Bei Dürre wird das Volumen reduziert

Knappst der Gaildorfer Naturstromspeicher anderen Wasserkraftwerken am Kocher das Wasser ab? Solche Eingriffe sind nicht erlaubt, sagt der Betreiber.

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Einer der Windtürme, die derzeit östlich von Gaildorf entstehen. Die hohe Säule ist der sogenannte Aktivspeicher, aus dem das Wasser in das Pumpspeicherkraftwerk fließt. Das flache Becken dient als Reserve- oder Passivspeicher.  Foto: 

Kein Wasser, kein Strom. Diese einfache Maxime bestimmt den Alltag von Wasserkraftwerken. Ist der Fluss gefroren, fließt weniger oder gar kein Wasser und die Erträge sinken. Und in Zeiten großer Trockenheit, wenn der Pegel mangels Regen sinkt, gilt das Gleiche. Auch wenn andere Wasser entnehmen, kriegen die Kraftwerke es unmittelbar zu spüren. Sie selbst entnehmen übrigens nichts, sie nutzen lediglich die Energie des vorbeifließenden Wasser.

Am Kocher in Gaildorf wird in  absehbarer Zeit ein neuer „Player“ ins Spiel kommen, der auf eine sehr eigene Art Energie aus Wasserkraft gewinnt, nämlich in einem geschlossenen System.  Bis Ende nächsten Jahres soll dort das Pumpspeicherkraftwerk des Naturstromspeichers laufen, mit dem sekundenschnell auf steigende und fallende Nachfragen auf dem Strommarkt reagiert werden kann. 160.000 Kubikmeter Wasser bewegen sich dann zwischen dem Unterbecken in der Kocheraue, dem eigentlichen Pumpspeicherkraftwerk auf der anderen Kocherseite und den vier Windkrafttürmen mit ihren Aktiv- und Passivspeichern.

Konkurrenz ums Wasser?

Entsteht da eine Konkurrenz ums Wasser? Kocherabwärts gibt es weitere Wasserkraftwerke, auf Gaildorfer Gemarkung werden allein drei von Alexander Schechner betrieben, dem Initiator des Naturstromspeichers. Das ehemalige Bott-Kraftwerk in Großaltdorf aber wird von Dritten privat betrieben, wäre also unmittelbar betroffen, sollten für den Naturstromspeicher größere Mengen Kocherwasser abgezwackt werden. Solche Eingriffe sind allerdings nicht erlaubt. Die Nutzung eines Gewässers werde nur dann zugelassen, wenn sich keine signifikanten Auswirkungen auf die Gesamtmenge des Wassers ergeben, erklärt Naturstrom-Sprecherin Marie-Luise Stepping auf Nachfrage. Das gelte auch und insbesondere für Dürreperioden: „Wir dürfen dann nicht nachfüllen.“ In solchen Fällen würde einfach das Speichervolumen reduziert.

Eine Ausnahme gibt’s natürlich, nämlich dann, wenn das System erstmals befüllt wird. Das Unterbecken, das demnächst ausgehoben wird, soll zirka 400 Meter lang, 170 Meter breit und sechs Meter tief werden. Insgesamt wird das System rund 200.000 Kubikmeter Wasser fassen, die allerdings nie ganz ausgenützt werden. Weil das Unterbecken im Hochwasserfall auch als Retentionsraum der Stadt Gaildorf dient, muss eine Reserve von 40.000 Kubikmeter freigehalten werden.

Zehn Tage für die Befüllung

Die 160.000 Kubikmeter Wasser, die für den Betrieb des Pumpspeicherkraftwerkes vorgesehen sind, werden bei normalem Pegelstand dem Kocher entnommen. Der Fluss transportiert dann etwa 10.000 Liter pro Sekunde, das System könnte also rein rechnerisch in etwa 16 Stunden komplett befüllt werden. Zum erstmaligen Befüllen wird allerdings nur ein Bruchteil des Wasser abgezapft. Zehn Tage seien eingeplant, sagt Stepping. Danach wird der Kocher unbehelligt am Unterbecken vorbeifließen. Die Entscheidung, wann bei Verlust  nachgefüllt werden darf, liegt bei den Genehmigungsbehörden.

Dennoch haben Stepping und Schechner nachgerechnet, welche Auswirkungen es haben würde, sollte man einen Trockenheitsverlust im Speicher mit Kocherwasser ausgleichen wollen.Bei einer Zulaufmenge von zwei Kubikmetern pro Sekunde ergäbe danach eine Einspeiseperiode von einer Stunde pro Jahr bei den nachfolgenden Kraftwerken einen Verlust von etwa einem Dreißigtausendstel des Jahresertrags, erläutert Stepping. Bei einem Wasserkraftwerk, das 100.000 bis 150.000 Euro Ertrag bringt, wären das drei bis fünf Euro Verlust.

Aber das, betont Stepping, sei wirklich rein hypothetisch: „Wir dürfen es nicht.“

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Kommentare

20.05.2017 09:17 Uhr

Nur noch lächerlich

Die Enten, die RUNDSCHAU seit Jahren zu einem angeblichen Naturstromspeicher liefert, sind nur noch lächerlich.

Was ist die 'sehr eigene Art Energie aus Wasserkraft zu gewinnen' unseres angeblichen Naturstromspeichers genau?

Wo ist das 'geschlossene System', von dem RUNDSCHAU berichtet, -nachprüfbar beschrieben? (Abwassersatzung Gaildorf gilt für den BÖGL-Speicher auch nicht?)

Was ist bei Naturstromspeicher 'Naturstrom'? Der Strom mit dem gespeichert wird? Der Strom, den der Naturstromspeicher liefert? Beides? (Wenn das geklärt ist, -könnten die Grundstücksverhandlungen mit unserer Stadtverwaltung bald beginnen..., falls das Kraftwerk einen angemessenen Bauantrag und eine schlüssige Projektbeschreibung liefert. Das war der Auftrag aus der Bürgerbefragung 2011.)

Wann liefert MBS-Naturstromspeicher etwas konformes zu Baurecht, Umweltrecht, Eingriffs-/ Ausgleichsregelung (z.B. eigenen Ausgleich und eine für Gaildorf kostenlose Ausgleichsflutmulde? Viele ziellose Abwegigkeiten, signifikante Unterlassungen und Fehlplanungen zu Naturstromspeicher-BÖGL wurden den zuständigen Behörden und Naturschutzverbänden 2013 fristgemäß genannt, doch leider niemals aufgearbeitet.)

Dann kann RUNDSCHAU und Stadtverwaltung noch über die großen, millionenfachen Vorteile für Gaildorf berichten, -die RUNDSCHAU und Stadtverwaltung 2011/12 angeblich gesehen haben?

Nur noch lächerlich, was Bürgermeister Zimmermann, Stadtverwaltung Gaildorf und RUNDSCHAU uns zu einem angeblichen Naturstromspeicher liefern. Dann könnten Naturstromspeicher, Bürgermeister Zimmermann und RUNDSCHAU uns dummen Stromkunden und kleinen Bürgern bestimmt erklären wie im Fall MBS-BÖGL diese Industrieanlagen ohne zutreffenden Bauantrag, ohne einen 'Naturstromspeicher zu beschreiben, ohne tragfähige Baugenehmigung und ohne Baufreigaben in den Pücklerwald und an den Kocher gelangen konnten?

Es gibt viele weitere wichtige Fragen. Z.B. warum diese für Umwelt und Gaildorf wichtigen Fragen nie von Stadtverwaltung Gaildorf und RUNDSCHAU genannt oder bearbeitet werden / wurden? (wann dürfen wir kleinen Einwohner ... Bevölkerung in Gaildorf die positiven Voruntersuchungen zu unserem Naturstromspeicher sehen, denen unsere Fraktionen und Gemeinderat in Gaildorf 2011 so begeistert zustimmen konnten?

Oder haben unsere wieder nur zugestimmt, damit sie nichts machen müssen?)

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