Der Merlot duftet nach Früchten und Kräutern

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Die meisten Besenwirtschaften haben nur an wenigen Tagen im Monat geöffnet. Wer ausgerechnet dann keine Zeit hat, der muss wochenlang auf dieses Vergnügen verzichten. Das sieht im Besen des Weingutes Borth in Bretzfeld-Adolzfurt anders aus. Familie Borth hat eine Konzession, die häufiges Öffnen der Weinstube möglich macht. Deshalb hängt üblicherweise zweimal pro Monat an bis zu sechs Tagen der Besen vor der Durchgangsstraße in Adolzfurt. Parken kann man praktischerweise direkt vor dem Haus, aber sicherheitshalber sollte man bequeme Schuhe tragen. Am Dienstag war der Besen so gut besucht, dass ein kurzer Spaziergang bis zur Eingangstüre von Nöten war. Aber das ist natürlich ein positives Zeichen und spricht für gute Produkte. 1977 eröffnete der Vater des heutigen Inhabers die Weinstube - und wurde belächelt. 1994 übernahm Michael Borth den Betrieb, der heute auf sieben Hektar Weinreben anbaut. 1997 erfolgte der Abriss und Neubau der meisten Gebäude. Und die Entwicklung geht weiter: Borth kann demnächst vier Ferienwohnungen für Urlaub auf dem Winzerhof anbieten. Dann stehen 14 Betten zur Verfügung. Wer eine mehrstündige Weinprobe machen möchte, der sollte am besten eines davon reservieren.

"Unsere Weißweine sollen durch eine schonende Gärung ihre Reintönigkeit und ihr ausgeprägtes Sortenbukett erhalten", sagt Borth. "Unsere Rotweine werden nach dem Prinzip des klassischen Maischegärverfahrens hergestellt." Dabei werden zusätzliche Tannine und Polyphenole an den Wein abgegeben, der dadurch lang und körperreich wird. Borth nennt einen weiteren Punkt: "Diese enthalten dadurch sehr viele Antocyane, die vor Herz- und Kreislauferkrankungen schützen können." Der Weinbautechniker hat den Service unter sich. Seine Frau Andrea, eine gelernte Küferin, wirkt in der Küche, die am Dienstagabend unter anderem Leber in Trollingersößle anbietet.

Die Weinprobe umfasste neun verschiedene Weine und Sekte. Das Besondere: Jeder hat einen eigenen, klar heraus zu schmeckenden Charakter. Der Weißburgunder Spätlese trocken (2012, 5,40 EUR) zeigt eine feine Säure, er ist süffig und nicht zu trocken. Beim Riesling Spätlese trocken (2012, 6 EUR) ist die Säure so gut ausbalanciert, dass eine feine Süße aufblitzen kann. Kein Wunder: Dieser Wein lag 2012 bei der Wahl zum besten Württemberger vorn. Bei den Literflaschen ist der halbtrockene, süffige Riesling (2012, 3,90 EUR) als Alltagswein zu empfehlen. Dagegen ist der "Schneckle" (2012, 5 EUR) ein Geheimtipp: halbtrocken, fruchtig, beerig.

Als kleine Abwechslung zwischendurch gibt es den Sekt Muskattrollinger Weißherbst trocken. Er sprudelt angenehm und ist nicht zu trocken. Als Wein (2013, 6 EUR) ausgebaut, ist er süffig und rund - der Jahrgang 2012 ist bereits ausgetrunken.

Bei den Rotweinen geht es mit dem Cuvee 07 trocken (8,60 EUR) weiter. Cabernet Cubin, Lemberger und Merlot werden im Holzfass ausgebaut. Die Gerbstoffe sind präsent, doch sie dominieren nicht. Der Hammer ist der Merlot (2009, 16,50 EUR). Schon der Duft nach Frucht- und Kräuteraromen überzeugt, im Abgang ist er bereits angenehm samtig. Als trockenen Abschluss gibt es noch einen Riesling brut (2012, 9,50 EUR).

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