Apostel für mehr Selbstvertrauen

Die „Barber Angels“ frisieren und rasieren Obdachlose und Menschen mit wenig Geld kostenlos in Städten wie München, Stuttgart und Köln. Nun machen sie Station in Crailsheim.

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  • Sorgen für einen gelungenen Nachmittag: Vera Flohr, Valentina Ellenschläger, Claus Niedermaier, Kirsten Orth-Krause, Daniela Flohr und  Maria Petri (von links). Die Rockerkluft ist typisch für die Friseure und soll den Besuchern Hemmungen nehmen. 1/2
    Sorgen für einen gelungenen Nachmittag: Vera Flohr, Valentina Ellenschläger, Claus Niedermaier, Kirsten Orth-Krause, Daniela Flohr und Maria Petri (von links). Die Rockerkluft ist typisch für die Friseure und soll den Besuchern Hemmungen nehmen. Foto: 
  • Fast fertig – und das Ergebnis kann sich sehen lassen. 2/2
    Fast fertig – und das Ergebnis kann sich sehen lassen. Foto: 
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Eng ist es in den Räumen der Burgbergstraße 61. Dicht gedrängt sitzen und stehen Menschen. Viele sind gekommen, nicht nur wegen Maultaschensuppe, der geöffneten Kleiderkammer und Kaffee und Kuchen. Heute sind die „Apostel“ der „Barber Angels Brotherhood“ in Rockerkluft da.

Die frisieren und rasieren, schneiden und stylen, einen nach dem anderen. Und jedes Mal wandeln sich die Menschen, die sich auf den Stuhl vor den Männern und Frauen in Schwarz setzen: Der Kopf ist jedes Mal ein Stück mehr erhoben, wenn sie wieder gehen. Ein Haarschnitt kann manchmal Wunder bewirken. Die „Barber Angels“ – ein Klub, der aus Friseuren besteht – machen das alles kostenlos.

Künstlername Hoffnung

„Es geht darum, den Menschen ihre Würde und ihr Selbstbewusstsein zurückzugeben“, sagt Daniela Flohr, alias „First Apostel Hope“. Sie ist Friseurin in Crailsheim und einmal im Monat mit dem Klub unterwegs. Apostel ist eine Bezeichnung für aktive Mitglieder, „Hope“, also Hoffnung, ihr Künstlername. Das „First“ heißt, dass sie zu den zehn Gründungsmitgliedern gehört.

Als Apostel ist sie immer ganz nah dran. „Da braucht man manchmal schon ein dickes Fell und darf keine Berührungsängste haben“, sagt Daniela Flohr. Meistens dauere es auch ein wenig, bis das Eis gebrochen ist. Ihrer Erfahrung nach kommen meist Leute, die Schicksalsschläge erlitten haben.

Die Reaktionen seien durchweg positiv. „Die Menschen gehen hier mit einem Lächeln und aufrechter wieder weg. Das ist der Lohn unserer Arbeit“, findet Daniela Flohr.  Und was sagen die Teilnehmer? „Ich bin sehr zufrieden mit dem Ergebnis“, sagt einer. Frisch gestylt hat manch einer schon einen Job oder eine Wohnung gefunden.

Mit eigenem Handwerk helfen

Gegründet wurde die „Barber Angels Brotherhood“ am 27. November 2016 von Claus Niedermaier, einem Friseur aus Biberach. „Damals habe ich in einer kalten Novembernacht einen Bericht über Obdachlose gesehen.“ Da will er helfen. Allerdings hat er nicht viel Geld. Dann fällt ihm die Lösung ein: „Ich habe mein Handwerk.“

Bis morgens um fünf Uhr habe er das Konzept geschrieben und dann zehn gute Freunde angerufen – jeder habe sofort zugesagt. Mittlerweile gebe es mehr als 150 Mitglieder. „Unsere mediale Präsenz wollen wir nutzen, um noch mehr Friseure für unsere Sache zu begeistern“, betont Claus Niedermaier. Sein Ziel sei es, dass es in jeder Stadt Deutschlands einen Apostel gibt.

Niedermaier fungiert als Präsident des Vereins. Er möchte aber mehr: „Wir wollen auch Vorbild für andere Branchen sein.“ Jeder könne anderen helfen.

Die „Bruderschaft“ Barber Angels setzt sich aus Friseuren zusammen, die Obdachlose und Menschen mit wenig Geld kostenlos frisieren und rasieren. Mitmachen kann jeder Friseur, der Klub bietet auch Schulungen an. Gegründet wurde der Verein im November 2016 von Claus Niedermaier. Mittlerweile gibt’s rund 150 Apostel. Die Barber Angels kann man für unterschiedliche Veranstaltungen buchen, Anfragen von sozialen Einrichtungen sind ausdrücklich erwünscht. Weitere Infos unter www.b-a-b.club. luc

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