Auf Selbsterkundung

Im Alten Schloss ist die Kunst zu Hause. In diesem Jahr mit Hund. Daniela Weber ist die zwölfte Gaildorfer Stadtmalerin, und wie viele ihrer Vorgängerinnen und Vorgänger dabei, sich neu zu erfinden.

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Daniela Weber mit Jeremy, Hund und Muse, im Stadtmaler-Atelier. Foto: Färber

"Wenn man weiß, das endet irgendwann, ist man nicht richtig zu Hause", sagt Daniela Weber. Sie weiß, dass sie Ende des Jahres von Gaildorf nach Berlin zurückkehren wird, sei nimmt aber auch wahr, dass Barrieren fallen, dass sich die Distanz zur neuen Umgebung verringert. Neulich hat sie sich erstmals aufs Fahrrad geschwungen, ist mit einigen Gaildorfern eine kleine Runde gefahren. In Berlin, in der Großstadt radelt sie täglich, in der ungewohnten ländlichen Gegend um Gaildorf fiel es ihr schwer. Das "Radtürchen" mit Hunden, elf Kilometer bergauf-bergab in fünfzig Minuten, tat ihr gut: "Danach war ich im Alltag angekommen."

Was Daniela Weber derzeit in Gaildorf erlebt, haben vor ihr bereits elf Künstlerinnen und Künstler durchgemacht. Die Stadtmaler leben und arbeiten für ein Jahr im Schloss, ihr Stipendium beinhaltet Wohnung, Atelier und Taschengeld. So viel Freiheit bietet diese Stadtmalerei, dass manche der Stipendiaten ihr gewohntes Kunst-Terrain verließen und sich neu erfanden.

Auch Daniela Weber ist auf dem Absprung zu etwas Neuem. In Berlin war sie Installationskünstlerin, in Gaildorf ist sie Beobachterin und ihre liebsten Beobachtungsobjekte sind ihr Hund Jeremy, die Gaildorfer Hundeszene und sie selbst. Sie erkundet die Umgebung, sie nimmt wahr, was die Gaildorfer umtreibt - etwa die Diskussion ums Krankenhaus - , sie ist in Kontakt mit der örtlichen Kunstszene, sie bewundert den Umgang der Gaildorfer mit ihrer Historie und bestaunt das Stadtmuseum, das sie selbst als vorzüglich bezeichnet, das aber kaum ein Tourist findet, der auf dem Kocher-Jagst-Radweg vorbeikommt.

Und sie malt. Hunde natürlich. Die Vorlagen liefern Fotos von Hunden, die sie auf ihren Spaziergängen mit Jeremy macht. Nun denkt sie sich Szenerien mit diesen Hunden aus, spielt mit Geschichten, Märchen und Mythen und rätselt, wo sie mit solchen Darstellungen wohl landen wird.

Daniela Weber hat sich Leinwände gebaut, in der "üblichen Materialdoofheit", grinst sie - die Leinwände passen gerade noch durch die Tür des Ateliers. Auf einer dieser Leinwände befindet sich ein begonnenes Gemälde, das Jeremy beim Spiel mit einem anderen Hund zeigt. Sie frage sich, sagt Daniela Weber und schaut das Bild an, ob man die Darstellung des Schönen, Angenehmen auf Dauer überhaupt aushalten könne. Und für jemanden, der weiß, dass er nur vorübergehend in Gaildorf zu Hause sein und dass ein Ende kommen wird, ist das keine schlechte Arbeitsthese.

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