Der beste Betonbauer im Land

Niklas Berroth aus Sulzbach hat beim Landeswettbewerb die besten Leistungen gebracht und holte sich den Siegertitel. Nächsten Montag vertritt er Baden-Württemberg beim Bundeswettbewerb.

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Betonbau ist Teamarbeit: Niklas Berroth füllt mit seinem Kollegen Richard Bittner den Baustoff in eine Form. Der 20-Jährige ist der beste Betonbauer zwischen Heidelberg und Konstanz. Beim Landeswettbewerb in Sigmaringen wurde der Geselle aus Sulzbach-Laufen Erster.  Foto: 

In der Halle ist es zugig. Niklas Berroth und sein Kollege Richard Bittner greifen nach der Schütte, bringen das schwere, schwankende Metallteil über dem Behälter in Stellung. Niklas dreht das Rad, die beiden Schaufeln öffnen sich und der Beton fließt in den Behälter. Richard greift nach einem Brett und fährt damit über eine Betonfläche. „Er zieht den Beton ab und glättet damit die Oberfläche,“ erklärt der Geselle.

Auf dem Tisch liegen zwei große mit Beton gefüllte Teile. „Das werden Türen für die Lagerhalle von Merz,“ erklärt Berroth. Und das Arbeitsgerät, das Holzbrett mit Griff, nennt der Fachmann Reibscheibe. Niklas Berroth aus Sulzbach ist allerdings nicht irgendein Betonbauer, er ist der Beste landesweit. Nächsten Montag stellt sich der 19-Jährige der Konkurrenz aus allen Bundesländern. Welchen Platz er dabei auch immer belegen mag: Um Mitternacht knallen die Korken. Niklas feiert am Dienstag seinen 20. Geburtstag.

In vierter Generation

Solange er denken kann, ist er auf die Arbeit auf dem Bau versessen. Als Neunjähriger hat er seinem Vater geholfen, das Fundament des Altenbergturms zu gießen. „Das war eine einmalige Angelegenheit“, erinnert sich Niklas an diesen historischen Tag. Sein Urgroßvater Wilhelm Berroth gründete das Baugeschäft 1933. Mit drei Mitarbeitern stellte er Zementrohre und Kunststeine her. 1964 stiegen dessen drei Söhne Wilhelm, Werner und Klaus ins Geschäft ein. Der Betrieb in der Eisbachstraße vis à vis von der Firma MBS wuchs. Berroths bauten eine Lagerhalle. 1979 wurde die GmbH mit Werner und Klaus Berroth als Geschäftsführer und Klaus Berroth als Gesellschafter gegründet. Vor neun Jahren übernahm Niklas’ Vater Jan die Firma. Heute beschäftigt er 20 bis 25 Mitarbeiter. Einer von ihnen ist seit dem 1. Februar Niklas.

„Ich habe bei der Firma Hans Ebert in Pommertsweiler gelernt. Es ist immer besser, noch einen anderen Betrieb kennenzulernen“, erklärt Niklas. In der Berufsschule fiel er nicht allein wegen seiner 1,98 Meter Körpergröße auf. Er hat seine Ausbildung mit einer 1,3 abgeschlossen und war unter den drei Besten der 360 Schulabsolventen. Sein Gesellenstück war eine auf einer Konsole liegende konische Säule. Sechs­einhalb Stunden hatte er Zeit, die Schaltung vorzubereiten, die gehobelten Holzbretter  zurechtzuschneiden, sie fest mit Laschen zu verbinden, die Dreikantleisten anzubringen, die Aussparungen  auszusägen und anzuheften. „Das war ein ziemlicher Aufwand. Da muss man millimetergenau arbeiten.“ Präszision ist beim Betonbau gefragt. „Wenn da einer schlampig schafft, muss der Gipser nacharbeiten. Das kostet Zeit und Geld.“

Niklas hat einige Hobbys. Er spielt seit elf, zwölf Jahren Posaune. Ein Muss in einer musikalischen Familie wie den Berroths. Jeder spielt ein Instrument: der Vater Trompete, die Mutter Flügelhorn, der ältere Bruder Tenorhorn und die beiden jüngeren Schwestern Schlagzeug und Saxophon. Niklas hat in der Garage auch eine 800er Kawasaki stehen, und er geht zum Kickboxen zum TSV Bühlerzell. Kraft und Kondition braucht er für seine Arbeit auf dem Bau.

Er will den Meister machen

Einen Bürojob wie ihn sein Bruder hat – er studiert das Fach Wirtschaftsingenieur – wäre für den 19-Jährigen „überhaupt nichts“. Betonbauer ist sein Traumberuf, „schon immer.“ Zwischendrin wollte er mal Baggerfahrer werden, „das kann ich heute auch machen“. Er mag an seinem Beruf die Abwechslung. „Letzte Woche haben wir beim Merz in Gaildorf geschafft, dann haben wir ein Sechs-Familienhaus in Ellwangen fertiggestellt, die Woche sind wir mal in der Halle. Das gefällt mir.“

Für den Bundeswettbewerb bereitet er sich mit kniffligen Übungen vor. „Ich baue mir gerade ein Bett aus Beton“, erzählt der Landessieger. Vor der Halle steht eine Betonbank. 2000 Euro habe man der Familie schon dafür geboten. Doch das Stück ist unverkäuflich. Beim Landeswettbewerb hatten die Betonbauer den Auftrag, eine betonierfertige Schalung für eine Widerlagerauskragung einer Stahlbetonbrücke aus Sichtbeton herzustellen. Bewertet wurden die Maßgenauigkeit, die handwerkliche Ausführung und die genaue Umsetzung der Einzelvorgaben. War er beim Wettbewerb nervös? „Scho, a bissle,“ meint Niklas lächelnd. Er ist gespannt, was für ein  Auftrag ihn am Montag in Sigmaringen erwartet. Er sieht dem Wettbewerb gelassen entgegen: „Ich habe nichts zu verlieren.“ Dennoch hat der 19-Jährige ein Ziel: Er will 2019 seinen Meister machen.

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