Am 24. September gibt’s noch was zu reißen

Oppositionsführerin Sahra Wagenknecht von der Partei „Die Linke“ spricht im Gmünder „Prediger“ vor vollem Saal.

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Angela Merkel bleibt nach der Bundestagswahl am 24. September Kanzlerin und die SPD bastelt schon an einer Neuauflage der großen Koalition als Juniorpartner. Sahra Wagenknecht kann verstehen, dass viele Wählerinnen und Wähler gefrustet sind, weil sie denken, in Berlin bliebe nach der Wahl alles beim Alten. Doch das müsse nicht sein. Mit ihrem Auftritt im großen Saal des Gmünder „Predigers“ wollte sie am Mittwoch nicht nur ihren Kandidaten im Wahlkreis Backnang-Schwäbisch Gmünd,
Alexander Relea-Linder, unterstützen. Die Fraktionschefin der Partei „Die Linke“ im Deutschen Bundestag bemühte sich auch, das Stimmvolk wachzurütteln und zu mobilisieren. Ihr Ziel ist, dass „Die Linke“ im Bundestag drittstärkste politische Kraft bleibt. Aus diesem Grund sollten die Bürgerinnen und Bürger zumindest mit ihrer Zweitstimme das Kreuz bei den „Linken“ machen.

Routiniert spulte die 48-Jährige das Parteiprogramm ab und ritt in einer Dreiviertelstunde die eine oder andere Attacke gegen die etablierten Parteien und den erklärten Gegner AfD. Das Publikum, vom alternativen Rauschebart bis zum gutbürgerlichen Stadtvolk, hörte aufmerksam zu und spendete Applaus. Lediglich ein junger Herr mit einer etwas „völkisch“ wirkenden Haartracht hielt sich auffällig zurück.

Wiederholt wies Wagenknecht, wie bereits ihr Vorredner Alexander Relea-Linder, darauf hin, dass „Die Linke“ bisher keinen müden Euro an Parteispenden erhalten und akzeptiert habe. Dass Spitzenpolitiker, welcher Partei auch immer, nach ihrer Zeit im Parlament bei Spitzenverbänden der Industrie in Lohn und Brot stehen, hält sie für nicht akzeptabel. Das sei doch „Korruption“ nach dem Motto „bezahlt wird später“. Für sie sind Parteispenden „gekaufte Politik“. Deshalb „brauchen wir Regeln“. Eine davon sei, dass „Die Linke“ Parteispenden verbieten möchte.

Einseitige Kritik an Schröder

Was das Engagement von Ex-Kanzler und Sozialdemokrat Gerhard Schröder beim putinnahen Staatskonzern Rosneft betrifft, sei das „natürlich moralisch zu kritisieren“. Wie Schröder gescholten wird, hält Wagenknecht jedoch nicht für ausgewogen. Das geschehe nur, weil es ein russisches Unternehmen ist. Die Politikerin erinnerte vielmehr an die große Zahl ehemaliger Mandatsträger der Regierungsparteien, die sich im Anschluss an ihre Zeit in Parlament und Amt von der deutschen Industrie den Hintern „vergolden“ lässt.

Die „Linken“ haben sich klar für die Wiedereinführung der Vermögenssteuer ausgesprochen. Dabei hat die Partei vor allem die „Superreichen“ im Visier. Zudem solle sich Deutschland an Österreich orientieren, was das Thema Rente betrifft. Für Wagenknecht führe hier am Solidarprinzip kein Weg vorbei. Die SPD habe den „Riester-Unfug“ verschuldet und müsse Rentenkürzungen mitverantworten. Was die CDU betrifft, sei deren „Buhlen um die Gunst von Familien“ schlicht „unseriös und unakzeptabel“. Seit den 1990er- Jahren sei fast die Hälfte der Bevölkerung in Deutschland sozial abgestiegen, während die Gewinne der Unternehmen in die Höhe schossen. Wie vertrage sich das mit dem CDU-Slogan „Für ein Deutschland, in dem wir gut und gerne leben“, warf die Rednerin die Frage in den Saal.

Die Aufgabe für die Zukunft laute, nicht nur „Frau Merkel abzuwählen“, sondern die aktuell betriebene Politik. Die „Sehnsucht“ nach einem Wechsel sei durchaus vorhanden. Das habe der „Schulz-Hype“ gezeigt. Das Fernsehduell der Kanzlerin mit dem Herausforderer von der SPD sei aber von „großkoalitionärer Einigkeit“ geprägt gewesen. Nur eine starke Linke könne ein Weckruf sein, dass sich politisch etwas ändert, gab Sahra Wagenknecht ihren Zuhörern mit auf den Weg zum Wahllokal.

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