Atemberaubendes aus Südtirol

"Bozen Brass" in der Gaildorfer Stadtkirche. Ob außer Pfarrer Rainer Zube und seiner Frau Andrea jemand wusste, was mit "viel Blech und feinen Tönen" gemeint war? Welch hochkarätiges Konzert bevorstand?

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Das Ehepaar Zube hatte die Musiker vor zirka zehn Jahren im Urlaub in Südtirol kennengelernt, per Zufall bei einem Freiluftkonzert - mit damals drei Zuhörern. "Bozen Brass" habe gespielt, als wären es Hunderte - wie jetzt in der vollbesetzten Gaildorfer Stadtkirche. Ab da planten Zubes ihren Urlaub nach dem Terminkalender des Bläserquintetts. Allerdings müssen sie nun, nachdem es mit dem Auftritt von "Bozen Brass" in Gaildorf endlich geklappt hat, damit rechnen, dass ihnen eine neue Fangemeinde hinterherfährt.

Schlicht war die Begrüßung, nachdem die ausnahmslos hochschulgebildeten und lehrenden Musiker erste musikalische Akzente gesetzt hatten. "Guten Abend" vom Posaunisten genügte fürs Erste - Brass ohne Prass. Anton Ludwig Wilhalm und Robert Neumair führten lieber gegenläufige, rasante Zwiegespräche mittels ihrer Trompeten, Norbert Fink echote andächtig und wohlklingend zurück mit seinem (Jagd-)Horn, Stephan Mahlknecht bereicherte die musikalische "Unterhaltung" mit sonoren Tönen und Toni Pichler "bruddelte" feinsinnig etwas abseits in seine gewichtige Tuba - immer eins mit ihr.

Das basse Staunen über das musikalische Niveau und die Vielseitigkeit der auswendig gespielten, astrein intonierten, ausdrucksstark vorgetragenen Stücke konnte nur durch die humorigen Moderationen, die entspannten choreografischen Einlagen, coole Mimik und bewundernswerte Lockerheit der zu Faxen aufgelegten Akteure durchbrochen werden.

Von Gottfried Fingers barocker Sonate in c-Moll, John Dowlands renaissancehafte, durch Popmusiker Sting bekannte Komposition "Can she excuse my wrongs", oder der alpenländisch klingenden "Frühlingsweise" und vom andächtigen "Jörginger" war man schon gänzlich hingerissen. Bei letzterem greift sich der aus St. Georgen stammende Robert Neumair seine Steirische Harmonika, auf der er schon als kleiner Bub, um nicht zu sagen als musikalisches Wunderkind, im Fernsehen bei Karl Moik und im Musikanten-stadl die Massen begeistert hatte - heuer entlockt er ihr andere Töne, spielt Trompete - unter anderem in der Deutschen Radiophilharmonie - hat sein eigenes Tonstudio und wechselt aktuell immer wieder ans Schlagzeug.

Dann Ortswechsel zur Empore - das fein nuanciert gespielte "Halleluja" von Händel verlangt danach und fasziniert. Klassische "Katzenmusik" folgt. Die beiden Trompeter schleichen sich als "weiße und schwarze Katze" zurück in den Chor, um mit ihren Wah-Wah-Dämpfern miauend Rossinis Katzenduett Leben einzuhauchen.

Dann stattet Robert Neumair, der Komponist des Intros "Nexus" und kreative Arrangeur fast aller Stücke, seine Füße und Beine mit "Rasseln" aus zu Robert Schumanns "Von fremden Ländern und Menschen".

Nach der Pause und Kleiderwechsel - nun (fast) ganz in weiß - folgt eine jazzige Show inklusive Tanzeinlagen zu Michael Jacksons "Black or White", bevor Tubist Toni mit seiner "Scusi, scusi?"- Frage nach der "Musi" zum bunten Medley mit "Kastelruther- Stör-Fink" überleitet und hernach mit "Hora staccato" seinen großen Auftritt mit seiner "Teufelszunge" hat.

Als weiterer Höhepunkt folgt Stings "Englishman in New York", zur Abwechslung mit swingenden Flügelhornwohlklängen, Schlagzeug und entgegen der Befürchtung des Posaunisten erkennbar englischem A-capella-Gesang.

Mit wohl besser in eine Kirche passendem irischen Segenslied sollte Schluss sein - doch stehende Ovationen belohnten die Musiker mit einem solidurchsetzten "Besame mucho", wobei Anton Ludwig Wilhalm seine letzten Stimmbandreserven mobilisierte.

Ein netter Zug bei der weiteren Zugabe war es, den hinter den Musikern im Chor sitzenden Gästen mit ungezügelter Spielfreude ein "Ständchen" von Angesicht zu Angesicht zu geben und zu seinen volksmusikalischen Wurzeln zu stehen, bevor man sich im Gemeindehaus beim mitgebrachten "St. Magdalener" aus Südtirol wiedersah - gerne nicht zum letzten Mal.

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