„Hund ist schuld“, das Frauchen will fein raus bleiben

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Eine Gaildorfer Familie hat derzeit viel Ärger mit den Behörden. Grund ist ihr Schäferhund. Der Hund hat Ende August dieses Jahres einem Mädchen aus der Nachbarschaft einen riesigen Schrecken eingejagt. Er soll deswegen einen Wesenstest absolvieren. Zunächst einmal aber hat die Besitzerin des Tieres einen Bußgeldbescheid über 100 Euro bekommen. Der Grund: Die 53-jährige Hausfrau wollte ihre Personalien nicht angeben, als zwei Polizeibeamte ihr Haus aufsuchten.

Jetzt sitzt die grauhaarige Frau im kleinen Saal des Haller Amtsgerichts und wehrt sich gegen das Bußgeld. Sie selbst sagt wenig. Ihr Ehemann, der sie begleitet, sagt umso mehr. Er fällt nicht nur seiner Frau, sondern auch der Richterin ins Wort. „Es ist um meinen Hund gegangen“, eröffnet er die Diskussion. Aus seinen Worten spricht helle Empörung: „Mein Hund macht keinen Wesenstest!“

Der Vorfall, der den Stein ins Rollen brachte, ereignete sich am 29. August. Der Schäferhund tauchte plötzlich allein vor der Tür eines Nachbarhauses auf. Erschrocken lief ein 11-jähriges Mädchen in die elterliche Wohnung und schloss sich in der Toilette ein. Der Hund folgte und soll bellend an der WC-Tür gekratzt haben. Das Mädchen schrie weinend um Hilfe, seine Mutter rief die Polizei. Als die beiden Gaildorfer Polizeibeamten eintrafen, war der Hund zurück im Garten seiner Besitzer. An langer Leine, so erzählen die Beamten als Zeugen, sprang er bellend am Zaun hoch. Nach etwas Wartezeit sei die Tochter des Halter-Ehepaars nach draußen gekommen und habe den Hund in die Wohnung gebracht. Angesprochen auf den Vorfall mit dem Nachbarmädchen, soll die junge Frau geäußert haben: „Der Hund büxt halt mal aus.“

Im Haus sei daraufhin deren Mutter, die jetzt belangte 53-Jährige, die Treppe heruntergekommen. „Sie hat sofort los geschrien, was wir von ihrer Tochter wollten“, berichtet der jüngere Beamte (47) als Zeuge. Er fragte die verärgerte Frau nach ihren Personalien. Statt ihren Ausweis zu holen, habe sie auf ihren Briefkasten gezeigt: „Da steht mein Name.“ In diese angeheizte Situation platzte die empörte Mutter des Mädchens, das von dem Schäferhund zuvor in große Angst versetzt worden war. „Das wurde dann wirklich richtig laut“, erinnert sich der ältere Polizeibeamte (57). Sein Kollege und er setzten jetzt einen Schlusspunkt. Zusammen mit der als „sehr emotional“ beschriebenen Nachbarin verließen sie das Haus.

Nach der Vernehmung der beiden Polizeibeamten ist klar: Das Bußgeld ist zu Recht verhängt worden (siehe separaten Text). „Es reicht nicht aus, wenn man auf einen Briefkasten verweist“, sagt die Richterin. Vor dem Urteil fragt sie die 53-Jährige nach ihrem Einkommen. Wieder mischt sich ihr Ehemann ein: „Sie hat gar nix, ich geb’ ihr nix.“

Es bleibt bei 100 Euro. Dazu kommen Gerichtskosten. Die verurteilte Frau beginnt zu weinen. Ihr Mann aber ereifert sich weiter wegen des drohenden Wesenstests für seine Schäferhündin: „Den mach’ i net!“

§ 111 Falsche
Namensangabe

(1) Ordnungswidrig handelt, wer einer zuständigen Behörde, einem zuständigen Amtsträger oder einem zuständigen Soldaten der Bundeswehr über seinen Vor-, Familien- oder Geburtsnamen, den Ort oder Tag seiner Geburt, seinen Familienstand, seinen Beruf, seinen Wohnort, seine Wohnung oder seine Staatsangehörigkeit eine unrichtige Angabe macht oder die Angabe verweigert.
(2) Ordnungswidrig handelt auch der Täter, der fahrlässig nicht erkennt, dass die Behörde, der Amtsträger oder der Soldat zuständig ist.

(3) Die Ordnungswidrigkeit kann, wenn die Handlung nicht nach anderen Vorschriften geahndet werden kann, in den Fällen des Absatzes 1 mit einer Geldbuße bis zu eintausend Euro, in den Fällen des Absatzes 2 mit einer Geldbuße bis zu fünfhundert Euro geahndet werden.

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