Auch Unfallrisiken müssen gemeldet werden

Die neuen Sicherheitsrichtlinien der Windindustrie gelten ab sofort auch auf den Baustellen des Gaildorfer Naturstromspeichers. Auch Unfallrisiken müssen gemeldet werden.

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Schutzbrillen sind Vorschrift: Mit Spannlitzen werden die Tübbinge zu große Ringen zusammengefügt.  Foto: 

Sicherheitsschuhe, Warnwesten und Schutzhelme sind obligatorisch auf den Baustellen des Naturstromspeichers in Gaildorf. Seit letzter Woche sind auch Schutzbrillen vorgeschrieben, außerdem sind die Beschäftigten angehalten, unfallträchtige Situationen, also Risiken, zu melden, sodass entsprechende Vorkehrungen getroffen werden können. Zudem gilt: Fahrzeuge müssen grundsätzlich in Fluchtrichtung geparkt werden.

Bauleiter Johannes Kaltner von der Firma Max Bögl, die mit Alexander Schechner die Naturspeicher GmbH gegründet hat und die Anlage auch baut, hat seine Leute letzten Mittwoch in die neuen Richtlinien eingewiesen, die von einer Arbeitsgruppe der großen Windindustrieunternehmen erarbeitet wurden und nun auch auf allen Baustellen des Unternehmens gelten. Einige sind bereits mit Schutzbrillen ausgerüstet, als er zuvor über die Baustelle läuft. „Ab heute Abend trag’ ich auch eine“, ruft  Kaltner einem Kollegen zu.

Einmal ist ein Kollege umgeknickt und war dann für mehre-
re Wochen krankgeschrieben. Schwerere Unfälle aber hat’s auf den Baustellen des Naturstromspeichers bisher nicht gegeben, und das, so Kaltner, soll auch so bleiben. Es sei daher auch wichtig, dass man sich mit Beinahe-Unfällen befasse. Dadurch würden nicht nur mögliche Risikosituationen besser erkenn- und vermeidbar, sondern auch individuelle Erfahrungswerte kommuniziert. Das sei zwar aufwendig, aber zu aller Nutzen.

Der Schwerpunkt der Tätigkeiten an den vier künftigen Windkrafttürmen des Naturstromspeichers liegt derzeit am Standort fünf. Dort wird jetzt der „Aktivturm“ des Wasserspeichers errichtet, der später mit dem Pumpspeicherkraftwerk in der Ko­cher­aue verbunden sein wird. Er besteht aus aufgestapelten Ringen, die aus vorgefertigten „Tübbingen“ zusammengefügt werden. Ein mächtiger Kran hebt die 80 Tonnen schwere Ringe dann in das bereits bestehende Passivbecken. Einer dieser Ringe wird gerade mit dicken Spannlitzen zusammengefügt, ein weiterer ist fertig zum Einhub. Zwei Ringe sind bereits gesetzt.

Einen fast fertigen Aktivspeicher kann man am Standort drei sehen. Vierzig Meter hoch ragt der Turm aus dem Passivbecken. Die Krone ist noch verschalt, sie wird nun mit Ortbeton ausgegossen, der dann das Fundament des Windkraftturmes bildet. Das kreisrunde Fundament wird unterbrochen durch eine rechteckige Ausbuchtung, das ist der sogenannte „Rucksack“ für den Großkran, mit dem dann Turmbauteile, Turbine und Flügel nach oben gebracht werden. Später wird noch ein Stahltreppenturm angefügt, über den das Wartungspersonal in den Turm gelangen kann.

Selbstverpflichtung Das Konzept „Sicherheitskultur in der Wind­industrie“ entspringt einer Selbstverpflichtung der großen Unternehmen, die in der Windindustrie tätig sind. Es handelt sich um einen laufenden Prozess, der von den Turbinenherstellern Adwen, Enercon, GE, Siemens, Nordex Acciona, Senvion und Vestas sowie deren Zulieferern und Auftragnehmern initiiert wurde. Die gemeinsame Arbeitsgruppe verfolgt das Ziel, branchenweit gültige Sicherheitsstandards zu etablieren und weiterzuentwickeln, um die Zahl der Unfälle zu senken.

Richtlinien Die Sicherheitsprinzipien und Richtlinien zum sicheren Fahren, zum Arbeiten in der Höhe und zur Ausrüstung wurden nun um den Bereich Sicherheitsethik und Richtlinien zu „Bauarbeiten, elektrische Sicherheit und fallende Objekte“ erweitert.

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