Angst vor einer "Schnapsidee"

Viele Unterroter sind in großer Sorge: Sie befürchten gravierende Probleme durch eine geplante Werkspiste für Ultraleichtflieger. Das Thema wurde in der Bürgerversammlung heftig diskutiert.

|

Am breiten Spektrum der Aufgaben, die in Gaildorf in jüngster Zeit erledigt wurden und noch erledigt werden (wir haben berichtet), gibt es offenbar wenig auszusetzen. In der Bürgerversammlung in Unterrot kamen in erster Linie Themen zur Sprache, die die Menschen in diesem Teil der Stadt bewegen. Hatte Bürgermeister Ulrich Bartenbach für seinen umfangreichen und reich bebilderten Rechenschaftsbericht Beifall erhalten, schlug die Stimmung beim gegenwärtigen "Thema Nummer eins" eher in Empörung um.

Viele Unterroter sind nämlich in großer Sorge: Die im Ort ansässige Firma UL-Airoaviation GmbH, die sich mit ultraleichten Luftsportgeräten einen Namen gemacht hat, will mit Hilfe einer kleinen Werkspiste künftig Transporte per Lastwagen und Flüge nach Hall einsparen - und deshalb eben in Unterrot eine entsprechende 200 Meter lange Start- und Landebahn anlegen. Die Wiese, auf der dies geschehen soll, gehört aber der Stadt (wir haben berichtet).

Der Bürgermeister versicherte, dass das Unternehmen bislang nur angefragt habe, ob die Stadt das Gelände hinter seinem Werksareal verpachten würde. Man habe noch nicht zugestimmt, aber ein "Ja" signalisiert. Über Details des Vorhabens wisse er noch nichts. Nur so viel: Airoaviation wolle beim Regierungspräsidium etwa 300 Start- und Landebewegungen im Jahr beantragen, was einem jährlichen Flugbetrieb von etwa zehn Stunden entspreche. Aber: "Es sind noch keine Pläne da".

Unterdessen hat eine Interessengemeinschaft besorgter Bürger das Gelände begutachtet und vermessen lassen, wie Barbara Menier berichtete. Aus ihrer Sicht erschreckendes Ergebnis: Der Flugbetrieb spiele sich nur 32 Meter von ihrem Wohnhaus entfernt ab. Weitere Bürger warnten vor möglichen Gefahren - etwa dann, wenn ein Start oder eine Landung missglückt. "Es geht hier um Leib und Leben", lautete ein Zwischenruf. Ein anderer Unterroter riet der Stadtverwaltung unter Beifall, sie solle dem Betreiber sagen: "Das ist eine Schnapsidee!"

Ulrich Ostertag, selber Unternehmer, gab zu bedenken: Es gehe hier nicht um Einzelinteressen, sondern ums Gemeinwohl. Er erwarte von den Mandatsträgern, "sich zu informieren, bevor sie Zusagen machen". Bürgermeister Bartenbach konterte, dass über das genannte Signal hinaus noch nichts geschehen sei. Überdies "sind wir nicht die Genehmigungsbehörde". Die Stadt werde im Rahmen eines Genehmigungsverfahrens lediglich angehört wie die übrigen Träger öffentlicher Belange.

Aber: Wenn der Flugbetrieb so "hochgefährlich ist", wie von einigen Unterrotern geschildert, könne er sich nicht vorstellen, dass das Regierungspräsidium das Ganze dann genehmige. Dies wiederum stellte einige der Versammlungsteilnehmer nicht zufrieden - weil es "verwegen" sei, in dieser Situation dem Antragsteller die Pacht bereits in Aussicht zu stellen.

Kritik an der Stadt - aus Sicht Bartenbachs völlig ungerechtfertigt - hagelte es auch an der Erschließung des Gewerbegebiets Münster, vor allem deswegen, weil 2013 kurz vor der Ernte die Felder "platt gemacht" worden seien. Hier, konterte der Bürgermeister, hätten die Pächter entgegen einer Absprache einfach eingesät. Im übrigen würden die Flächen dringend benötigt, um die Nachfrage bauwilliger Unternehmen befriedigen zu können.

CDU-Stadtrat Rainer Baumann appellierte an diejenigen Bürger, die pauschal gegen "die Stadt" oder den Gemeinderat wetterten, sie mögen sich doch vorher auch über die Zuständigkeiten informieren. Als Ratsmitglied lasse er sich für alles kritisieren, "wofür ich zuständig bin. Jedoch haben wir eben nicht auf alles Einfluss".

Fortgeschrieben werden konnte an diesem Abend auch der "Wunschzettel": etwa um einen Unterstand auf dem Friedhof, damit bei Beerdigungen die Trauergäste nicht im Regen stehen müssten, einen Jugendraum oder ein Domizil für die Landfrauen. Letztere Anregungen könnten im Zusammenhang mit einem Nutzungskonzept für die teilweise leerstehende Bühläckerschule erörtert werden.

Nicht zu vergessen: Zwar überwiegt die Freude in Unterrot über die Einrichtung eines Bezirksbeirats, enttäuscht ist man hier und dort jedoch nach wie vor, weil Bürgermeister Bartenbach aus seinem "Nein" kein Hehl macht.

Raser machen den Bürgern in Bröckingen das Leben schwer
Kommentieren

Kommentare

05.04.2014 11:06 Uhr

Landeplatz und NATURSTROMSPEICHER?

Den UL-Landeplatz hat man recht breit diskutiert. Doch niemand fragte nach dem künftigen Unterroter "UNTERSPEICHER" . Das das Gelande, das das Projekt sich "schnappen" möchte, für einige Landesplätze reichen würde ist noch niemanden aufgefallen. Doch das muss es auch nicht. Das mit dem Unterspeicher aber ein Ausgleich und ein Ausgleichsgrundstück mit naturnah gestalteter Flutmulde fehlt - das müsste mindestens den Amtsträgern von Stadt und Landkreis auffallen und ein "Dorn im Auge sein".

Hat jemand einen Anhalt - warum keinem Amtsinhaber das bisher offiziell auffällt? Beschlossen war die Sache: Gaildorf bekommt das Gewerbegebiet, das gerade "umgegraben wird, und die NATUR bekommt das Flutmuldengrundstück mit Flutmulde. Das fordert auch das Gesetz.

Oder haben die Amstinhaber Herr Eggert und Herr Bartenbach das mit dem Ausgleich und der naturnahen Flutmulde nur "erfunden", um an das Grundstück zu kommen, um es dann privat zu "vertickern", und es gegen den geltenden Standards doppelt zu verplanen?

Vielleicht ein kleiner "verdeckter Rentenfond, oder ein kleiner Landhandel" - bei dem der beschlossene und rückständige Ausgleich nur zufällig "verdampft"? Das wäre aber ein toller "Schwabenstreich".

Wie es auch sei, der Ausgleich fehlt, die Ausgleichsplanungen vom Projekt NATURSTROMSPEICHER (Firma GEKOPLAN) sind mehr als hahnebüchen und mehr als abwegig. Der reelle Ausgleich für das Industriegebiet Kocherwiesen und das Sondergebiet Münstermühle fehlt weiterhin. Jeder kann nun das umgegrabene Industriegebiet sehen. Die Argumente sind bekannt - die Antworten und der reelle Ausgleich fehlen leider. (graustromspeicher.kochertal.net - ohne www davor)

Antworten Kommentar melden

Schreiben Sie Ihren eigenen Kommentar

noch 3000 Zeichen
Mit Ihrem Kommentar akzeptieren Sie unsere Netiquette

Für registrierte Nutzer

Melden Sie sich an und schicken Sie Ihren Kommentar ab:

Für noch nicht registrierte Nutzer

Registrieren Sie sich kostenlos, um Ihren Kommentar abzuschicken:

Ich bin damit einverstanden, dass die Neue Pressegesellschaft mbH & Co. KG und ihre Tochterunternehmen mich schriftlich (per E-Mail oder Brief) oder telefonisch über ihre Medienangebote und kostenlose Veranstaltungen informieren dürfen. Meine Daten dürfen zu diesem Zweck gemäß den Bestimmungen des BDSG gespeichert, verarbeitet und genutzt werden. Die Einwilligung kann ich jederzeit widerrufen.
Ich bin mit den Datenschutzbestimmungen einverstanden. *

Bitte beantworten Sie noch die folgende Sicherheitsfrage:

neu laden
Content Management by InterRed GmbH Logo
weiter zur Startseite

Mehr Menschen ohne Arbeit

Die offizielle Zahl der Arbeitslosen ergibt ein schiefes Bild. In ihr sind Tausende, die keinen Job haben, nicht berücksichtigt. weiter lesen