"Für Gaildorf geht noch was"

Er sympathisiert mit Bürgermeister Markus Bock. "Sein Stil gefällt mir", sagt Oliver Taschowsky. Ein Bürgermeister ist für den 42-Jährigen zunächst ein Zugpferd, ein Gestalter, in zweiter Linie Rathauschef.

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Oliver Taschowsky will Bürgermeister in Gaildorf werden. Bei seinem Wahlkampfauftakt im "Kocherbähnle" in Unterrot nahm er sich ausgiebig Zeit für ein Gespräch mit dem einen Zuhörer, der gekommen war.  Foto: 

Hiltrud Österle hat am Donnerstagabend gut zu tun, fast alle Tische im "Kocherbähnle" sind besetzt. Im Nebenzimmer dagegen ist es ruhig. Drei Gäste sitzen dort, die nur wenig Durst, gar keinen Hunger, aber viel Gesprächsbedarf haben: der Kandidat, ein Zuhörer, ein Pressevertreter. Oliver Taschowsky bleibt gelassen. Markus Bock habe ihn vorgewarnt: Der Sulzbach-Laufener Bürgermeister saß bei seinem Wahlkampf auch mal fast allein in der Gastwirtschaft. Der 42-Jährige - er arbeitet seit 15 Jahren in der Pflege und Betreuung behinderter Menschen bei der Diakonie Stetten - tritt selbstbewusst als Bürgermeister-Kandidat in Gaildorf gegen zwei Platzhirsche an. Er wirbt mit den Attributen unabhängig, überparteilich, authentisch - und er bezieht Position. Zum Naturstromspeicher beispielsweise, den er gut findet und den seine zwei Mitbewerber bei der öffentlichen Vorstellung ausgeklammert haben. Auch den Bürgerentscheid über den Naturstromspeicher hält Taschowsky für konstruktiv. Weniger gut findet er, dass sich die Skeptiker des Projekts kleingeredet und nicht ernst genommen fühlen - so sein Eindruck nach Gesprächen mit Gaildorfer Bürgern auf der Straße. "Vielleicht hätte man mehr gemeinsam vorgehen können." Wichtig sei ihm das Gespräch und die Bereitschaft zum Kompromiss.

"Wir müssen gucken, wo wir hinwollen", sagt der Kandidat aus dem Remstal. Ja, er identifiziere sich schon stark mit Gaildorf, bekennt er. Die Stadt habe Potenzial, aber punktet nicht mit ihren Stärken, etwa dem Bildungsstandort, der Kinderbetreuung, den moderaten Wohnungsmieten und bezahlbarem Bauland, ihren Gewerbeflächen, der Landschaft, dem kulturellen Angebot und Highlights, zu dem auch der Jugend-Euro-Cup gehört, von dem der früher aktive Fußballer "noch nie was gehört hat, obwohl ich nur 50 Kilometer weg wohne". Mit diesen Stärken als Argumentationshilfe ließen sich Firmen, etwa aus dem IT-Bereich, nach Gaildorf holen. "Ich weiß aus meinem Freundeskreis, dass viele Firmen die Mieten im Großraum Stuttgart nicht mehr zahlen wollen oder können." Und Betriebe bedeuten nicht nur Arbeitsplätze, sondern auch Ausbildungsplätze. Die Frage sei, ob und wie viel die Gaildorfer bereit sind, dafür zu geben. "Man kann eine Stadt nicht ohne Geld aufwerten." Die Gewerbesteuer sei nun mal die wichtigste Einnahmequelle einer Kommune.

Dass Gaildorf eine Umgehung braucht, "sieht sogar ein Außenstehender", sagt Oliver Taschowsky, "vielleicht fehlt auch der Druck vom Landkreis", spekuliert er. Er selbst könne schon ein penetranter Mensch sein, allerdings müssten der Gemeinderat und die Bevölkerung dahinterstehen. Den Einwand, er sei auf dem Verwaltungsgebiet nicht bewandert, lässt Taschowsky so nicht gelten. Er hat Jura studiert, eine Ausbildung als Betriebsschlosser und den Fachwirt im Sozial- und Gesundheitswesen, "ja, ich habe Grundlagen für den Beruf des Bürgermeisters, und ich weiß, was Verwaltung bedeutet". Und er habe Ahnung von Öffentlichkeitsarbeit und Marketing. Im Rathaus, sei ihm versichert worden, "sind Fachleute stark vertreten", Expertenwissen, auf das er zurückgreifen könne. Taschowsky schließt auch ein Kontaktstudium an der Fachhochschule für Verwaltung in Kehl nicht aus, um Lücken zu schließen. "Ich bin 42, das lebenslange Lernen hört nicht auf". Außerdem "sollen Bürgermeister gestalten und nicht verwalten". Das würde Taschowsky gerne tun, denn für Gaildorf, ist er überzeugt, "geht noch was".

Info Die nächsten Bürgergespräche von Oliver Taschowsky sind am Dienstag, 15. Juli, um 19 Uhr in Ottendorf im "Weilerstüble", am Mittwoch, 16. Juli, um 19 Uhr in Gaildorf im "Bräuhaus", am Donnerstag, 17. Juli, um 19 Uhr in den "Winzenweiler Stuben" in Winzenweiler. Weitere Infos online unter www.oliver-taschkowsky.de

Zur Person: Oliver Taschowsky

Oliver Taschowsky ist verheiratet, hat zwei Kinder, 1 und 5 Jahre. Er kam 1971 in Brehna im Landkreis Bitterfeld zur Welt, absolvierte die Polytechnische Oberschule, Berufsausbildung (Betriebsschlosser) mit Abitur in Magdeburg, 12 Monate Grundwehrdienst bei der Luftwaffe (Fernmeldetechniker), Studium der Rechtswissenschaften an der Uni Halle/Saale und der Uni Konstanz, verschiedene Praktika in der öffentlichen Verwaltung, in der Rechtspflege (Land- und Amtsgericht, Staatsanwaltschaft) und bei einem Rechtsanwalt in Radolfzell. Seit 2000 arbeitet er in der Diakonie Stetten im Bereich Wohnen, von 2003 bis 2008 Mithilfe beim Aufbau einer Sicherheitsfirma in Radolfzell und im Anschluss Leitung der Verwaltung mit vier Mitarbeitern (Personal, IT-Support, Marketing und Buchhaltung), ab 2007 Führungsverantwortung für bis zu zwölf Mitarbeiter, von 2009 bis 2012 berufsbegleitendes Fernstudium mit Abschluss zum "Fachwirt im Sozial- und Gesundheitswesen" (IHK). In seiner Freizeit liest Oliver Taschowsky gern historische Romane, und er mag Sport.

SWP

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