Demenz: Therapeuten auf vier Pfoten

Tiere tun dem Menschen gut. Sie helfen gegen Einsamkeit, sind treu, geben keine Widerworte – und können helfen, seelische Wunden zu heilen. Hunde wie Kira und Paddy zum Beispiel.

|
Vorherige Inhalte
  • In der »Behüteten Station« in der Seniorenheimat Schuppert in Gschwend leben zurzeit 15 demenzkranke Menschen. Drei Mal in der Woche geht für sie die Sonne auf, wenn Paddy mit Frauchen Gabi Newman zu Besuch kommt. Der Labrador-Huskie-Mischlingshund hat ein feines Gespür für Stimmungslagen und ist der geborene Tröster. Und dann gibt es noch Kira. Die dreijährige Labradorhündin ist ein ausgebildeter Therapiehund. Sie bringt den Senioren ihre Lebensfreude zurück. Kira verausgabt sich bei den alten Leuten und ist - wie Frauchen - nach getaner Arbeit schlapp. Beide haben dann ihren Feierabend wohl verdient. 1/7
    In der »Behüteten Station« in der Seniorenheimat Schuppert in Gschwend leben zurzeit 15 demenzkranke Menschen. Drei Mal in der Woche geht für sie die Sonne auf, wenn Paddy mit Frauchen Gabi Newman zu Besuch kommt. Der Labrador-Huskie-Mischlingshund hat ein feines Gespür für Stimmungslagen und ist der geborene Tröster. Und dann gibt es noch Kira. Die dreijährige Labradorhündin ist ein ausgebildeter Therapiehund. Sie bringt den Senioren ihre Lebensfreude zurück. Kira verausgabt sich bei den alten Leuten und ist - wie Frauchen - nach getaner Arbeit schlapp. Beide haben dann ihren Feierabend wohl verdient. Foto: 
  • Kira, der Therapiehund Nr. 222, ist ein Exemplar zum Knuddeln. 2/7
    Kira, der Therapiehund Nr. 222, ist ein Exemplar zum Knuddeln. Foto: 
  • Jutta Ulrich (rechts) mit Hund Kira kommt, strahlt die Seniorin und erzählt Geschichten aus ihrem Leben. 3/7
    Jutta Ulrich (rechts) mit Hund Kira kommt, strahlt die Seniorin und erzählt Geschichten aus ihrem Leben. Foto: 
  • 4/7
    Foto: 
  • Gabi Newman (rechts) mit Paddy. Mit seinem weichen Fell und seinem gutmütigen Wesen ist er der Liebling der Station. 5/7
    Gabi Newman (rechts) mit Paddy. Mit seinem weichen Fell und seinem gutmütigen Wesen ist er der Liebling der Station. Foto: 
  • Jutta Ulrich hat als Halterin eines Therapiehundes eine praktische und eine theoretische Prüfung abgelegt. 6/7
    Jutta Ulrich hat als Halterin eines Therapiehundes eine praktische und eine theoretische Prüfung abgelegt. Foto: 
  • Gabi Newman mit ihrem Hund Paddy, sie arbeitet mit ihrem Labrador-Huskie-Mischling mit demenzkranken Senioren im Altenheim in Gschwend. 7/7
    Gabi Newman mit ihrem Hund Paddy, sie arbeitet mit ihrem Labrador-Huskie-Mischling mit demenzkranken Senioren im Altenheim in Gschwend. Foto: 
Nächste Inhalte

Viele Alte erkennen Jutta Ulrich nicht auf Anhieb, so ohne weiße Schürze. Heute ist sie in Kiras Begleitung. Die dreijährige Hündin zieht Blicke auf sich. Sie schaut sich um, nimmt mit dem Mann im Rollstuhl Blickkontakt auf, trottet zu ihm hin, stupst mit dem Kopf gegen seine Hand. Der Senior lächelt und krault dem Labrador das Fell. Er trägt ein rotes Tuch mit der Aufschrift „Therapiehund Kira“. Die Hundemarke identifiziert ihn als „Therapiehund Nr. 222“.

Das Wesen des Hundes sei ausschlaggebend, nicht die Rasse

Sein Frauchen, Jutta Ulrich, arbeitet in der Küche des Altenheims in Gschwend. Sie kam, nachdem ihre Kinder aus dem Haus waren, auf den Hund. Ein Labrador soll’s sein, fand ihr Mann. Kira zog als Welpe bei Ulrichs in Kaisersbach-Cronhütte ein. Jutta Ulrich absolvierte bei der Interessengemeinschaft Therapiehunde mit Kira nach der erfolgreich abgelegten schriftlichen und theoretischen Prüfung die Ausbildung zum Therapeuten. Die Voraussetzungen bei dem Vierbeiner sind anziehende Eigenschaften wie Freundlichkeit, Nervenstärke, Gehorsam, Belastbarkeit. „Die Beziehung zwischen Hund und Herrchen muss passen“, sagt Jutta Ulrich. Vor der Ausbildung wird der Hund einem Eignungstest unterzogen. Das Wesen des Hundes sei ausschlaggebend, nicht die Rasse. Ein Hundebesitzer mit therapeutischen Ambitionen sollte unbedingt Freude im Umgang mit Mensch und Tier haben und bereit sein, sich ehrenamtlich einzusetzen. Kiras Frauchen hat es zweifelsohne. Sie freut sich über „ihre“ Alten, die lächelnd dasitzen, Kira kraulen und die freudige Atmosphäre in ihrem Aufenthaltsraum genießen. An diesem trüben Mittwochvormittag ist Kira in der Seniorenheimat Schuppert nicht allein.

Paddy schmust gerne

Gabi Newman – sie arbeitet in der „Behüteten Station“, der für Demenzkranke in dem Altenheim – hat Paddy mitgebracht. Von seinem Huskie-Elternteil hat er das Fell geerbt, in das sich auch an diesem Vormittag viele Hände vergraben. „Die Wirkung von Paddy ist phänomenal“, sagt Gabi Newman. Behutsam greift sie die zur Faust verkrampfte Hand einer Seniorin. Bei der Berührung in Paddys Fell lösen sich langsam ihre Finger, ihr Körper entspannt sich sichtbar. Drei Mal wöchentlich besucht Gabi Newman die Demenzkranken. Denen scheint der Hund wichtiger als die Pflegerin zu sein. „Demenzkranke“, erklärt sie, „sind empfindsam. Wie Kinder spüren sie die Befindlichkeit von uns Erwachsenen – und Paddy ist ein Schmuser.“ Und einfühlsam obendrein. So hat Gabi Newman beobachtet, wie sich Paddy so lange an einen traurig wirkenden Menschen angeschmiegt hat, bis er ihn krault, sich ablenken lässt. Allerdings gibt es auch Tage, an denen Paddy eine Auszeit nimmt und sich weigert, Frauchen nach Gschwend zu begleiten. Natürlich darf er dann zu Hause bleiben – ohne gelben Schein. Auch Kira braucht ihren Feierabend. „Nach vier Stunden ist sie platt“, sagt Jutta Ulrich. Gestreichelt werden und nett sein kann emotionaler Stress bedeuten und ist damit eine echt harte Arbeit.
 

Tiergestützte Therapien

Therapie Tiergestützte Therapieverfahren sind alternativmedizinische Behandlungsmethoden zur Heilung oder Linderung der Symptome bei psychiatrischen und neurologischen Erkrankungen und Behinderungen, bei denen Tiere eingesetzt werden. Je nach Tierart wird tiergestützte Therapie in verschiedenen Einsatzgebieten praktiziert. Es gibt Angebote mit Delfinen, Hunden, Katzen, Pferden und Lamas.

Hippotherapie Speziell ausgebildete Pferde werden zur Physiotherapie eingesetzt, im Haller Sonnenhof beispielsweise.

Hundgestützte Therapie Die hundgestützte Therapie wird von ausgebildeten Fachkräften aus den Bereichen Therapie, Pädagogik, Soziales oder Medizin mit einer Fortbildung zum tiergestützten Therapeuten angewandt. In Bereichen, in denen keine oder nur minimale Verbalkommunikation etwa bei Sprachstörungen möglich ist, gilt die hundgestützte Psychodiagnostik bei ihren Anwendern als besonders effektiv.

Delfintherapie Die Delfintherapie ist eine umstrittene Therapieform ohne wissenschaftlichen Wirksamkeitsnachweis. Sie soll besonders Kindern mit mentalen, körperlichen, vor allem aber mit seelischen Behinderungen helfen.

Lamatherapie Die Lamatherapie kann bei Menschen mit einer Behinderung, bei denen eine psychische Erkrankung vorliegt, Anwendung finden, ebenso bei Suchtkranken, bei einer Traumatisierung oder einer Verhaltensauffälligkeit.

Ob die Krankenkasse eine tiergestützte Therapie unterstützt, ist jeweils im Einzelfall abzuklären.

 

Abonnieren Sie das kostenlose Morning-Briefing aus der Chefredaktion
Damit starten Sie top informiert in den Tag. Außerdem im Newsletter: Die Wettervorhersage und die aktuelle Verkehrslage in der Region.
» zur Registrierung

Noch kein Kommentar

Schreiben Sie Ihren eigenen Kommentar

noch 3000 Zeichen
Mit Ihrem Kommentar akzeptieren Sie unsere Netiquette

Für registrierte Nutzer

Melden Sie sich an und schicken Sie Ihren Kommentar ab:

Für noch nicht registrierte Nutzer

Registrieren Sie sich kostenlos, um Ihren Kommentar abzuschicken:

Ich bin damit einverstanden, dass die Neue Pressegesellschaft mbH & Co. KG und ihre Tochterunternehmen mich schriftlich (per E-Mail oder Brief) oder telefonisch über ihre Medienangebote und kostenlose Veranstaltungen informieren dürfen. Meine Daten dürfen zu diesem Zweck gemäß den Bestimmungen des BDSG gespeichert, verarbeitet und genutzt werden. Die Einwilligung kann ich jederzeit widerrufen.
Ich bin mit den Datenschutzbestimmungen einverstanden. *

Bitte beantworten Sie noch die folgende Sicherheitsfrage:

neu laden
Content Management by InterRed GmbH Logo
weiter zur Startseite

Der Auftrag lautet Nächstenliebe

Ein nicht ganz rundes, dafür aber beziehungsreiches Jubiläum: Am 49. Breitengrad wird der 49. Geburtstag des Graf-Pückler-Heims gefeiert. weiter lesen