Albert Thürauf kennt mehr als 160 Rebsorten

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In vielen Betrieben, nicht nur im Weinbau, zählt nur "immer mehr Leistung" und "immer mehr Ertrag". Albert Thürauf sieht dies kritisch: "Es kann nicht gehen. Wenn man zum Beispiel im Weinbau den Blick auf den Umgang mit Mineraldünger wirft: Das Holz wird mastig, es gibt hohe Erträge. Aber die Trauben pumpen sich auf und platzen teilweise." Die Folgen sind im Herbst in fast allen Weinbergen sichtbar. Sobald die Witterung etwas feuchter wird, siedeln sich Pilze an, was wiederum die Qualität mindert. Doch Thürauf will nicht klagen, sondern erläutert sein Konzept, das er bereits 1983 angegangen ist: "Unser Muschelkalkboden enthält viele Nährstoffe, sodass wir wenig nachdüngen müssen. Außerdem richten wir die meist steilen Rebhänge so aus, dass die Sonne diese schnellstmöglich abtrocknet und möglichst viel Licht hinkommt. Das ist das Solarmodul-Konzept." Außerdem kommt ihm eine geographische Besonderheit zu Hilfe. Thüraufs Weinberge rund um Rothenburg liegen auf bis zu 400 Metern Höhe und bleiben praktisch nebelfrei. Deshalb können die Trauben im Herbst lange hängen bleiben, ohne dass sich Krankheiten auf ihnen ansiedeln.

Im Gespräch gehört Thürauf zu den zurückhaltenden Zeitgenossen. Er hat Weinküfer, Winzer und Hotelfachmann gelernt. Darauf hat er den Weinbau-Techniker und den Kellermeister gesetzt. Sein Interesse am Wein ist dementsprechend tief ausgebildet. Bereits sein Urgroßvater begann 1898 mit dem Weinbau, sein Großvater kaufte die Immobilie, in der heute das Gasthaus Glocke und das dazugehörige Weingut angesiedelt ist. Wenn Thürauf von den Traubensorten auf seinen zehn Hektar Rebflächen - die auch in Tauberzell und Tauberrettersheim liegen - erzählt, fallen seltene Sortennamen wie Junker, Kristaller und Elbling. Der letztgenannte war bereits zu Römerzeiten das Rückgrat der Weinproduktion. Damit solche Sorten nicht verloren gehen, hat Thürauf zusammen mit anderen Weinfans in Rothenburg einen Vorführweinberg angelegt, in dem 160 Traubensorten aufgepflanzt sind - er befindet sich nur fünf Fußminuten von der Glocke entfernt. Der Besucher trifft dort außerdem auf einen gesteinsgeologischen Lehrpfad, der auf Schautafeln die 30 Schichtstufen unserer Landschaft erläutert.

Bei der Probe fallen zuerst die Flaschen auf. Wer um ihren Hals streicht, kann das Erkennungszeichen des Weinguts, eine Glocke, fühlen. Als Erstes wird der Johanniter trocken (2009, 6,90 EUR) probiert. Die Sorte stammt vom Riesling ab und schmeckt ein wenig intensiver inklusive trockenem Nachklang. Ebenfalls aus dem Rothenburger Weinberg kommt der Johanniter Rothenburger Eich Auslese edelsüß (2012 ). Manch einer sagt vielleicht vorschnell: Süße Weine schmecken mir nicht. Das ist zu kurz gegriffen. Dieser 2012er bindet die Süße so geschickt in seinen Beerengeschmack ein, dass er nicht nur zum Nachtisch mundet.

Eine Besonderheit Wein-Frankens ist der Rotling feinherb (2011, 6,20 EUR). Er ähnelt einem württembergischen Trollinger, ist dabei aber ausgewogen und leicht. Gekühlt ein toller Sommerwein! Bei den Roten ist der Heilig Kreuz Frühburgunder trocken (2009, 16 EUR) ein Tipp für Kenner. So klar schmeckt kaum einmal die Burgunderbeere durch, die dabei nicht zu trocken als Schmelz auf der Zunge bleibt. Zum Schluss wird der kräftige Regent Rothenburger Eich Spätlese trocken (2011, 9,50 EUR) gereicht: kräftig, voll, dunkel und überhaupt nicht kantig.

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