Das Stadtmalerjahr 2017 bleibt ohne Ergebnisse

Keine Abschlussausstellung: Eine Schwangerschaft hat Susann Dietrichs Pläne durchkreuzt. In Gaildorf wird kritisiert, die Stadtmalerin kommuniziere nicht genügend.

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  • Die Klingel zur Stadtmalerwohnung am Alten Schloss findet sich derzeit an einem Gitter am Torturm.  1/2
    Die Klingel zur Stadtmalerwohnung am Alten Schloss findet sich derzeit an einem Gitter am Torturm.  Foto: 
  • Im Februar hat sich Susann Dietrich, 17. Gaildorfer Stadtmalerin, in Gaildorf vorgestellt. Das Bild zeigt sie mit Bürgermeister Frank Zimmermann, Kulturamtsleiter Raimund Horbas, Gemeinderat Martin Zecha  und Stadtmaler-Betreuer Rolf Deininger (von links). 2/2
    Im Februar hat sich Susann Dietrich, 17. Gaildorfer Stadtmalerin, in Gaildorf vorgestellt. Das Bild zeigt sie mit Bürgermeister Frank Zimmermann, Kulturamtsleiter Raimund Horbas, Gemeinderat Martin Zecha  und Stadtmaler-Betreuer Rolf Deininger (von links). Foto: 
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Ich habe euch nicht vergessen, schreibt Susann Dietrich. Allerdings haben sich im Leben der amtierenden 17. Gaildorfer Stadtmalerin einige Koordinaten verschoben. Sie erwartet ein Kind, und das, antwortet sie per E-Mail auf eine Anfrage der RUNDSCHAU, habe all ihre Pläne durchkreuzt.

Die dürften ohnehin kompliziert gewesen sein, da Dietrich nicht nur als Künstlerin, sondern auch als Lehrbeauftragte viel unterwegs ist. In dieses logistische Geflecht hätte nun auch Gaildorf einbezogen werden müssen. Stattdessen aber „hat der Storch unerwarteter Weise mich in seine Logistik einbezogen“. Hinzu kämen schwangerschaftsbedingte Probleme: Bereits seit einigen Monaten sei ihr künstlerisches Arbeiten deshalb  beeinträchtigt.

In Gaildorf ist man dennoch mittlerweile etwas ungehalten. Susann Dietrich, heißt es, kommuniziere nicht oder nicht ausreichend mit ihren Ansprechpartnern in der Stadt. Dass E-Mails unbeantwortet blieben, bestreitet die Stadtmalerin allerdings: „Ich antworte auf E-Mails, wenn ich denn eine bekomme.“ Denkbar sei aber, schreibt sie, dass eine falsche Adressenendung verwendet wurde.

Keine inhaltlichen Vorgaben

Raimund Horbas, Leiter des Gaildorfer Kultur-, Ordnungs- und Standesamtes, erklärt, Dietrich habe ihm zwar mitgeteilt, dass sie schwanger sei, und betont, dass sie auf jeden Fall am Ferienprogramm teilnehmen wolle. Seitdem aber herrsche Funkstille. Dass zwischenzeitlich schwangerschaftsbedingte Probleme aufgetreten seien, habe sie ihm nicht mehr mitgeteilt. Horbas hätte das für angebracht gehalten. Er will nun die monatlichen Zuwendungen einstellen.

Eigentlich ist eine solche Maßnahme nicht gerechtfertigt. Die Gaildorfer Stadtmaler genießen maximale Freiheit, es herrscht keine Residenzpflicht und es gibt auch sonst keine inhaltlichen Vorgaben. Gleichwohl gibt es Erwartungen: Man erhofft sich eine künstlerische Auseinandersetzung mit der Stadt und ihren Bewohnern und eine Abschlussausstellung, in der diese Auseinandersetzung sichtbar wird.

Diese Erwartungen können nach Lage der Dinge im Stadtmalerjahr 2017 nicht erfüllt werden. Aber auch eine Abschlussausstellung in der Galerie im Alten Schloss wird es nicht geben. Am dafür angestammten Termin wird das Kind voraussichtlich bereits auf der Welt sein. Deshalb will sich Susann Dietrich für die Zeit danach auch nicht verbindlich festlegen. In Gaildorf wird man das Stadtmalerjahr 2017 also als ergebnislos abhaken müssen.

Die Option einer Ausstellung von Susann Dietrich ist damit allerdings nicht vom Tisch. Freie Termine gibt es aber erst wieder im Jahr 2020; bis dahin ist die Galerie ausgebucht. Dietrich würde dann auch gerne in Gaildorf ausstellen: „Es konnte ja niemand ahnen, wie das Jahr verläuft.“

 Bleibt die Frage, was die IG Kunst Ende November anstelle der Stadtmalerausstellung in der Galerie im Alten Schloss zeigt. Es gebe den Vorschlag einer Retro­spektive über die bisherigen Stadtmaler, sagt Horbas. Seitens der IG Kunst gibt es freilich auch Bedenken, ob eine solche Ausstellung bis Ende November überhaupt organisiert werden kann.

Bildhauer gesucht

Offen bleibt vorerst auch, wer im Jahr 2018 die Stadtmalerwohnung und das Atelier im Alten Schloss beziehen wird. Das nächste Stipendium solle an einen Bildhauer gehen und sei bewusst nicht ausgeschrieben worden, sagt Horbas. Man habe sich über bisherige Stadtmalerinnen und Stadtmaler eine Auswahl von Adressen besorgt und bereits Kontakte geknüpft, kommende Ausschreibungen sollen dann inhaltlich um diese künstlerische Form erweitert werden.

Eine Notwendigkeit, Ausschreibung und Definition des Stipendiums zu konkretisieren, sieht Horbas nicht. Es habe in diesem Jahr halt nicht so geklappt, wie man es sich vorgestellt habe, sagt er. Die künstlerische Freiheit, die das Stipendium garantiert, wolle man deshalb aber nicht zur Disposition stellen. „Wir sind immer gut damit gefahren.“

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