Das Ensemble "The Great Charm" beeindruckt in Murrhardt

Mit einem Konzert für Sopran und zwei Blockflöten, und damit mit einer nicht alltäglichen Besetzung, ging die diesjährige Reihe der "Sommerlichen Nachtkonzerte" in der Murrhardter Walterichskapelle zu Ende.

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Das niederländische Ensemble "The Great Charm" mit Baldrick Deerenberg (Bassblockflöte), Gudrun Herb (Diskantblockflöte) und Sopranistin Christel Gelderman.

Das Ensemble "The Great Charm" aus den Niederlanden spielte, sang und rezitierte Werke vom Spätmittelalter bis zur Moderne. Im Zentrum des Konzerts standen ein spätbarockes und ein modernes Werk für barocke Altblockflöten: Georg Philipp Telemanns vierte "Kanonische Sonate" und Jacques Banks "The Memoirs of a Cyclist" von 1966.

Jeder der drei Sätze von Telemanns Sonate ist dabei im Kanon gehalten, was die Musik deswegen aber keineswegs streng wirken lassen muss. Gudrun Herb sowie Baldrik Deerenberg eröffneten das Werk vielmehr als Musik im Fluss. Die Figurationen wirkten sprudelnd, besonders durch die schön herausgestellten Nachahmungseffekte.

Die rhythmische Komponente wurde stärker betont

Der langsame, recht sanft kantabel intonierte Satz erschien wie die Imitation von Vogelgesang. Das beschließende "Allegro assai" war "schnell genug" zu hören, wie es Deerenberg in seiner Moderation unterstrichen hatte. Die rhythmische Komponente wurde stärker betont, auch das Ineinandergreifen der Stimmen.

"Eigentlich auch ein Kanon, aber völlig anders", kommentierte Deerenberg dann vorab die "Memoirs of a Cyclist": und zwar in Bezug auf die Kombination eines Zeitungstextes aus der belgischen Zeitung "Het laatste Nieuws", auf Deutsch von Gudrun Herb gelesen, und aus der englischen Wochenzeitung "The People". Deerenberg trug dabei die Kommentare des gescheiterten irischen Tour-de-France-Teilnehmers Seamus Elliot wunderbar pathetisch vor und entsprach damit Banks Idee einer satirischen Auseinandersetzung mit den Missständen beim Radsport in wunderbarer Weise.

Was nicht durchs Wort herausgearbeitet werden konnte, wurde durch das Flötenspiel betont: scharfe Pfiffe, schnelle, aufgekratzte und stark erregte Tonwiederholungen, die durchaus in Triller übergehen konnten, sowie bisweilen schön umgesetzte Glissandi.

Gegenüber diesen beiden Werken mussten die sie einrahmenden Songs von dem Renaissancekomponisten John Dowland - immer in Kombination mit Flötenwerken über dieselbe Melodie von Komponisten aus einer Generation nach Dowland - etwas harmlos erscheinen. Allerdings wurde dies von Sängerin Christel Gelderman durch ausdrucksvollen Vortrag wettgemacht.

Ein wenig tändelnd wirkte dabei "Can she excuse my wrongs", dem Jacob van Eycks tänzerisch variierendes Flötenstück für Diskant- und Tenorblockflöte "Excusemoy" vorausging. "Flow my tears" wurde, begleitet von Diskant- und Bassblockflöte, zart empfunden seufzend gesungen. Ausdrucksstark ließ Gudrun Herb auf der Diskantblockflöte die Umspielungen von Johann Schop folgen. Zum Kontrast geriet dann Dowlands leicht tänzerisch und heiter wiedergegebene "Now, o now I needs must part", gefolgt von Eyckschen ausgelassen gespielten Figurationen.

Am Ende standen drei geistliche Lieder von Michael Praetorius, bei denen ebenfalls tänzerische Momente herausstachen. Sie bildeten das Pendant zum Beginn des Konzerts mit Werken aus Spätmittelalter und Frührenaissance. Tänzelnd erklangen "Sentitu d'amor" des Magisters Dominus Donatus de Florentina oder das "In volta d'un bene velo" eines unbekannten Meisters aus der Zeit um 1350. Empfunden sang Christel Gelderman die beiden Lieder von Guillaume Dufay, schön in den Gesang vertieft das "Vergene bella".

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