecken privat - niemand in GAILDORF kann es wissen. Denn Verhandlungen zw. Stadt GAILDORF und NATURSTROMSPEICHER-SENGENTHAL darf in GAILDORF niemand erfahren, - das ist geheim. Doch das wird gut in GAILDORF, eine Effizienz an den WAE's vermutlich im Jahresdurchschnitt deutlich unter 40% - und damit quält man GAILDORF nun 4 Jahre. Danke liebe Landesregierung BW, danke liebe Kreis-GRÜNEN.

Danke NATURSTROMSPEICHER-SENGENTHAL dafür geben wir GAILDORF gerne. Ob da kleiner und schlanker die herausragenden Projektmerkmale sind, zu der eine unabhängige PRESSE berichten kann?

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