"Kirchen im Limpurger Land": Die kleine katholische Kirche St. Joseph in Fichtenberg

Wer die katholische Kirche in Fichtenberg betritt, erlebt eine kleine Überraschung: Während das Gotteshaus von außen klein, unscheinbar und nüchtern aussieht, wirkt es von innen viel größer und strahlt eine wohltuende Geborgenheit aus.

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  • Eine der jüngsten Kirchen des Limpurger Landes, die katholische Kirche St. Joseph in Fichtenberg. Fotos: Andreas Balko 1/3
    Eine der jüngsten Kirchen des Limpurger Landes, die katholische Kirche St. Joseph in Fichtenberg. Fotos: Andreas Balko Foto: 
  • Die Skulptur des Heiligen Joseph (oder Josef), dem die Kirche geweiht ist. 2/3
    Die Skulptur des Heiligen Joseph (oder Josef), dem die Kirche geweiht ist. Foto: 
  • Blick ins Innere des Gotteshauses, das nach dem Krieg erbaut wurde. 3/3
    Blick ins Innere des Gotteshauses, das nach dem Krieg erbaut wurde. Foto: 
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Wer die katholische Kirche in Fichtenberg betritt, erlebt eine kleine Überraschung: Während das Gotteshaus von außen klein, unscheinbar und nüchtern aussieht, wirkt es von innen viel größer und strahlt eine wohltuende Geborgenheit aus.

Die dem Heiligen Joseph geweihte Kirche ist noch nicht sehr alt. Ihre Entstehung verdankt sie den konfessionellen Veränderungen durch die Flüchtlingsströme nach dem Zweiten Weltkrieg. Während in Fichtenberg bis zum Krieg nur ganz wenige Katholiken ansässig waren, wuchs ihre Zahl durch die Ansiedlung von Heimatvertriebenen mit katholischem Glauben beträchtlich an. Darunter waren viele Deutschstämmige, die zuvor in Schlesien und Ungarn beheimatet waren.

Zunächst mussten die katholischen Christen aus Fichtenberg den Weg nach Hausen zur dortigen Pfarrkirche auf sich nehmen, um an einem katholischen Gottesdienst teilnehmen zu können. Es verwundert nicht, dass bald der Wunsch nach einem eigenen katholischen Gotteshaus in Fichtenberg aufkam.

Von den meisten Hausener Katholiken wurde der Plan wohlwollend unterstützt. Man musste durch einen Kirchenbau in Fichtenberg auch nicht den Verlust von Gottesdienstbesuchern in Hausen fürchten, weil damals die Kirche meist bis zum letzten Platz gefüllt war.

Zunächst galt es, einen Bauplatz zu finden. Die katholische Kirchengemeinde richtete an den Fichtenberger Gemeinderat die Bitte, ihr im GewannTalwiesen ein Grundstück zu verpachten, auf dem eine Baracke als Kirchenraum aufgestellt werden sollte. Dies war jedoch nicht gleich möglich, da sich das Grundstück noch im Besitz der Württembergischen Landsiedlung befand.

Doch dann ergab sich eine ganz neue Perspektive. Die in Ludwigsburg wohnende Julie Fischer, geborene Szepanik, bot der Kirchengemeinde ein Grundstück im Gebiet Gehrendshalde an. Die Kirchengemeinde ergriff die Chance und stellte umgehend die Bauvoranfrage zur Erstellung der geplanten Kirchenbaracke. Der bürgerliche Gemeinderat hatte jedoch Bedenken, eine Baracke in einer Wohnsiedlung zuzulassen.

Nachdem die Kirchengemeinde das Grundstück von Julie Fischer geschenkweise überlassen bekam, konnte der Bau einer "richtigen" Kirche ins Auge gefasst werden. Ein finanzieller Grundstock war vorhanden durch den Verkauf einer Baracke, die bereits Pfarrer Schierle günstig erworben hatte und die sein Nachfolger Pfarrer Letzgus gewinnbringend verkaufen konnte.

Pfarrer Letzgus stammte aus einer Maurermeisterfamilie, was sich für die Kirchengemeinde als Glücksfall erwies. Noch heute spricht man davon, dass er beim Bau des Kirchleins unermüdlich Hand angelegt hat. Am Wochenende und nach Feierabend hatte er viele ehrenamtliche Helfer, und so konnte das meiste bei dem Bauvorhaben in Eigenleistung geschehen. Auch die bürgerliche Gemeinde und das bischöfliche Ordinariat unterstützten den Kirchbau finanziell, und viele Baumaterialien wurden gespendet. Am Ende waren noch so viele Hohlblocksteine übrig, dass man davon die Stielbergkapelle neu erbauen konnte.

Zu Beginn des Jahres 1953 konnte das erste Kind in der neuen Kirche getauft werden, weiß das Heimatbuch Fichtenberg zu berichten. Ebenso, dass die offizielle Einweihung des Kirchleins am 26. April 1953 war. Eingestellt zu den Feierlichkeiten hatten sich nebst vielen Gemeindegliedern Generalvikar Dr. Hagen als Vertreter des Bischofs, Landrat Limbeck, Bürgermeister Reinhardt sowie die Pfarrer Letzgus und Spambalg. Als Zeichen des guten ökumenischen Miteinanders hatte man über den Eingang das gleiche Bibelzitat gesetzt, das auch über dem Portal der evangelischen Kilianskirche zu lesen ist: "Kommet her zu mir alle, die ihr mühselig und beladen seid" (Mt 11,28).

Pfarrer Letzgus konnte nicht lange Gottesdienste in dem Kirchenbau feiern, den er maßgeblich mit vorangetrieben hatte. Andernorts warteten auf ihn neue Aufgaben. In Hausen und Fichtenberg war er nicht einmal zwei Jahre lang.

"Kirchentechnisch" handelt es sich bei der Kirche St. Joseph in Fichtenberg bis heute um eine Filialkirche. Hauptkirche ist die Pfarrkirche St. Michael in Hausen.

Unter Pfarrer Krumpholz wurde die Kirche bereits umgebaut. Vor allem das Altarbild hatte sich als zu dunkel erwiesen und wurde ersetzt. Im Herbst 2007 wurde dann eine weitere Renovierung durchgeführt. Der zuvor kahl wirkende weiße Altarraum erhielt eine "warme Note" durch einen neuen Wandanstrich.

Eine besondere Geschichte hat die Pietà am "kleinen Altar", gleich am Eingang links gegenüber der Orgel. Die Skulptur zeigt Maria als Mater Dolorosa (Schmerzensmutter) mit dem Leichnam des vom Kreuz abgenommenen Jesus Christus in ihrem Schoß. Gestiftet wurde sie von einer Familie, deren Tochter mehr als anderthalb Jahre an einer schweren Hirnhautentzündung gelitten hatte. Seinen neunten und zehnten Geburtstag hatte das Mädchen im Krankenhaus verbringen müssen. Als es ihm endlich wieder besser ging, stiftete die Familie aus Dankbarkeit das Vesperbild.

Sommerserie

Während der Sommerferien stellt die Redaktion - jeweils samstags - Kirchen im Limpurger Land vor. Heute ist die katholische Kirche in Fichtenberg an der Reihe. Der Abschluss in diesem Jahr ist der einstigen Schlosskirche in Schloss Schmiedelfeld gewidmet (12. September). - Viel Spaß beim Lesen.

SWP

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