Das Grauen des Krieges

Schwer verwundet und verstümmelt waren die 61 Soldaten, die morgen auf den Tag genau vor 100 Jahren zur Behandlung nach Gaildorf gebracht wurden. Das kleine Krankenhaus war Lazarett geworden.

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  • Diese Feldpostkarte (Ausschnitt) zeigt einen verwundeten Soldaten. Das Dokument ist in der Ausstellung zum Ersten Weltkrieg im Horlacher Museum zu sehen. 1/2
    Diese Feldpostkarte (Ausschnitt) zeigt einen verwundeten Soldaten. Das Dokument ist in der Ausstellung zum Ersten Weltkrieg im Horlacher Museum zu sehen.
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Das Gemetzel, das später als Erster Weltkrieg in die Geschichte eingehen sollte, machte vor nichts und niemandem Halt. Bereits wenige Wochen nach Kriegsbeginn im Sommer 1914 trauerte Gaildorf um die ersten Gefallenen. Ein erstes Bild vom Grauen auf den "Schlachtfeldern" konnten sich die Einwohner der kleinen Oberamtsstadt am 7. September 1914 machen: Ein langer, aus 48 Waggons bestehender Sanitätszug, von zwei Lokomotiven gezogen, fuhr kurz vor 17 Uhr auf dem Westbahnhof ein. Insgesamt 61 zum Teil schwer Verwundete wurden ausgeladen und von Rotkreuzhelfern in Empfang genommen. 37 Soldaten kamen gleich ins Bezirkskrankenhaus. Die damals für 38 Patienten ausgelegte Einrichtung war zuvor offiziell als "Vereinslazarett" ausgewiesen worden. 24 weitere Verletzte konnten auf Privatquartiere verteilt werden. Gaildorfer Bürger hatten insgesamt 92 Betten zur Verfügung gestellt.

Vor dem kleinen, erst fünf Jahre zuvor eröffneten Krankenhaus wehte fortan das "Genfer Konventionszeichen", wie damals der "Kocherbote" berichtete, die Rotkreuz-Flagge. Versorgt wurden die "verwundeten Vaterlandsverteidiger" von drei Haller Diakonissen und Chefarzt Dr. Reinhold Stierlin, der es - so ist es überliefert - als "Ehrensache" angesehen habe, die Verwundeten kostenlos zu behandeln.

Über die Zahl der Soldaten, die während des Krieges in Gaildorf behandelt wurden, gibt es keine verlässlichen Erhebungen. Fest steht: Nicht alle, die sich im Zentrum des Limpurger Landes Genesung erhofften, kehrten nach Hause zurück. Bereits wenige Tage nach Ankunft des ersten Verwundeten-Kontingents erlag ein 30-jähriger "Landwehrmann" aus Baden seinen schweren Verletzungen.

Gelegentlich ließ sich im Gaildorfer Lazarett auch Prominenz sehen. So ist in der Gaildorfer Chronik unter dem Datum 27. April 1916 der Besuch Königin Charlottes von Württemberg vermerkt. Sie habe die Verwundeten beschenkt und sei nach kurzem Aufenthalt mit dem Auto wieder in die Residenz zurückgefahren, berichtet Hans König in der 2009 zum 100-jährigen Krankenhaus-Jubiläum veröffentlichten RUNDSCHAU-Dokumentation.

Auch während des Zweiten Weltkriegs diente die Klinik vorübergehend als Lazarett. Ferner wurden in einer 1943 gebauten Holzbaracke auf dem Krankenhausgelände russische Kriegsgefangene behandelt.

Info Über die teilweise Umwandlung des Gaildorfer Krankenhauses zum Lazarett geht es auch in dem Beitrag von Stadtarchivarin Dr. Heike Krause auf Seite 11.

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