Die Großbaustelle bekommt ein zweites Kapitel

Die Arbeiten laufen, die Prognosen sind gut, macht Geschäftsführer Alexander Schechner im Gaildorfer Gemeinderat deutlich. Doch an einem der vier Standorte wird der ursprüngliche Zeitplan nicht gehalten. Im Rathaus ist man wenig begeistert.

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Blick von einem der Aktivbecken in mehr als 40 Metern Höhe über die Limpurger Berge. Im Hintergrund sind zwei weitere Anlagen zu sehen. Schon bald kommen die Windräder auf die Becken.  Foto: 

Dass der Geschäftsführer der Naturspeicher GmbH vor dem Gaildorfer Gemeinderat spricht, ist nicht ungewöhnlich. Das Großprojekt auf der Anhöhe vor den Toren der Stadt wächst buchstäblich immer weiter in die Höhe; jeden Tag lässt sich ein bisschen besser erahnen, welche Dimensionen der Naturstromspeicher einmal annehmen wird. Somit hat Alexander Schechner eine Menge zu erzählen, als er am Mittwochabend im Kernersaal der Limpurghalle vor das Gremium tritt. „Status Naturstromspeicher Gaildorf“ ist seine digitale Präsentation überschrieben.

Doch im Verlauf der Präsentation wird klar: Es geht nicht nur um ein einfaches Update. Der „Status“ weicht nämlich an einem bestimmten Punkt erheblich von der ursprünglichen Planung ab. Die Windenergieanlage (WEA) 2, führt Schechner aus, wird zunächst ohne Passivbecken errichtet – also bleibt es dort im Gegensatz zu den anderen drei Standorten erst einmal bei einem Wind­rad. In einem bis fünf Jahren soll dann das Passivbecken hinzukommen. Ein Aktivbecken braucht es an diesem Standort wegen des Höhenunterschieds zum Unterbecken nicht (Erläuterungen: siehe Infokasten).

Der Grund für die Verzögerung: Die Technik für die Becken entwickelt sich ständig weiter. Und die Projektleitung möchte an diesem Standort den nächsten Innovationssprung mitnehmen. Das bedeutet nichts anderes, als dass es nach der geplanten Fertigstellung Ende 2018 erneut eine Baustelle im Forst geben wird.

„Zunächst natürlich überrascht“

An der Rathausspitze ist man davon alles andere als begeistert – zumal die Information über diese Verzögerung offenbar zuerst bei einer Baustellenführung für Rathausmitarbeiter transportiert und erst im Nachgang die Verwaltungsspitze – und nun der Gemeinderat – in Kenntnis gesetzt wurden. Zwar betont Bürgermeister Frank Zimmermann in der Ratssitzung, man könne täglich beobachten, dass die Baustelle „gut läuft“. Doch vom neuen Zeitplan für die WEA 2 sei man „zunächst natürlich überrascht“ gewesen. „Sehr deutlich“ habe er gegenüber Schechner angesprochen, dass für Gaildorf keine finanziellen Nachteile entstehen dürfen. Die WEA 2 ist die einzige Anlage, die sich auf städtischem Grund befindet. Zudem sei es „suboptimal“, dass die Baustelle nicht in einem Zug fertiggestellt wird. Zimmermann abschließend: „Wir nehmen das zur Kenntnis, aber Sie gleichzeitig auch beim Wort, dass das Gesamtprojekt wie geplant durchgezogen wird.“

Das, so Schechner, stehe absolut nicht zur Debatte. „Gaildorf kommt in der Energiewende mit dem Naturstromspeicher ganz nach vorne!“ Die Anlage werde eines der weltweit modernsten Kraftwerke zur Erzeugung erneuerbarer Energie. Für das Jahr 2016 habe man die Erlöse simuliert, wie sie ausgefallen wären, wäre die Anlage zu dieser Zeit schon fertig und am Netz gewesen: Sie hätten jenseits von 6,5 Millionen Euro gelegen.

Neuartiges Druckrohr

An den anderen Standorten, führt der Geschäftsführer weiter aus, geht es wie geplant voran. WEA 3 bis 5 sind vorbereitet für die Montage der Windkraftanlagen; auf Anlage 3 steht ein erster Hochbaukran. Für den Anschluss des Unterbeckens sei ein neuartiges, flexibles Druckrohr aus ­Polyethylen in der Entwicklung, das mit einem „mikroinvasiven Eingriff“ verlegt werden könne. Und die geologischen Untersuchungen am Unterbecken hätten ebenfalls zufriedenstellende Ergebnisse gebracht. Schechners Fazit: „Es läuft nach Fahrplan, es läuft wie am Schnürchen.“

Im Gaildorfer Rathaus will man derweil prüfen, ob der neue Zeitplan für die WEA 2 vertragliche Anpassungen erforderlich macht. Eine neue Baugenehmigung wird es wohl auch brauchen, da die aktuelle nur für drei Jahre gilt. „Wir haben ein Interesse daran, dass der Naturstromspeicher gut wird“, fasst Frank Zimmermann gegenüber unserer Zeitung zusammen. „Insofern ist es nachvollziehbar, dass man hier auf den nächsten Innovationsschritt wartet. Aber natürlich ist das vom zeitlichen Ablauf her ungeschickt.“

Pilotprojekt Der Gaildorfer Naturstromspeicher wird aus vier Windrädern bestehen, deren Unterbau als Wasserspeicher mit Aktiv- und Passivbecken dient. Die Aktivbecken sind dabei auch eine Sicherung gegen etwaige Wasserdruckspitzen im Leitungssystem. Sie sind mit einem Pumpspeicherkraftwerk in der Kocheraue verbunden. Als Wasserreservoir dient das Unterbecken. Die Windgeneratoren haben eine Leistung von jeweils 3,4 Megawatt, der Pumpspeicher liefert 16 Megawatt.
Die weltweit einmalige Anlage ist als Pilotprojekt konzipiert. Sie soll dazu dienen, Dellen und Spitzen im Stromnetz auszugleichen. Bei Bedarf produziert sie Strom, Überschüsse nutzt sie wiederum, um die Wasserspeicher aufzufüllen. rif/johö

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Kommentare

22.07.2017 10:39 Uhr

Kein Konzept, kein Naturstromspeicher - keine Grundstücke!

Wie will Zimmermann Nachteile für unsere Stadt vermeiden, wenn die Abweichungen zum Baurecht, die Konzeptlosigkeit und die Fehlplanungen mittlerweile in den Himmel stinken? Den Naturstromspeicher-Standort 2 der Stadt zu tauschen, zu beantragen und zu roden, obwohl dort niemals ein Naturstromspeicher geplant war, der Stadt diesen Standort zu überlassen, -was haben Zimmermann, Rebel und Schechner sich dabei gedacht?

Die Antwort ist einfach: Kein Naturstromspeicher heißt: runter von stadteigenen Grundstücken, runter von Ausgleichsgrundstücken heißt es bei Ausgleichsbetrug und Umweltbetrug sowieso. Weil BÖGL bis heute kein schlüssiges Kraftwerkskonzept-Naturstromspeicher vorgelegt hat, -die für Gaildorf kostenlose Ausgleichsflutmulde in keinem Plan zu finden ist, -hat BÖGL mit dem fragmentierten Bauantrag eindeutig auf Gaildorfer Grundstücke verzichtet. Schade das in unserer Verwaltungsspitze und befangenen Fraktionen sich da niemand interessiert hat.

Das BÖGL es in den zurückliegenden 4 Jahren nicht fertig gebracht hat, die 2014 im betrügerischen Verfahren erstellte Baugenehmigung, zu nutzen, -zeigt doch deutlich, das auch BÖGL den Naturstromspeicher schon lange aufgegeben hat. Stadt Gaildorf hockt nun auf einen Standort, der nie als Teil eines Naturstromspeichers an zu sehen war. Soll doch Herr Rebel mal sagen, wie es dazu kommen konnte. Die Pläne Standort 2 aus 2013 sind also allesamt Täuschung! Rodungen am Standort 2 sind Betrug und Täuschung! Was will Zimmermann da noch verhandeln, -solange er in der EU keinen 'Naturstromspeicher' findet, der Gaildorf eine kostenlose Ausgleichsflutmulde, samt einem seriösen und vollständigen Bauantrag zu einer Naturstromspeicher-Kraftwerksplanung liefert?

Das in unserer Stadtverwaltung jemand mit Baubetrug, Umweltbetrug, Konzeptlosigkeit und keinem Naturstromspeicher verhandelt, dazu wurde 2011 nicht abgestimmt.

Richtig ist, das der alte Bauantrag und die betrügerische Baugenehmigung von 2014 vergangen ist. Das gilt aber nicht nur für Standort 2, -das gilt für das gesamte hinterhältige Projekt. Unsere Stadtverwaltung kann sich nun auf den Weg machen, und den Naturstromspeicher EU-weit ausschreiben, -wie man es 2011 bereits hätte machen sollen und müssen! Vielleicht beteiligen sich Schechner und BÖGL ja erfolgreich an dieser Ausschreibung!

Bisher haben BÖGL und Schechner nicht gezeigt, das sie den regelkonform erstellten Naturstromspeicher wollen, -oder können!

BÖGL und Schechner runter von Gaildorfer Grundstücken, von fremden Ausgleichsgrundstücken sowieso, -und eine seriöse EU-Ausschreibung transparent auf den Tisch! Das ist die einzige regelkonforme Lösung, die nach 6-7 Jahren Konzeptlosigkeit und Naturstrom-Täuschungen bleibt.

http://GRAUSTROMSPEICHER.kochertal.net
http://NATURSTROMSPEICHER.kochertal.net

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Mit dem Pilotprojekt "Naturspeicher Gaildorf" entsteht in Gaildorf eine technologische Innovation. Der Naturspeicher verbindet Windkraft mit Wasserkraft.

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