Kinderbuchautor Peter Härtling ist verstorben

Peter Härtling (1933-2017) war nicht nur Ehrengast der Gaildorfer Heller-Feier im Jahr 1974, nach ihm wurde 1991 auch die Förderschule auf dem Hohbühl benannt.

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  • Schüler und Lehrer freuten sich an jenem 12. Oktober des Jahres 1991: Der Schriftsteller Peter Härtling (links), Namensgeber ihrer Schule, war zum großen Schulfest auf den Hohbühl gekommen. Rechts im Bild zu sehen ist der damalige Rektor Gerhard Mittermaier (mit Gitarre), der Härtling eingeladen hatte. 1/2
    Schüler und Lehrer freuten sich an jenem 12. Oktober des Jahres 1991: Der Schriftsteller Peter Härtling (links), Namensgeber ihrer Schule, war zum großen Schulfest auf den Hohbühl gekommen. Rechts im Bild zu sehen ist der damalige Rektor Gerhard Mittermaier (mit Gitarre), der Härtling eingeladen hatte. Foto: 
  • Der Schriftsteller Peter Härtling (1933-2017). 2/2
    Der Schriftsteller Peter Härtling (1933-2017). Foto: 
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Er war gerührt, als er damals, 1991, mit dem Ansinnen einiger Gaildorfer Lehrer konfrontiert wurde: Die „Sonderschule“ auf dem Eutendorfer Hohbühl sollte seinen Namen tragen. Der Schriftsteller Peter Härtling war nicht nur damit einverstanden, er sicherte auch zu, nach Gaildorf zu kommen – das ihm durch einen früheren Besuch in guter Erinnerung geblieben war – und gemeinsam mit Lehrerkollegium und Schülern die Namensgebung zu feiern. Und er hielt Wort.

Nun ist Peter Härtling, wie berichtet, am Montag im Alter von 83 Jahren gestorben. Er hinterlässt eine große Trauergemeinde, wozu auch diejenigen Menschen zählen, die direkt oder indirekt mit der Peter-Härtling-Schule in Eutendorf zu tun hatten und noch zu tun haben.

Treibende Kraft für die Namensgebung war seinerzeit Gerhard Mittermaier, der 1990 das Rektorat der Förderschule übernommen hatte. Mittermaier war von Härtlings Werk sehr angetan, vor allem von den erst spät entstandenen Kinder- und Jugendbüchern. Solche hatte Härtling geschrieben, weil er offenbar entsetzt war vom Inhalt der Literatur, die seine Kinder lasen. Das seien Bücher, so der Autor, „deren Verlogenheit kränkend ist“. Die Welt werde darin „verschönt, verkleinert“ und „bekommt Wohnstubengröße“. Was er vermisste, war Lesestoff, der die Welt der Kinder „kindgemäß, aber wahrhaftig und wirklichkeitsgerecht“ beschreibt.

Solche Bücher schrieb er fortan selbst; im Lauf der Jahre sollten es mehr als 25 werden. Härtling stellte dabei, wie es Gerhard Mittermaier damals angenehm aufgefallen ist, „hohe pädagogische Ansprüche“. Und die formulierte der Kinderfreund so: „Bücher, die ich meine, sollen nicht beschwichtigen, sie sollen beunruhigen und wecken. Neugierig sollen sie machen auf Menschen und Dinge, auf das Unbekannte im Bekannten, sogar auf das Unmögliche.“

Dies auch den Förderschülern des Limpurger Landes im Rahmen der Feierlichkeiten zur Namensgebung zu vermitteln, war ihm ein besonderes Anliegen. Zuvor wollte er sich jedoch mit seinem mehrfach preisgekrönten Werk an die Elterngeneration wenden. Dafür nahm sich Härtling – ungewöhnlich für einen viel gefragten Literaten – zwei Tage Zeit. Am Abend des 11. Oktober fesselte er seine Erwachsenen Zuhörer im Wurmbrandsaal des Alten Schlosses mit Auszügen aus verschiedenen Romanen und Gedichten über die Kindheit.

Am folgenden Tag hatte schließlich für die Kinder das Warten ein Ende: Peter Härtling war sozusagen der Star beim Schulfest auf dem Hohbühl. Zu seinem populärsten Werk „Das war der Hirbel“ – es ist die Geschichte über einen kranken, aber fröhlichen Jungen, der in einem Heim aufwachsen muss – hatte der Autor viele Fragen aus Kindermund zu beantworten. Es wurde aber auch viel gelacht an diesem Tag und zum Gitarrenspiel von Rektor Mittermaier gemeinsam gesungen.

Von Hans König eingeladen

Bei der Gelegenheit schilderte Peter Härtling auch, wie er das erste Mal nach Gaildorf kam: Im Jahr 1974, zur 34. Eugen-Heller-Feier mit Verleihung der begehrten Heller-Preise an gute Schülerinnen und Schüler, hatte ihn Bürgermeister Hans König – der einen Tag vor Peter Härtling gestorben ist – eingeladen. In der proppenvollen Festhalle las er vor einem aufmerksamen Publikum – wie er es Jahre später erneut tat – aus seinem 1973 erschienenen „Hirbel“-Buch. Selten, erzählte Härtling später, habe ihm ein so dankbares Publikum gelauscht wie in Gaildorf.

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