"Wird überall sehr ungemütlich"

Viele der über 60 Kinobesucher verlassen die Sonnenlichtspiele wortkarg. Nicht der Film über das Projekt der German Doctors in Sierra Leone hat sie betroffen gemacht, sondern die Ohnmacht vor dem Ebola-Virus.

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Dieses Team in Schutzanzügen ist spezialisiert auf das Beerdigen von Opfern des Ebola-Virus - auf dem Foto in Freetown in Sierra Leone. Foto: afp/Florian Plaucheur

Afrikanische Rhythmen, lachende Gesichter, bunte Gewänder, blauer Himmel, Frauen, die Wurzeln stampfen und Mütter mit schwer kranken Kindern - trotz aller Armut ist im schwarzen Kontinent die Lebensfreude zuhause. Der Umgang mit Krankheit, Leiden und Tod gehört dort zum Leben - auch im Serabu Community Hospital in Sierra Leone. Dieses Projekt unterstützt die Initiative Gaildorf hilft Afrika. In dem Krankenhaus arbeiten drei voll ausgebildete Mediziner im Sechs-Wochen-Rhythmus, Klinikärzte, die ihren Jahresurlaub dort verbringen, und pensionierte Mediziner wie der Gaildorfer Chefarzt Dr. Ulrich Bauer. Nach dem Ausbruch des Ebolafiebers ist zurzeit kein German Doctor mehr vor Ort. Das Krankenhaus soll die Gesundheitsversorgung für 50.000 Menschen sichern. "Das Projekt hat sich wahnsinnig entwickelt", berichtet eine Ärztin in dem Video, das Dr. Bauer am Sonntagnachmittag im Kino gezeigt hat. Das Personal werde mit dem Ziel geschult, das Krankenhaus selbstständig zu führen. Ein Anästhesist wünscht sich eine gesicherte Stromversorgung und Medikamente. In Sierra Leone stirbt jedes vierte Kind vor seinem fünften Lebensjahr, jede achte Schwangerschaft oder Geburt wird nicht überlebt, verdeutlicht Dr. Bauer. "Wir waren auf einem guten Weg, den Anschluss zu finden. Der Ebolavirus hat uns ins Mittelalter zurückgeworfen", habe ihm ein Kollege gesagt. Gerüchte gedeihen auf dem Land: Weiße seien auf Bodenschätze aus und haben den Virus eingeschleust, um das Volk ausrotten. Das über Jahre aufgebaute Vertrauen in die Ärzte ist zerstört, bedauert Dr. Bauer. "Die Leute sterben lieber zu Hause, als ins Krankenhaus zu kommen." Eine wichtige Aufgabe sei deshalb, wieder das Zutrauen der Menschen zu gewinnen und über Ebola aufzuklären.

700 000 Euro habe die Organisation pro Jahr für Personal und Medikamente für Sierra Leone aufgebracht. Jetzt investieren die German Doctors jeden Euro in Schutzkleidung. Ebola steigere den Bedarf ins Astronomische. "Wir können das Personal nicht ohne Schutzanzüge lassen." Einer koste 300 Euro, und man brauche Personal, 18 Pfleger für einen Patienten. 100 000 Euro Kosten habe eine Studie für ein Quarantäne-Bett für sechs Monate errechnet. Im Kinosaal wird es immer leiser. Was in den Medien als Tatsache über Ursache, Ansteckung, Inkubation, Ausbreitung des Ebola-Virus verkauft wird, sind Hypothesen. Nichts ist gesichert.

Sicher ist der German Doctor aus Gaildorf, dass "es sehr ungemütlich überall auf der Welt wird, weil es nicht möglich sein wird, Ebola auf Afrika zu begrenzen". Weil der Virus so hochgradig gefährlich ist, hat die Organisation beschlossen, bis April 2015 keine Doctors nach Sierra Leone zu senden "in der Hoffnung, bis dahin mit den Schutzmaßnahmen so weit zu sein und dass die Seuche nicht mehr so ansteckend ist". Weltweit arbeiten Forscher an der Entwicklung von Antiseren.

Eine Pandemie wie bei der Spanischen Grippe

Verbreitung Epidemiologen stufen Ebola als eine weltumspannende Infektionserkrankung ein, die wie Aids über Sexualkontakte übertragen wird. Die WHO stuft sie wie die Spanische Grippe ein. Die Pandemie kostete zwischen 1918 und 1920 25 Millionen Menschen das Leben.

Auswirkungen 200 bis 300 Patienten werden durchschnittlich im Serabu Hospital behandelt. Letzte Woche waren es nach Informationen von Dr. Bauer zehn. Zurzeit werden ausschließlich Kinder aufgenommen. Vor dem Tor würden Ebola-Kranke abgeladen und liegen gelassen.

Todesrate In Westafrika wurden bis jetzt 4000 Ebolaopfer registriert. Die WHO (World Health Organisation) schätzt die Todesrate auf das Dreifache. Unbekannt ist die Zahl der nicht gemeldeten Todesopfer. Die infektiösen Körper würden irgendwo und nicht immer tief genug begraben.

SWP

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