„Frieden und Demokratie sind keine Selbstverständlich“

In Gaildorf und Fichtenberg wurde am Sonntag der Millionen Opfer von Krieg und Gewalt gedacht und Kränze niedergelegt.

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Pfarrerin Simone Haas begrüßt nach Gedenkfeier am Volkstrauertag Gäste der Feier auf dem Friedhof Gaildorf.  Foto: 

Die Besucher der Gedenkfeier in Gaildorf waren an zwei Händen abzulesen. Die Stadtkapelle und der Liederkranz umrahmten die Feier im Mausoleum. Durch die geöffnete Seitentür fiel Sonnenlicht in den Raum, während Bürgermeister Frank Zimmermann an das dunkelste Kapitel deutscher Geschichte erinnerte. Der Blick zurück sei wichtig für ein friedliches Miteinander heute, meinte er. Er ging auf die Geschichte des Volkstrauertags ein, einem „Bestandteil unserer Erinnerungskultur“. Die Rede des damaligen Bundespräsidenten Richard von Weizsäcker zum 8. Mai 1985 habe das Geschichtsbewusstsein der Deutschen nachhaltig beeinflusst, als er aus dem „Tag der Kapitulation“ den „Tag der Befreiung“ machte.

Heute bestehe ein gesellschaftlicher Konsens, den Opfern des Naziregimes zu gedenken. Zimmermann schloss darin ausdrücklich die Opfer terroristischer Angriffe ein. Sie gehöre zu einer Generation, die Krieg ausschließlich aus den Erzählungen der Großeltern und Urgroßeltern kennt, sagte die Gaildorfer Pfarrerin Simone Haas. Die jüngsten politischen Entwicklungen haben ihr bewusst gemacht, „dass Menschenrechte, Frieden und Demokratie keine Selbstverständlichkeiten sind und immer wieder aufs Neue erarbeitet werden müssen“. Sie rief jeden Einzelnen dazu auf, sich für eine gerechtere Welt einzusetzen.

Ob die Gedanken von Bürgermeister Roland Miola, Pastoralreferent Sven Brückner, VdK-Vertreterin Theresia Schäfer oder den Schülerinnen Ruby Mohr und Helen Frenzel, alle mahnten, die Augen nicht zu verschließen und wachsam zu sein im Hinblick auf die Zukunft. Eindringliche und bewegende Worte trugen Ruby Mohr und Helen Frenzel im Wechsel vor. „Wir, die heutige Jugend, haben den Krieg nicht erlebt, nicht die Entbehrung, den Hass, das Grauen, nicht den Fanatismus, nicht die Enttäuschungen und Zusammenbrüche. Aber wir wollen wissen, was da geschah, und warum es geschah.“

„Gott weiß vom Leid“

Überall auf der Welt, wo kriegerische Auseinandersetzungen stattfinden, bleiben Menschen in Trauer und mit Leid zurück, sagte Miola. „Weiß Gott von all den Schlachtfeldern und Schrecken?“, fragte Sven Brückner. Ja, Gott wisse darum und lasse uns nicht allein, gab er selbst zur Antwort.  „Wir müssen im Kleinen anfangen“, forderte Theresia Schäfer die Friedhofsbesucher auf. Ohne Fürsorge und Liebe zum Nächsten schaffe man es nicht. Da schloss sich der Kreis zum Text der Mädchen: „Innehalten in der Hektik des Alltags. Ruhe finden. Zuhören. Auch einmal an andere denken, nicht nur an sich selbst.“ Mit dem Liederkranz Mittelrot zu singen, gehörte in diesem Moment der Ewigkeit dazu.

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