Betrug in Serie?

Wegen Betrugs wurde am Dienstag in Landshut ein 40-jähriger Mann zu einer Bewährungsstrafe verurteilt. Zum Prozess waren viele Besucher gekommen, unter anderem auch aus dem Limpurger Land.

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Zahlreiche Zuschauer nannten ihn einen Serienbetrüger, doch die Rechtslage sprach für Guido Sch.: Da er noch nicht vorbestraft war, hat das Amtsgericht Landshut den 40-jährigen Berater für landwirtschaftliche Betriebe zu einer Freiheitsstrafe von einem Jahr verurteilt - und diese zur Bewährung ausgesetzt. Die Staatsanwaltschaft hatte Sch. unter anderem Insolvenzverschleppung, Betrug und Bankrott zur Last gelegt, was dieser nach anfänglichem Hin- und-her- Lavieren auch einräumte. Seine mitangeklagte Lebensgefährtin wurde wegen Beihilfe zu einer Bewährungsstrafe von sechs Monaten verurteilt.

Glaubt man den vielen Menschen, die sich im Gerichtssaal einfanden, um der Verhandlung beizuwohnen, so handelt es sich bei Guido Sch. um einen routinierten Betrüger, der von Bundesland zu Bundesland zieht, und dabei reihenweise Geschädigte zurücklässt. So berichtet ein Prozessbesucher aus dem Limpurger Land, er habe Sch. ein Haus verkauft und ihm noch 130 000 Euro für die Renovierung gegeben. Das Geld hätte er später als eine Art Rente ausbezahlt bekommen sollen, so die Vereinbarung. Die Zahlung für das Haus habe er jedoch nie erhalten und Sch. sei samt Lebensgefährtin und gemeinsamen Kindern verschwunden. Als er Sch. wegen des Geldes verklagte, habe dieser Konkurs an gemeldet. Zurückgeblieben sei ein heruntergekommenes Anwesen, das kürzlich für 5000 Euro versteigert worden sei.

In Landshut tauchte Sch. 2008 auf. Laut Anklage ließ er im Dezember in das Handelsregister des Amtsgerichts eine Firma eintragen, die die Stallreinigung und Desinfektion bei Mastbetrieben in der Landwirtschaft anbot. Formal fungierte Alexander V. als Geschäftsführer; die mitangeklagte Stefanie Sch. war offiziell Prokuristin der Gesellschaft und für die Buchhaltung zuständig.

Laut Staatsanwaltschaft hielt in Wirklichkeit jedoch Guido Sch. alle Fäden in der Hand. In dieser Funktion unterließ er es 2009, rechtzeitig Insolvenz anzumelden. Zudem existierte eine Buchhaltung nur lückenhaft. Die Staatsanwaltschaft legt dem Paar darüber hinaus zur Last, einen Bekannten um 12 500 Euro betrogen zu haben. Zudem zogen sie Gelder aus der GmbH, um private Rechnungen zu begleichen.

Er selbst sei nur als 400-Euro-Kraft angestellt gewesen, beteuerte Guido Sch. anfangs. Alle Entscheidungen habe Alexander V. getroffen, nicht er. Alexander V. sah die Sachlage anders. "Ich bin hier das Bauernopfer", sagte der 39-Jährige im Zeugenstand. Sch. habe das komplette Geschäft geleitet. "Und ich war in den Ställen und habe den ganzen Dreck weggemacht."

Ein Landwirt, der hin und wieder mit der Firma zusammengearbeitet hat, bestätigte die von dem Zeugen geschilderte Rangordnung. Er habe schon nach kurzer Zeit mitbekommen, dass Sch. da "der Boss" sei, sagte der 40-Jährige. "Der hatte schon so ein gewisses Auftreten."

Nach einem Gespräch mit ihren Verteidigern räumten die beiden Angeklagten den in der Anklageschrift niedergelegten Sachverhalt ein. Dies ersparte dem Gericht die Anhörung etlicher weiterer Zeugen und, wie Richter Christian Lederhofer sagte, womöglich einen weiteren Verhandlungstag. Einer Verständigung zwischen den Prozessteilnehmern gemäß beantragte Staatsanwältin Petra Fuchs für Guido Sch. eine Bewährungsstrafe von einem Jahr und für seine Lebensgefährtin sechs Monate. Sch., dem Staatsanwältin Petra Fuchs eine "hohe kriminelle Energie" bescheinigte, erhielt zudem eine Geldauflage von 2500 Euro. Die Mutter seiner drei Kinder, die als Beruf Hausfrau angab, muss 1000 Euro bezahlen.

Das Urteil bewege sich an der untersten Grenze, sagte Richter Lederhofer bei der Urteilsbegründung an Sch. gewandt: "Da sind andere schon zu deutlich mehr verurteilt worden." Einigen Zuschauern stand die Enttäuschung über das ihrer Meinung nach zu milde Urteil ins Gesicht geschrieben.

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