Das Interesse der USA am Naturstromspeicher wächst

Der künftige US-Präsident Donald Trump hält nicht viel von solchen Konzepten, doch die Fachpresse ist vom Gaildorfer Pilotprojekt begeistert.

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  • Blick von einer Drohne auf eine der vier Windkraft-Baustellen, auf denen jeweils ein großer Turm entsteht. 1/2
    Blick von einer Drohne auf eine der vier Windkraft-Baustellen, auf denen jeweils ein großer Turm entsteht. Foto: 
  • Projektentwickler und Naturspeicher-Geschäftsführer Alexander Schechner Foto: kmo 2/2
    Projektentwickler und Naturspeicher-Geschäftsführer Alexander Schechner Foto: kmo Foto: 
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In den USA ist die Fachwelt begeistert von dem, was sich derzeit im Rahmen der Energiewende in Gaildorf entwickelt. „Clean Technica“, das international führende Online-Magazin für erneuerbare Energien, das über den Naturstromspeicher und die vereinbarte Zusammenarbeit mit General Electric (GE) und der Max Bögl Wind AG berichtet, ist angetan von der  „weltweit ersten Windenergieanlage mit integriertem Pumpspeicher“, der ersten ihrer Art überhaupt.

Alexander Schechner, Projektentwickler und Geschäftsführer der Naturspeicher GmbH, hatte unlängst im Gemeinderat auf das positive internationale Echo hingewiesen. Und nicht ohne Stolz festgestellt, dass die Aufmerksamkeit, die dem Projekt seit geraumer Zeit widerfährt, Ansporn sei, um das im Bau befindliche Kraftwerk wie angekündigt zu einem weiteren „Aushängeschild“ für die Stadt Gaildorf zu machen. Schechner: „Ich darf Ihnen versichern, das Ergebnis wird ein herausragendes sein!“

Davon ist man auch und gerade in den USA überzeugt. Auch wenn dort in diesen Tagen befürchtet wird, mit Amtsantritt des designierten Präsidenten Donald Trump könnten die unter Barack Obama forcierten Bemühungen, verstärkt regenerative Energiequellen zu nutzen, einen herben Rückschlag erleiden. Trump hatte bekanntlich angekündigt, im Falle seiner Wahl die US-Umweltschutzbehörde EPA auflösen zu wollen. Er wird dies nach Lage der Dinge zwar nicht tun. Aber mit der Berufung des  Juristen Scott Pruitt zum neuen EPA-Direktor dürften eher die Öl- und Gasindustrie jubeln als die Pro­tagonisten des alternativen Szenarios. Pruitt nämlich zweifelt an dem Phänomen des Klimawandels (wir haben berichtet).

Und doch: „Trump oder nicht Trump: Der weitweite Zug der sauberen Energie hat den Bahnhof bereits verlassen“, schreibt „Clean Technica“ voller Pathos. Diese Metapher wird wenige Tage später von EPA-Direktorin Gina McCarthy – die am 20. Januar mit dem Ende der Ära Obama ihren Stuhl räumen muss – vor dem Nationalen Presse-Club der Vereinigten Staaten zitiert. Konkret: Der genannte Zug ist nicht mehr aufzuhalten. Davon gehen auch die Verfechter der Energiewende in den USA aus, die sehr aufmerksam Tina Caseys „Clean Technica“-Reportage über die „Gaildorf Wind Farm“ mit ihren vier riesigen Windkrafttürmen studierten.

Ebenso die Fachpresse in Deutschland wie zum Beispiel die in Hannover erscheinende „Technology Review“, das „Magazin für Innovation“: In Süddeutschland, schreibt Autor Daniel Hautmann in seinem Beitrag „Die Wasserbatterie“, gingen „Windkraft und Pumpspeicher eine zukunfts­trächtige Symbiose ein“. Und die Online-Plattform „Ingenieur.de“ der VDI-Nachrichten, herausgegeben vom Verein Deutscher Ingenieure, zollt den Pionieren und der Stadt Respekt: „Die baden-württembergische Kleinstadt Gaildorf bei Stuttgart traut sich was!“

Anne McEntee, Präsidentin des Bereichs „Onshore Wind“ von General Electric, meint: „Wir freuen uns sehr über die Zusammenarbeit mit Bögl in diesem Pilotprojekt – eine Premiere für die Windindustrie. Wir wollen innovative Technologien im Bereich der erneuerbaren Energien erforschen, die das Potenzial haben, die Netzflexibilität in Europa und auf der
ganzen Welt zu verbessern.“

Sebastien Duchamp, Pressesprecher General Electric: „Das Projekt in Gaildorf ist ein entscheidender Schritt hin zu einem Ausgleich der Schwankungen zwischen Stromangebot und -nachfrage durch die Nutzung erneuerbarer Energiequellen. Das kombinierte Wind- und Wasserkraftwerk wird eine Regelleistung für eine schnelle Stabilisierung des Netzes zur Verfügung stellen und dabei die Stromkosten (. . .) niedrig halten.“

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Kommentare

16.12.2016 10:37 Uhr

Jubelpresse?

Die Frage nach der Wirtschaftlichkeit dieser Anlage ist hochinteressant und dürfte durchaus auch einmal seitens der Rundschau thematisiert werden. Das allerdings würde eine unabhängige Recherche voraussetzen und wäre sicher etwas aufwändiger als das bloße Wiederholen der Werbeversprechen der Projektplaner und der Baufirma.
Wenn man für den Bau der 4 Windräder (ohne Berücksichtigung der Zusatzkosten durch die breiten Turmfüße) ca. 25 Millionen ansetzt, dürfte man größenordnungsmäßig richtig liegen.
Dann bleiben ungefähr 50 Millionen Kosten für den Bau des Pumpspeichers.
Wenn man diese Kosten, bezogen auf die gleiche Speicherkapazität oder Leistung vergleicht mit sämtlichen anderen derzeit (noch) geplanten Pumpspeichern in Deutschland, stellt man fest, dass die Kosten hier mindestens zwei- bis 3 fach höher sind. Und schon die anderen Projekte werden reihenweise auf Eis gelegt, weil sie sich wirtschaftlich in keiner Weise rechnen würden (zum Beispiel der Pumpspeicher der SWU bei Ulm).
Bei aller Begeisterung für potentiell neue Technik sollte wohl auch die Wirtschaftlichkeit einer Anlage mit in die Betrachtung einbezogen werden.
Hier sind massive Zweifel angebracht.
Dies ist natürlich vor allem ein Thema für die Investoren.
Jeder Bürger und jede Kommune sollte sich aber mehr als nur genau überlegen, ob es sinnvoll ist, ggf. in ein solch wirtschaftlich hochriskantes Projekt einzusteigen.
Die mehr als 7 Millionen Bundeszuschuß, also Geld der Bürgerinnen und Bürger, jedenfalls sind schon ausgegeben.
Fragen der Ökologie und des Naturschutzes sind hier noch gar nicht angesprochen. Nicht jeder ist begeistert, dass hier Windräder mit eine Weltrekordhöhe in den Wald gestellt werden.

Sind Pumpspeicher wirtschaftlich sinnvoll? Nicht wirklich.

Zum Nachlesen:

http://psw-blautal.de/uploads/tx_z7teasereffekt/pm-psw_blautal_projektaufgabe_01.pdf

http://www.tageswoche.ch/de/2016_33/schweiz/726945/

http://www.thueringer-allgemeine.de/web/zgt/wirtschaft/detail/-/specific/Pumpspeicher-lohnen-sich-nicht-Investoren-der-Anlage-Schmalwasser-warten-ab-1140896047

Man darf auf die weitere Entwicklung sehr gespannt sein.

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10.12.2016 15:10 Uhr

Das Interesse der USA am Naturstromspeicher wächst

Was ist mit dem Interesse am Naturstromspeicher in Gaildorf? Haben RUNDSCHAU, Stadtverwaltung Gaildorf und Bürgerenergiegenossenschaft Naturstromspeicher e.G. ihr Interesse am Naturstromspeicher aufgegeben, oder wo sind die vielen Vorteile für Gaildorf heute zu finden?

Kann KMO und RUNDSCHAU uns dazu mal etwas berichten? Möglichst etwas mit 'Hand und Fuß', etwas das der RUNDSCHAU-Redaktion nicht von BÖGL & Schechner 'vorgegebögelt' wurde. Wenn RUNDSCHAU nicht weiterweiß, vielleicht kann eine kleine Anfrage bei Herr Rebel Licht in die Angelegenheit bringen?

Kann RUNDSCHAU uns wenigstens bald etwas von den vorteilhaften, fundierten Voruntersuchungen berichten, die vormals von allen Seiten(auch von RUNDSCHAU und KMO!) angeführt wurden? Wenigstens da muss doch etwas zu finden sein?

Oder bedauert KMO das Kraftwerkdesaster bereits ein wenig, dem er mit seinen distanzlosen und projektlastigen Berichten seit 2011 zum großen und vielfachen Nachteil von Gaildorf und Umwelt den Weg 'bahnt'?

Wo ist der Naturstromspeicher? (günstiger Naturstrom? Ökologie? Umwelt? Vorteile für unsere Kinder?)
Wo sind die relevanten Voruntersuchungen, die von allen Seiten genannt wurden?
Wo ist die naturnahe Ausgleichsflutmulde? (kostenloser, fremder Ausgleich)
Wo ist der eigene, lokale Ausgleich für den Graustrom-Pumpspeicher?
Wo sind die realen Beteiligungsmöglichkeit in Gaildorf für 500,-EUR?
Wo sind die millionenfachen Vorteile für Gaildorf?
Was liefert der Graustromspeicher an die Stromkunden, Umwelt und Steuerzahler?
Wie weit sind wir mit dem transparenten Baurechtsverfahren, dem sich sonst jede Gaube und jedes Carport in Gaildorf stellen muss?

...
http://GRAUSTROMSPEICHER.kochertal.net
http://NATURSPEICHER.kochertal.net/
http://NATURWAERMESPEICHER.kochertal.net
http://NATURVERSORGUNG.kochertal.net
http://NATURSTROMSPEICHER.kochertal.net

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