"Viel Arbeit, Mühe, Sorgen . . ."

|
Vorherige Inhalte
  • August Robert Wieland (1862-1940), Gründer der ARWA-Strumpfwerke. Fotos: Archiv Falk Drechsel 1/4
    August Robert Wieland (1862-1940), Gründer der ARWA-Strumpfwerke. Fotos: Archiv Falk Drechsel
  • Altes Logo der ARWA - die Abkürzung von August Robert Wieland/Auerbach. 2/4
    Altes Logo der ARWA - die Abkürzung von August Robert Wieland/Auerbach.
  • Der Autor unseres Beitrags über August Robert Wieland, Wieland-Ururenkel Falk Drechsel. Foto: Oßwald 3/4
    Der Autor unseres Beitrags über August Robert Wieland, Wieland-Ururenkel Falk Drechsel. Foto: Oßwald
  • In Unterrot ist eine Straße nach August Robert Wieland benannt. Foto: fd 4/4
    In Unterrot ist eine Straße nach August Robert Wieland benannt. Foto: fd
Nächste Inhalte

Anlass für diese kleine Biografie ist der 150. Geburtstag von August Robert Wieland, einem der bedeutendsten Strumpfwarenfabrikanten Deutschlands und Gründer der Strumpfwerke ARWA im erzgebirgischen Auerbach, die nach Krieg und Enteignung durch die Behörden der "Sowjetischen Besatzungszone" zunächst in Backnang und ab 1949 im württembergischen Unterrot vor den Toren der Stadt Gaildorf eine neue Heimat fand. Auch wenn August Robert Wieland schon 72 Jahre tot ist, so hat er doch Bedeutendes hinterlassen. Nicht nur in seinem Geburtsort Auerbach, sondern eben auch im Limpurger Land lassen sich heute noch die Spuren des Unternehmens ARWA finden.

August Robert Wieland wurde als einziges Kind der Eheleute August und Charlotte Wieland in einer armen Strumpfwirkerfamilie am 7. Juni 1862 in Auerbach geboren. Am zweiten Pfingstfeiertag, dem 9. Juni, wurde er getauft.

In seiner Jugend hütete Robert Wieland die Kühe im Erbgericht, um etwas zum Lebensunterhalt der Familie beizutragen. In der Schule war Robert Wieland offenbar keine "Leuchte". In Fleiß und Aufmerksamkeit hatte er jeweils eine Vier, in Rechnen und Rechtschreibung eine Drei. 1876 wurde er aus der Schule entlassen, danach lehrte ihn sein Vater auf dem Handkulierstuhl das Strumpfwirken.

Fortan arbeitete und sparte er, sodass er sich 1880 mithilfe seiner Eltern die erste Anton-Ludwig-Pagetmaschine kaufen konnte, zu der wenig später noch einige kleinere Maschinen hinzukamen. Von Herbst 1882 bis 1884 diente Robert Wieland beim 134er Infanterie-Regiment in Leipzig, wohin er eingezogen wurde.

Am 24. Juli 1886 heiratete Robert die in der Nachbarschaft wohnende 17-jährige Meta Thierfelder, deren Vater der Auerbacher Ortsrichter Carl Thierfelder war. Oft wurde damals bis in die Nacht hinein gearbeitet. Früh nahm Robert den "Quersack" und brachte die Strümpfe zum Faktor. 1891 zog die Familie in das Haus des Schwiegervaters Carl Thierfelder (heute Hauptstraße 75), wo weiterproduziert wurde.

1890 entstand der Plan zum Bau einer Fabrik, welche in diesem und im folgenden Jahr gebaut wurde. Robert Wieland hätte diesen Bau nie allein bezahlen können. Aus diesem Grund zog er Teilhaber hinzu, die jedoch später ausgezahlt wurden, sodass Robert Wieland 1898 alleiniger Inhaber war. In diesem Jahr wuchs die Zahl der Arbeiter auf 50 an.

In jener Zeit produzierte man noch für Verleger, was sich aber bald änderte. Meta Wieland berichtet 1938 über diese Zeit des Anfangs: "Viel Arbeit, Mühe, Sorgen und schlaflose Nächte hängen an diesem Werke."

Robert Wieland war der geborene Unternehmer. Er war risikobereit, hatte einen sehr guten Sach- und Fachverstand und zeigte ausgeprägte Initiative. In der Praxis war er ein Kapitalist, der es verstand, seine Ziele mit Ellbogeneinsatz durchzusetzen. Er war unbeirrbar, ehrgeizig und fleißig, hatte hohe Ansprüche und scheute sich nicht vor Mühe und Arbeit.

Von seinem fachlichen Verständnis zeugen zwei Erfindungen, die er gemeinsam mit seinem Schwiegersohn Paul Thierfelder entwickelt hatte: das "Verfahren zur Herstellung eines gewirkten regulären Strumpfes" und das "Verfahren zur Herstellung regulär gewirkter Strümpfe mit englischem Fuß", patentiert im Jahr 1914. Wieland und Thierfelder setzten die Maschinen dazu in den Stand, den Strumpf vom Doppelrand bis zur Spitze zu arbeiten. Dadurch wurde die Fußmaschine mit einem Arbeiter und zwei Aufstoßern entbehrlich. Weiterhin ist die "mehrschichtige elastische Flachwirkware", der sogenannte elastische Doppelrand, eine Erfindung von Wieland, die er im Jahr 1925 patentieren ließ.

Mit diesen Erfindungen, mit Werbung und guten Absatzmöglichkeiten im Ausland gelang es August Robert Wieland und seinen Mitarbeitern, sich eine führende Stellung in der Strumpfindustrie zu erobern. Die Zahl der Arbeiter und Angestellten wuchs rasch.

Von seinen Mitarbeitern wurde August Robert Wieland liebevoll - aber auch ehrerbietig - "Chef" genannt. Oft machte er sich einen Spaß daraus und unterschrieb auf diese Weise Briefe zum Beispiel an seinen Konkurrenten.

Einhergehend mit der Entwicklung seines Betriebes waren auch die Sozialleistungen, für die ARWA bekannt war. Unter anderem gehörten zum Betrieb eine Werksiedlung, Wasch- und Duschräume, eine Betriebskantine, ein Kindergarten, eine Betriebskrankenkasse, ein Lehrlingswohnheim, Gewinnbeteiligung, Berufsbekleidung, Theaterbesuche, Reisen, Filmabende, Sportfeste, Weihnachtsfeiern, Betriebsfeuerwehr, Blaskapelle und vieles andere mehr.

Neben seiner Tätigkeit als Unternehmer war August Robert Wieland auch Ehemann, Vater, Großvater und Urgroßvater. Von seinen fünf Kindern verlangte er Bestleistungen. Als Ehemann im täglichen Leben war er wohl manchmal schwierig, was sich aber im Alter wieder besserte, wie überliefert ist. In Briefen aus dem Jahr 1918 schreibt Meta Wieland an ihren Sohn Max: "Bei uns ist es würklich nicht schön wenn Vater mal seine Laune hat. Und die hat er jetzt wieder einmal ordentlich. Da ist er auch ein bischen krank der tut gerade als wenn ich davor könnte die schlechte Laune muß man nun so nein fressen."

Zu seinen Enkel- und Urenkelkindern hatte der Großvater ein ausgesprochen gutes Verhältnis. Oft bedachte er sie großzügig mit Geschenken und nahm sich Zeit für ihre Anliegen. In seinem Testament vom 29. Juni 1938 schreibt August Robert Wieland: "Was mir hauptsächlich am Herzen liegt, ist eine klare und dauernde Ordnung der Verhältnisse bei der Firma A. Robert Wieland Strumpffabriken in Auerbach i.E. Die ich gegründet und in jahrzehntelanger unermüdlicher Arbeit auf ihre jetzige Höhe gebracht habe, wobei mich in treuer Mitarbeit meine Frau Emma Meta Wieland geb. Thierfelder und meine Tochter, Frau Rosa Peters geb. Wieland unterstützt haben. Das Unternehmen stellt die Existenzgrundlage für meine ganze Familie dar, und muss aus diesem Grund im wohlverstandenen Interesse sämtlicher Familienmitglieder zusammengehalten werden, es darf nicht dem Widerstreit auseinandergehender Interessen einzelner Familienmitglieder geopfert werde . . ."

August Robert Wieland, der Chef, verstarb am 18. März 1940 im heimischen Auerbach in Folge einer Herzmuskelschwäche. Er wurde in der Familiengruft auf dem Auerbacher Friedhof beigesetzt.

August Robert Wieland gilt mit seiner Karriere als einer der größten Industriepioniere Sachsens. Er arbeitete sich aus kleinsten Anfängen hoch zu einem einflussreichen Industriellen und gehörte zu Beginn des 20. Jahrhunderts zu den führenden Textilfabrikanten in Deutschland. Noch heute erinnern eine "A. Robert Wieland-Eiche" im erzgebirgischen Auerbach und ein Straßenname im Gaildorfer Ortsteil Unterrot an ihn.

Abonnieren Sie das kostenlose Morning-Briefing aus der Chefredaktion
Damit starten Sie top informiert in den Tag. Außerdem im Newsletter: Die Wettervorhersage und die aktuelle Verkehrslage in der Region.
» zur Registrierung

Noch kein Kommentar

Schreiben Sie Ihren eigenen Kommentar

noch 3000 Zeichen
Mit Ihrem Kommentar akzeptieren Sie unsere Netiquette

Für registrierte Nutzer

Melden Sie sich an und schicken Sie Ihren Kommentar ab:

Für noch nicht registrierte Nutzer

Registrieren Sie sich kostenlos, um Ihren Kommentar abzuschicken:

Ich bin damit einverstanden, dass die Neue Pressegesellschaft mbH & Co. KG und ihre Tochterunternehmen mich schriftlich (per E-Mail oder Brief) oder telefonisch über ihre Medienangebote und kostenlose Veranstaltungen informieren dürfen. Meine Daten dürfen zu diesem Zweck gemäß den Bestimmungen des BDSG gespeichert, verarbeitet und genutzt werden. Die Einwilligung kann ich jederzeit widerrufen.
Ich bin mit den Datenschutzbestimmungen einverstanden. *

Bitte beantworten Sie noch die folgende Sicherheitsfrage:

neu laden
Content Management by InterRed GmbH Logo
weiter zur Startseite

MSC Gaildorf: erfolgreichster Veranstalter

Teams, Fahrer und Serienorganisation vergeben für das Rennen auf der „Wacht“ die meisten Punkte. weiter lesen