An der Grenze des Machbaren

Was sich an der Gaildorfer "Krankenhaus-Front" abspielt ist nicht der sprichwörtliche Kampf gegen Windmühlen. Die Bürgerinitiative fordert nichts Unmögliches. Und genau das macht die Sache so kompliziert.

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Die Delegation aus dem Limpurger Land hätte im Gespräch mit Landrat Gerhard Bauer (ganz links im Bild) gerne noch mehr erfahren, was die Zukunft des Krankenhauses angeht. Foto: Oßwald

Die Bürgerinitiative (BI) Krankenhaus Gaildorf möchte für die Gesundheitsversorgung der Menschen im Limpurger Land das maximal Machbare erreichen. Nicht zuletzt aus diesem Grund klammert sie sich an jeden Strohhalm und geht mit ihren Forderungen oft bis an die Grenze dessen, was realistisch zu sein scheint. Zumindest auf den ersten Blick. Der zweite Blick offenbart ein erstaunliches Maß an Weitblick, was die Kompromissbereitschaft anbelangt.

Das wurde einmal mehr deutlich während des Gesprächs zwischen BI, Landrat Gerhard Bauer und Diak-Vorstandschef Hans-Joachim Lenke am Donnerstagnachmittag im Haller Landratsamt (wir haben berichtet): Noch einmal wurden die Fronten geklärt, noch einmal nicht nur die Positionen abgeklopft. Hier die BI, unterstützt durch den langjährigen Chefarzt Dr. Ulrich Bauer, die ungeschminkt Volkes Stimme repräsentiert, dort die vermeintlich abgeklärten Krankenhaus-Planer, die deshalb mit dem Klinik-Standort Gaildorf nicht mehr planen wollen, weil sie es aus wirtschaftlichen Gründen offenbar auch nicht mehr können.

Eine Auslagerung von ganzen Diak-Abteilungen nach Gaildorf, wie von den BI-Sprechern Karl-Dieter Diemer, Dr. Ulrich Bauer, Cornelia Dähmlow und Karl Eichele detailliert vorgeschlagen, nannte Diak-Chef Lenke wirtschaftlich nicht darstellbar. Dennoch erklärte er sich bereit, die eine oder andere Anregung noch einmal rechnen zu lassen. Die oft gehörte Vorhaltung, die Übernahme des Gaildorfer Klinik-Betriebs sei ein Geschenk des Kreises gewesen sei, relativierte er postwendend ins Gegenteil - "ein sehr teures Geschenk" sei das für sein Haus.

Landrat wie Diak-Chef verwiesen erneut auf die schwierigen bundespolitischen Rahmenbedingungen, die am ehesten kleine Einrichtungen treffen. Dafür seien eben nicht die Träger vor Ort verantwortlich. Hans-Joachim Lenke, der weiß, dass man in Gaildorf dem Diak alles zutraut, nur nichts Gescheites: "Das klingt so, als würden wir mit Freude kleine Krankenhäuser schließen". Das Gegenteil sei der Fall. Das Diak-Engagement in Gaildorf seit 2007 - das sich am Ende nicht bewährt hat - sowie auch die millionenschweren Investitionen von Land und Kreis in die Klinik, für manchen Bürger in Anbetracht der aktuellen Entwicklung reine Geldverschwendung und planerisches Kalkül, "waren aus damaliger Sicht völlig richtig. Heute sicher nicht", wie der Landrat ergänzend pauschale Kritik unter Hinweis auf die ungemütlich gewordene politische Großwetterlage auf dem Gesundheitsmarkt konterte.

Und mit Blick auf die Zahlen: Die Verluste in Gaildorf seit 2000 summierten sich auf insgesamt rund 10,5 Millionen Euro - zunächst vom Landkreis, 2008 von der (nicht mehr existierenden) Gesundheitsholding und ab 2009 vom Diak ausgeglichen. Als Fakt steht - rein rechnerisch - deshalb auch im Raum: Das Gaildorfer Krankenhaus blockiert durch seine Existenz die Weiterentwicklung des sanierungsbedürftigen Landkreisklinikums Crailsheim, das dringend einen Erweiterungsbau benötigt, und es kostet das Diak Geld, das es zur Finanzierung seines Neubaus erwirtschaften muss. Stimmt. Aber aus Gaildorfer Sicht kann das kein Trost sein.

Wohl äußerten die BI-Sprecher für manchen der genannten Zwänge Verständnis, auch dafür, dass das Gaildorfer Haus noch einmal so werden wird wie es einmal war - nicht jedoch dafür, dass die einzige Alternative zum einstmals blühenden Krankenhausbetrieb die Schließung, also "nichts" sein soll. Das sieht, wie es scheint, auch der Landrat so, der versicherte, dass die Kreisverwaltung "nicht in erster Linie eine bestmögliche wirtschaftliche Verwertung der Krankenhausimmobilie anstrebt", sondern vielmehr "eine Nutzung, mit der die Gesundheitsversorgung der Stadt Gaildorf und im Limpurger Land so gut wie möglich sichergestellt werden kann". Er stehe dabei mit Bürgermeister Ulrich Bartenbach "in engem Kontakt".

Bauer wies schließlich Meldungen, wonach die kleine Klinik jetzt schon geplündert und zum 30. Juni durch das Diak vollends leer geräumt werde, als Gerüchte zurück. Die Einrichtung bleibe im Gebäude und könne - falls sich eine Lösung abzeichnet - genutzt werden.

Offenbar zeichnet sich tatsächlich etwas ab. Darüber könne derzeit jedoch noch nichts gesagt werden, betonte Gerhard Bauer. "Aber dann sagen Sie uns doch wenigstens, ob wir beruhigt nach Hause gehen können", beschwor Heidrun Hansen den Landrat. Vergeblich. Er dürfe das nicht!

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