Bangladesch zu Gast in Gaildorf

Die Süddeutsche Gemeinschaft Gaildorf feiert an diesem Wochenende ein Bangladesch-Fest. Wir sprachen mit Gemeinschaftspastor Wilfried Götz über das Fest, seine Hintergründe und seine Gemeinde.

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RUNDSCHAU: Wieso ein Bangladesch-Fest in Gaildorf? Welchen Bezug hat die Gemeinde zu dem Land, es ist so weit weg.

WILFRIED GÖTZ: Die Süddeutsche Gemeinschaft ist mit der Liebenzeller Mission verbunden. Mit dieser Mission war ich 17 Jahre in Bangladesch. Viele Gemeinschaften veranstalten wegen der Verbindung Missionsfeste. Weil aber das Wort Mission heute oft missverständlich ist, nennen wir das Fest nach dem Land, aus dem der Gastredner als Missionar kommt, für uns in Gaildorf jetzt Andreas Brecht. Mit ihm habe ich eine freundschaftliche Verbindung. Wir haben uns in Bangladesch kennengelernt.

In welchem Verhältnis stehen die Süddeutschen zur Liebenzeller Mission?

Der Süddeutsche Gemeinschaftsverband ist geschichtlich aus der Liebenzeller Mission entstanden, als Heimatzweig praktisch. Bis heute ist er auch in der Satzung mit der Liebenzeller Mission verbunden und hat sich verpflichtet, dieses Missionswerk ideell und finanziell zu unterstützen. Außerdem bezieht der Süddeutsche Gemeinschaftsverband seine hauptamtlichen Pastoren vor allem aus dem theologischen Seminar der Liebenzeller Mission.

Und die Liebenzeller Mission gehört zur Evangelischen Kirche?

Die Liebenzeller Mission ist wie der Süddeutsche Gemeinschaftsverband ein freies Werk innerhalb der Evangelischen Kirche. Das heißt, sie bekennen sich zu den gleichen kirchlichen Bekenntnissen und die Glieder der Mission und des Süddeutschen Gemeinschaftsverbands sind in der Regel auch Kirchenmitglieder und zahlen ihre Kirchensteuer. Beide Werke finanzieren sich aber aus Spenden und sind finanziell unabhängig von der Kirche. Sie sind aber als gemeinnützige Werke anerkannt, Spenden an sie sind damit von der Steuer absetzbar. Soweit möglich arbeiten wir in gutem Einvernehmen miteinander und sehen uns als Ergänzung zur Landeskirche.

Arbeiten die Missionare der Süddeutschen weltweit?

Die Süddeutsche selbst betreibt keine Arbeit außerhalb von Baden-Württemberg. Die weltweite Mission wird von der Liebenzeller Mission gestaltet und die ist weltweit, auf allen Kontinenten, aber natürlich nicht in allen Ländern vertreten.

Gibt es eine spezielle Ausbildung für Missionare?

Nach der fünfjährigen theologischen Ausbildung kommt ein einjähriger Kurs hinzu. Dieser findet in Kanada statt, in einem Umfeld von kultureller Vielfalt. Die Kandidaten werden angehalten, Landsleute aus dem vorgesehenen Land zu finden und mit ihnen in Kontakt zu treten und diesen zu pflegen. Dabei gibt es Kurse über interkulturelle Kommunikation und andere Themen, die den Missionskandidat auf die Arbeit in anderen Kulturen vorbereiten.

Was die Inhalte betrifft, wählen Sie die Themen aus? Wird ein Lehrbuch verwendet?

Die Themen werden in Kanada in Zusammenarbeit mit den Kandidaten ausgewählt.

Wie sieht die Missionsarbeit der Süddeutschen konkret aus?

Wir unterstützen die Missionsarbeit durch finanzielle Mittel und Gebet. Die Liebenzeller Mission arbeitet in der Verkündigung des Evangeliums, der Gemeindearbeit, Schulungen für Laien und Theologen, Kinderheimen für Waisen und Halbwaisen, in der Krankenversorgung und Rundfunkarbeit. Außerdem hat sie ein Team aus ehemaligen Missionaren, die unter Immigranten und ausländischen Studenten in Deutschland arbeiten und alle möglichen Hilfestellungen anbieten.

Sie leistet also praktisch Sozialarbeit in den jeweiligen Ländern?

Evangelische Missionsarbeit war immer verbunden mit praktischer Hilfe zum Leben, sprich Sozialarbeit. Damit wollten die Missionare ihre Liebe zu den Menschen zum Ausdruck bringen. Das war aber kein Mittel, um "Seelen zu kaufen" oder Druck auf sie auszuüben. Es war neben der verbalen Verkündigung von Gottes Wort die Kommunikation über die Tat, die das Wort bestätigen und unterstreichen sollte.

Welche Funktion haben Sie in der Süddeutschen Gemeinschaft in Gaildorf?

In der Süddeutschen Gemeinschaft habe ich die Funktion eines Pastors, wobei der volle Titel aus Rechtsgründen Gemeinschaftspastor heißt. Das schließt Verkündigung, Seelsorge und ein gewisses Maß an Verwaltung ein.

Arbeiten Sie hauptberuflich als Pastor?

Ja, ich habe eine volle Stelle und bin außer für Gaildorf auch für Murrhardt zuständig wie auch für die Werktagsbibelstunden in Spiegelberg, Auenwald und Fichtenberg.

Sind Sie Theologe?

Ja, ich habe zuerst einen Industrieberuf gelernt als Galvaniseur und anschließend eine fünfjährige theologische Ausbildung im Seminar der Liebenzeller Mission absolviert. 1992 habe ich noch ein Zusatzstudium an der jetzt Freien Hochschule für Mission in Korntal begonnen, um einen Magister-Abschluss zu erhalten, den ich nun auch habe.

Sie erwähnten Ihre Missionarsarbeit in Bangladesch. Welche Erinnerungen haben Sie aus dieser Zeit mitgenommen?

In 17 Jahren haben sich viele Erinnerungen angesammelt. Da waren natürlich mal die Erlebnisse in der Familie und mit den Kindern, wo manches Abenteuer zu bestehen war. Die Reisemöglichkeiten waren doch zum Teil sehr primitiv. Ein Erlebnis aus der Arbeit hat sich mir eingebrannt. Ich wurde als christlicher Missionar gebeten, bei einer großen Versammlung von Hindus zu predigen. Ich verstand nicht, was sie von mir wollten. Als ich dort ankam, es war eine Freiluftveranstaltung, sah ich dort neben vielen Hindus in allen Altersklassen auch eine größere Gruppe von Moslems, was mich irritierte. Ich sprach dann zu ihnen von dem jungen Mann in der Bibel, der zu Jesus kam und nach dem ewigen Leben fragte. Nach der Versammlung kamen einige auf mich zu und zeigten sich sehr beeindruckt. Von einem anderen Missionar habe ich später erfahren, dass in dieser Region viele neue Gemeinden entstanden sind.

Das Fest und die Gemeinde

Das Fest Das Bangladesch-Fest der Süddeutschen Gemeinschaft Gaildorf beginnt am heutigen Samstag um 20 Uhr mit einem Jugendabend mit Missionar Andreas Brecht in der Kernerstraße 22. Am Sonntag geht es weiter mit einem Festgottesdienst um 11 Uhr. Anschließend gibt es Mittagessen, wobei auch ein bengalisches Menü angeboten wird. Am Nachmittag ab 14 Uhr informiert Andreas Brecht über das Neueste aus Bangladesch und seine Arbeit als Missionar.

Die Gemeinde Die Süddeutsche Gemeinschaft Gaildorf und Murrhardt hat 50 Mitglieder, ihr Durchschnittsalter liegt bei circa 50 Jahren. Gegründet wurde sie 1932.

SWP

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