"Ständig solche Nadelstiche"

Die Debatte im Gemeinderat um die Abwicklung des Gaildorfer Krankenhauses zeugt auch von der großen Sorge um das öffentliche Leben in der drittgrößten Stadt des Landkreises Schwäbisch Hall.

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Wenn das Krankenhaus im Sommer seine Pforten schließen muss, verlieren die Stadt Gaildorf und die Gemeinden des Limpurger Landes eine weitere zentrale Einrichtung. CDU-Fraktionschef Rainer Baumann brachte die Sorge der Bürger in der jüngsten Ratssitzung, an der auch Landrat Gerhard Bauer und Diak-Vorstandsvorsitzender Hans-Joachim Lenke teilnahmen, auf den Punkt: Seit den 60er Jahren würden von Gaildorf immer wieder Einrichtungen abgezogen, in die Stadt zurück komme nichts - auch keine Behördenteile, wie das vor mehr als 20 Jahren immer wieder unverbindlich im Gespräch war. "Ständig solche Nadelstiche - da hat man irgendwann mal nicht mehr das positivste Verhältnis zu anderen Regionen", wie er es diplomatisch formulierte. Was könne Gaildorf denn tun, "dass es wahrgenommen wird im Kreis Hall?"

Baumann wollte vom Landrat auch Einzelheiten hinsichtlich der Budget-Übertragung ans Diakonie-Klinikum wissen. Das sei, so Gerhard Bauer unter Hinweis auf das heute geltende Klassifikationssystem DRG (Diagnosis Related Groups = Diagnosebezogene Fallgruppen) "Schnee von gestern". Die Budgets ließen sich heute nicht mehr zuordnen, weil jeder Fall gesondert abgerechnet werde. Bauer erinnerte auch an frühere Budgetsteigerungen: Gab es ein Plus von 0,3 Prozent, mussten auf der anderen Seite die Krankenhausträger mit einer Kostensteigerung von 3 Prozent fertig werden. Im übrigen habe das Gaildorfer Krankenhaus damals gemeinsam mit dem Diak mehr Geld von den Kassen bekommen, als wenn man für Gaildorf allein verhandelt hätte.

Dass Gaildorf benachteiligt werde, ließ der Landrat nicht gelten. Es sei leider so, dass kleine Häuser nicht mehr existieren könnten. Bauer erinnerte an das Aus solcher Einrichtungen im Kreis Hall, die in den zurückliegenden Jahren und Jahrzehnten geschlossen wurden, nämlich Brettheim, Gerabronn und Ilshofen, ebenso an die Aufgabe von Klinikstandorten im Ostalbkreis (etwa Gmünd) und das bevorstehende Ende der Krankenhäuser Backnang und Waiblingen im Rems-Murr-Kreis. "Hier sehen Sie", so Bauer, "wo die Entwicklung hinläuft". All das habe - auch was Gaildorf anbelangt - "nichts mit fehlender Wertschätzung zu tun".

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