Die „Ikone“ kommt und verliert

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Wenn der SWR ein Fernsehteam in die Kantine von Optima Consumer schickt und sich die Zuschauer anfangs fast ausschließlich um ein Brett drängeln, dann muss dort etwas Besonderes sein. Dieses „Besondere“ ist russischer Staatsbürger, Schach-Großmeister, mittlerweile 66 Jahre alt und war zehn Jahre lang (1975 bis 1985) Weltmeister: Anatoli Karpow. SK-Vorstand Michael Riedel, der selbst vor Jahren einmal bei einer Simultan-Veranstaltung gegen Karpow spielen durfte, nennt diesen eine „Ikone des Schachs“. Große Worte, doch niemand bezweifelt diese.

Nicht wenige reiben sich die Augen, dass der Mann, der sich mit Garri Kasparow legendäre WM-Schlachten – in diesem Fall ist dieses Wort durchaus angemessen – lieferte, nur wenige Meter entfernt am Brett saß. „Ich hätte mir nie träumen lassen, einmal Karpow in Schwäbisch Hall spielen zu sehen“, meinte SK-Mitglied Mario Meinel. Der Respekt vor der sportlichen Leistung ist so groß, dass Karpow beim SV Hockenheim nach wie vor an Brett 1 geführt wird, obwohl er von den ersten acht bei Hockenheim gelisteten Spieler die niedrigste ELO-Zahl (2626) besitzt, mit der aber immer noch internationale Klasse besitzt.

Li Chao wirkt beseelt

Bei Hall spielte der Chinese Li Chao (ELO 2744) an Brett 1 und damit am vergangenen Samstag gegen Karpow. Tags darauf war er von dieser Begegnung immer noch beseelt. „Es war ein ganz besonderes Erlebnis für mich. Würde ich nicht in der Bundesliga spielen, hätte ich wohl nie die Chance bekommen, gegen Karpow anzutreten. Es war sicher einer meiner glücklichsten Momente in der Bundesliga.“ Ein Blick in das Gesicht des 28-Jährigen verriet, dass dieser jedes Wort ernst meinte.

Obwohl Karpow einen kleinen Vorteil hatte, weil er mit den weißen Steinen spielte, verlor er gegen Li Chao. Da halfen auch die nach wie vor herausragenden Defensivkünste des Russen nicht. Es war ein Spiel unterschiedlicher Generationen, auch äußerlich. Während Karpow im Anzug und mit blitzenden Lederschuhen antrat, entschied sich der Chinese für eine deutlich legerere Variante: bunte Turnschuhe und Jogginghose.

Im Schatten des großen alten Mannes saß Maxim Matlakow. Er ist immerhin amtierender Europameister, doch konnte der in Haller Diensten spielende Russe völlig unbehelligt durch die Reihen schlendern. Er gewann ebenso wie Li Chao, doch das sollte gegen Hockenheim nicht reichen. „Als ich die Aufstellung des SV gesehen habe, war mir klar, dass es schwierig werden würde“, meinte SK-Mannschaftsführer Harald Barg. An den hinteren Brettern war Hall im Nachteil, „da hätte es eine Überraschung geben müssen“.

Doch Evgenij Postny, Mathias Womacka, Frank Zeller und Pavel Zpevak verloren jeweils, so dass Hockenheim letztlich mit 5:3 gewann. Für ein Kuriosum sorgte  Hockenheim: Halls Tigran Gharamian wartete auf seinen Gegner, den Inder Kirishnan Sasikiran. Der SV Hockenheim hatte diesen bei der Abfahrt vom Hotel vergessen. Zehn Minuten nach offiziellem Spielbeginn traf Sasikiran dann ein.

Am Sonntag sollte es gegen Hofheim einfacher werden - dachte man im Haller Lager. Doch Matlakow verlor völlig überraschend gegen Thore Perske, was den Russen auch einige ELO-Punkte kostete. Li Chao spielte nur Remis, auf der Stirn der SK-Verantwortlichen bildeten sich Sorgenfalten. Mit 4,5:3,5 behielt Hall gerade noch die Oberhand. „Ein Arbeitssieg“, atmete Barg erleichtert durch. „Wenn wir verloren hätten, wären wir auf einmal in der Abstiegszone gestanden.“ So rangiert der SK Hall mit 4:4 Punkten auf Platz 9 im Mittelfeld. In knapp vier Wochen genießt Schwäbisch Hall erneut Heimrecht. Dann heißen die Gegner Werder Bremen und Mülheim-Nord.

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